McDonald's und Fitnessstudio: Diese Wünsche haben Bönener Jugendliche

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Unter dem provokanten Titel „Laber nicht – Komm zur Sache“ hat die Kinder- und Jugendförderung des Kreises am Samstag in den Förderturm eingeladen.

Bönen – Mehr als vier Stunden saßen knapp 60 Kinder der Klassen eins bis sechs sowie 25 Jugendliche am Samstagnachmittag auf der Sechsmeterebene des Zechenturms insgesamt zusammen. Ihre Wünsche sind wohl nicht alle zu erfüllen.

In Arbeitsgruppen, die nach Alter differenziert waren, versuchten die jungen Teilnehmer, auszudrücken, was sie bewegt, was ihnen Sorgen macht und was für Wünsche sie gerne erfüllt sehen würden.

Wobei der Titel der Veranstaltung der Kinder- und Jugendförderung des Kreises Unna provokant gewählt war. „Laber nicht – Komm zur Sache“ trifft aber beide Seiten. Die Jugendlichen mussten eben konkret benennen, was sie wollen. 

Die erwachsenen Möglichmacher in den Institutionen sollen nicht am Bedarf vorbeiplanen. Die Resonanz sei gut gewesen. „Jugendliche sind immer schwerer zu erreichen“, erklärte der Sachgebietsleiter der Kinder- und Jugendförderung, Klaus Faß. „Aber bei unserer ersten Veranstaltung in Fröndenberg war nur einer dabei.“ 

Fast 300000 Euro sind zu verteilen

Letzte Station wird Holzwickede sein. Danach wird das Erfahrene zur Vorlage für die Politik. „Ich denke, die wird wohl im Mai fertig und dem Jugendhilfeausschuss zur Abstimmung vorgelegt“, sagte die für die „Bündelung“ der Ergebnisse zuständige Kreismitarbeiterin Monika Thünker. Im Topf sind 170 000 Euro an Landesmitteln und 120 000 aus dem Kreishaushalt, die es dann gilt, zielgerichtet einzusetzen. Da helfe so eine Beteiligungsaktion des Kreises Unna. 

„Wir wollen wissen, wo es hakt, aber auch das, wo es gut läuft. Wir wollen Inhalte festschreiben“, erklärte Faß. Als „sehr nützlich, ein gutes Ding, vom Go in gut organisiert“, empfanden die Aktion einige Jugendliche. „Sie können es manchmal schlecht in Worte fassen“, urteilte Dietmar Rosin, Mitarbeiter des Bönener Jugendzentrums über einen gemalten Penis, der an die Stellwand gepiekt wurde. 

Das sei nicht nur pubertäres Verhalten, sondern auch der Wunsch nach Hilfe in Bezug auf sexuelle Bedürfnisse. Während diese „Sorgenecke“ – der Workshop beschäftigte sich mit den Problemen der Bönener Jugendlichen – ergab, dass die meisten mit Freunden reden und nach Lösungen suchen, manchmal auch Vertrauenslehrer heranzögen, war das Resultat der „Freizeitecke“ ein in vielen Punkten Altbekanntes. „Den Wunsch nach einem Mc Donalds gibt es schon seit Jahren“, meinte Grünen-Fraktionsvorsitzender Friedrich Lange. Neu ist hingegen der vielfache Wunsch nach einem Fitnessstudio.

Angst vor dem Erwachsenwerden 

Go-in-Leiterin Angela Bräuer machte anhand der Sorgenzettel auch eine latente Angst vor dem Erwachsenwerden unter den Jugendlichen aus. „Es bedeutet offensichtlich Stress, Verantwortung übernehmen zu müssen.“ Der Besuch der Bönener Jugendlichen bei „Laber nicht...“ zeigt im Gegensatz dazu, dass sie durchaus Interesse daran haben, ihre nähere Zukunft selber zu gestalten. Irrungen und Wirrungen von Heranwachsenden eben. 

„Die Jugendlichen wünschen sich verstärkt einen informellen Treffpunkt, einen Raum ohne pädagogische Betreuung“, sah Faß darauf angesprochen Gemeinsamkeiten im Kreis. Und Jörg-Andreas Otte, der als zuständiger Fachbereichsleiter Interesse zeigte, betonte, dass aus dieser Veranstaltung mit ihren Ergebnissen keineswegs ein Papier für die Schublade werde. „Wir werden die Ergebnisse bewerten und für die Politik aufarbeiten.“ Er lobte die Jugendlichen, die sich an dem Nachmittag tatsächlich intensiv Gedanken gemacht hätten.

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