Marktgilde hat Konzept für den Bönener Wochenmarkt

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Ingo Johnson und Martin Rosmiarek von der Deutschen Marktgilde haben Ideen für den Bönener Markt.

Bönen – Die Lücke zwischen den Ständen werden immer größer, die Kundenzahl immer kleiner. Es sieht also gar nicht gut aus für den Bönener Wochenmarkt – das ist allen Beteiligten klar. Ideen, ihn wieder attraktiver zu machen, hat die Deutsche Marktgilde. Die Genossenschaft bietet an, den Wochenmarkt in der Gemeinde zu übernehmen. Ihr Konzept stellten Ingo Johnson vom Vorstand der Gilde und Prokurist Martin Rosmiarek am Donnerstagabend den Mitgliedern des Fachausschusses Familie, Sport und Kultur im Rathaus vor.

Doch nicht nur die hatten Interesse an dem Vortrag. Die Markthändler, die dafür in den Sitzungssaal des Rathauses gekommen waren, blieben dabei aber skeptisch. Offenbar befürchten sie, dass die Marktgilde die Standgebühren anheben würde. Bürgermeister Stephan Rotering wollte das genau wissen. „Wie können Sie unseren Händlern versichern, das es für sie nicht teurer wird und Sie ihnen nicht nur lediglich ein Eröffnungsangebot machen, um anschließend die Gebühren anzuheben?“, fragte er die Gäste. Zurzeit zahlen die Marktbeschicker 2 Euro pro Quadratmeter Standfläche in der Bönener Fußgängerzone. Das sei ein absolut realistischer Preis, der so beibehalten werden könne, gab Martin Rosmiarek an.

Eine Händlerin forderte daraufhin, dies schriftlich haben zu wollen – und zwar für die kommenden zehn Jahre. „Eine Preisanpassung in gewisser Höhe lässt sich natürlich grundsätzlich nicht ausschließen“, räumte Rosmiarek ein. Zunächst würde der Betrag aber in gewohnter Höhe bleiben. Außerdem habe die Gilde auf anderen Märkten Modelle, wo sie an bestimmten Tagen sogar günstigere Standmieten anbieten. So etwas könne er sich auch für die Gemeinde vorstellen. Händler mit einer besonders großen Standfläche bekämen einen Rabatt, und für Vertragshändler ergebe sich ebenfalls ein verringerter Preis. Generell zwingt die Marktgilde aber keinen Anbieter, der Genossenschaft beizutreten, machte der Diplom-Kaufmann deutlich. Freie Händler seien immer willkommen, sofern sie sich an die verhandelte Marktsatzung halten. „Das kann jeder frei entscheiden.“ 

Neue Händler könnten das Angebot ergänzen

Rosmiarek leitet die Niederlassung in Köln und wäre, falls der Gemeinderat der Übernahme zustimmt, für den Bönener Markt zuständig. Um diesen für Kunden und Verkäufer wieder interessant zu machen, würde die Marktgilde vor allem darauf achten, dass der „grüne Bereich“, sprich das Angebot an frischen Produkten wie Obst und Gemüse komplett und in guter Qualität vorhanden ist. Es soll schließlich eine Alternative zum Supermarkt oder Discounter bieten, vor allem mit regionalen Produkten. Auch „ergänzende Waren“ des tägliche Bedarfs, Kleidung und Haushaltswaren etwa, gehören laut der Experten auf den Markt, jedoch nicht in einem zu großen Umfang. Die Gemeinde hatte bislang Schwierigkeiten, neue Händler anzulocken, die Gilde kann hingegen auf eine umfassende Datenbank zurückgreifen, auf Genossenschaftsmitglieder und ihre zahlreichen Kontakte. „Wir haben im Jahr etwa 140 000 Händlerkontakte“, erzählte Ingo Johnson seinen Zuhörern. Immerhin betreut die Organisation bundesweit über 200 Märkte, angefangen von kleinen ab fünf Ständen bis hin zu ausgedehnten täglichen Märkten mit mehr als 100 Händlern in den großen Städten wie Dresden, Berlin oder Hannover. 

Mittlerweile sind die Profis aus dem hessischen Eschenburg auch schon im Kreis Unna aktiv. Sie haben im Juni den Wochenmarkt in Schwerte unter ihre Fittiche genommen. Den Einwand eines Bönener Händlers, dass es dort eben nicht funktioniere und die Händler reihenweise verschwinden würden, wies Rosmiarek ab. „Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Der Markt in Schwerte ist zu 100 Prozent ein Erfolg“, sagte er. Tatsächlich lief die Übernahme dort aber nicht ohne Reibung ab. Viele Händler hatten dagegen protestiert, insbesondere, weil die Gilde ihre Stände neu aufgestellt hat. „Die Rettungswege waren nicht gegeben“, erklärte der Gilden-Prokurist die Gründe. Nach einer aktuellen Befragung seien nun aber 95 Prozent der Verkäufer zufrieden mit dem „neuen“ Markt. 

Auch bei den Bewohnern kommt das an. Wie eine Schwerterin berichtet, sei sie sehr überrascht über das große Angebot vor allem an regionalen Produkten gewesen, dass dort zu finden ist. Sie kenne einige Leute, die sich auf dem Schwerter Markt regelmäßig mit Obst, Gemüse und Eiern eindecken und sehr zufrieden sind. Der Markt sei ein Treffpunkt für Schwerter Bürger. 

Rahmenbedingungen müssen passen

Damit auch der Bönener Markt zu einem solchen Treffpunkt wird, müssten zunächst die Rahmenbedingungen passen, so Martin Rosmiarek. „Ohne politischen Willen geht das gar nicht. Der Markt darf kein Lückenbüßer sein“, wandte er sich an die Gremiumsmitglieder, die sich in nächster Zeit mit dem Thema befassen sollen. Die Infrastruktur muss passen, der Marktplatz zentral und für die Kunden gut erreichbar liegen. Und natürlich müssen die Anbieter „mitspielen“. „Wir brauchen keine Schönwetter-Händler, sondern zuverlässige und engagierte Händler“, sagte der Fachmann. Die würden von der Marktgilde dann professionelle Unterstützung bekommen – unter anderem durch einen qualifizierten Marktleiter vor Ort, durch abgestimmte Veranstaltungen und Aktionen und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. 

Bürgermeister Stephan Rotering sieht in dem Konzept eine Chance. „Wenn wir nichts ändern, haben wir bald gar keinen Markt mehr“, stellte er nüchtern fest. Sollte die Genossenschaft den Markt übernehmen, würde die Verwaltung auf die Einnahmen aus den Standgebühren verzichten, andererseits aber auch nicht mehr für die Reinigung aufkommen. Für die Gemeinde wäre die Übernahme kostenlos. Ob diese infrage kommt, darüber müssen sich jetzt die Kommunalpolitiker Gedanken machen.

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