Ein Markt der zweiten Chancen: Die Stöberei eröffnet in der Bönener Fußgängerzone

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Die beiden Mitarbeiterinnen Heike Nicolai und Sarah Bergerhoff sind sehr zufrieden mit dem neuen Standort.

Bönen – Die Blusen, Hosen und Pullover hängen farblich sortiert an den Kleiderstangen, es gibt zwei geräumige Umkleidekabinen und sogar eine kleine Lounge-Ecke mit einem trendigen Sofa aus Paletten und kuscheligen Kissen. „Die Stöberei“ in der Fußgängerzone wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales, modernes Geschäft. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es sich bei dem Sortiment um Waren aus zweiter Hand handelt. Im ehemaligen Modegeschäft Hussmann bekommen ausrangierte Kleidungsstücke, Haushaltswaren, Spielzeuge und Co. seit dieser Woche eine zweite Chance – und das gilt zum Teil ebenso für die Mitarbeiter.

„Die Stöberei“ gibt es dabei bereits seit einem Jahr in der Gemeinde. Das neue Konzept der Awo-Tochter DasDies Service GmbH soll die bisherigen Second-Hand-Kaufhäuser aus der „Ramschecke“ herausholen, wünscht sich DasDies-Geschäftsführer Maciej Kozlowski. Und mit dem neuen Standort in der Bönener Fußgängerzone sei der Laden zudem viel präsenter. „Wir sind sehr froh, dass wir das Ladenlokal gefunden haben“, sagt Kozlowski. „Das Modegeschäft Hussmann ist ja in Bönen sehr bekannt.“ Den bisherigen Standort an der Bahnhofstraße 163 hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) aufgegeben, die Gebäude sind bereits verkauft. 15 Jahre war die DasDies dort ansässige, Laufkundschaft gab es dort trotzdem nur wenig. Es kamen hauptsächlich Kunden, die gezielt etwas gesucht haben. 

Das ist jetzt anders. Seit die Ladentür am Montag geöffnet wurde, kommen immer wieder Menschen ins Geschäft, schauen sich um und kaufen auch etwas. Mit so viel Zulauf direkt an den ersten Tagen haben Heike Nicolai und ihre sechs Kollegen gar nicht gerechnet – zumal das Geschäft erst am 21. Februar ganz offiziell eröffnet wird. „Wir sind sehr zufrieden. Es läuft wirklich sehr gut“, berichtet die Filialleiterin. Sie ist eine von zwei Festangestellten in der Stöberei. „Wir haben in Bönen zwei Arbeitsplätze für behinderte Menschen. Wenn es gut läuft, planen wir, dort eine dritte Stelle einzurichten. 

Die anderen fünf Mitarbeiter, die im Verkauf und im Lager arbeiten, sind in einer Maßnahme“, erklärt Maciej Kozlowski. Ziel der GmbH ist nämlich die Integration und Inklusion von Menschen, die es auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt schwer haben. Dazu zählen neben Frauen und Männern mit Behinderungen vor allem Langzeitarbeitslose, junge Arbeitslose und Menschen mit Migrationshintergrund. „Wir hoffen, dass sie das als Sprungbrett nutzen, um am ersten Arbeitsmarkt eine Stelle zu bekommen“, so der Geschäftsführer. Seiner Erfahrung nach klappt das sehr gut. Die meisten finden tatsächlich anschließend eine neue Beschäftigung. Ein großer Teil bleibt jedoch bei der DasDies. „70 Prozent unserer Belegschaft sind ehemalige Langzeitarbeitslose“, sagt Kozlowski. 

Umfangreiches Sortiment 

Die Mitarbeiter in der Stöberei sind jedenfalls froh über die Chance. Und in dem neuen Geschäft macht ihnen die Arbeit sogar noch mehr Spaß. Immerhin haben sie dort 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, die vor der Eröffnung mit frischen Farben und ein paar guten Ideen ein modernes, offenes Flair bekommen hat. So gibt es etwa eine Kinderecke, in der die kleinen Kunden zwischen dem angebotenen Spielzeug, Stofftieren und Büchern stöbern können. Außerdem ist dort die gemütliche Lounge-Ecke untergebracht, in der die Kinder warten können, wenn es bei den Großen bei der Anprobe mal etwas länger dauert. 

Ansonsten wird das umfangreiche Sortiment in verschiedenen Bereichen präsentiert. Neben dem Eingang finden Möbel, vor allem Kleinmöbel wie Kommoden und Regale. Aber auch Kleiderschränke, Sitzgarnituren und Betten hat die Stöberei im Angebot. Dazu kommen Kleidung für Frauen, Männer und Kinder, Haushalts- und Elektrogeräte, Haushaltswaren vom Geschirr über Tischdecken und Tortenplatten bis hin zu Töpfen und Besteck. 

Die Waren stammen allesamt aus Spenden. Jeder, der etwas abgeben möchte, ist im Laden willkommen. Die abgegebenen Kleidungsstücke, Haushaltswaren und andere gut erhaltenen Dinge werden von den Mitarbeitern geprüft, gereinigt und ins Sortiment gebracht. Das Lager ist ausgestattet mit einem Geschirrspüler, einer Waschmaschine und einem Trockner. Kleinere Reparaturen Können ebenfalls direkt vor Ort erledigt werden.

Allerdings gibt es am neuen Standort keine Werkstatt mehr. „Das Lager ist hier kleiner, wir haben nur 100 Quadratmeter“, erzählt Maciej Kozlowski. Das sollte aber eigentlich ausreichen, denn Möbel werden von den Mitarbeitern abgeholt und zunächst zum DasDies-Standort nach Lünen gebracht. Dort werden sie gegebenenfalls aufgearbeitet und anschließend an die Stöberei-Filialen in Lünen, Bergkamen, Kamen und Bönen verteilt. „Wir schicken zunächst Mitarbeiter, die sich die Sachen ansehen“, sagt Damian Markowski. Er ist Betriebsleiter der Stöberei. Alles, was sich noch gut verkaufen lässt, wird mitgenommen. 

Kundenkarten für Bedürftige

Die Mitarbeiter achten durchaus darauf, dass kaputte oder stark verschmutzte Waren nicht in den Geschäften landen, selbst wenn sie dort zu günstigen Preisen angeboten werden. Das gehört ebenfalls zum Konzept der GmbH. „Wer auf Unterstützung angewiesen ist, erhält eine Kundenkarte von uns“, erklärt Markowski. „Damit bekommt er dann noch mal einen Rabatt.“ Schließlich richtet sich das Angebot in der Stöberei insbesondere an Menschen mit kleinem Geldbeutel. Aber selbstverständlich sind genauso alle anderen gern gesehene Kunden – schon im Sinne der Nachhaltigkeit. Gerade junge Leute kaufen heute gerne SecondHand, um die Ressourcen zu schonen, haben Markowski und Kozlowski festgestellt. 

Mit dem Verkauf finanziert die DasDies GmbH ihr Geschäftsmodell. „Wir müssen 70 Prozent unserer Kosten selbst erwirtschaften“, macht Maciej Kozlowski deutlich. Mithelfen kann dabei jeder, durch Spenden oder durch Kauf der Waren. Geöffnet ist die Stöberei an der Bahnhofstraße 107 im ehemaligen Modegeschäft Hussmann montatgs bis freitags durchgehend von 9.30 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 15 Uhr.

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