Appell für gegenseitige Rücksichtnahme

Markante Stellen für den Radverkehr: Unterwegs mit dem ADFC Bönen

Udo Dramm Bönen Fahrrad Zechenturm
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Udo Dramm vom ADFC Bönen ist viel mit dem Rad in der Gemeinde unterwegs. Er kennt knifflige Stellen für den Radverkehr. Mit den Ideen der verantwortlichen Planer ist er häufig nicht einverstanden.

Autofahrer ärgern sich über nebeneinanderfahrende Radfahrer, Biker beschweren sich über Autofahrer, die zu wenig Abstand halten – ein vermehrtes, gegenseitiges Unverständnis im Verkehrsverhalten hat der ADFC Bönen in den vergangenen Wochen festgestellt. „Es kann nur einen reibungslosen Verkehrsablauf geben, wenn jeder Rücksicht nimmt mit gegenseitigem Respekt“, appelliert der ADFC.

Bönen - WA-Reporter Markus Liesegang war daher mit dem ADFC-Vorsitzenden Udo Dramm unterwegs, um auf Missstände, die das Miteinander von Fußgängern, Radfahrern sowie Autos und Lkws betreffen, aufmerksam zu machen.

Probleme vor der Bahnschranke

Der Zeitpunkt sei suboptimal, meint Udo Dramm am Montagmorgen. Das Wetter ist eher schlecht, folglich wenig Verkehr vor und auf dem Bahnhofsvorplatz. Es sind aber „Kleinigkeiten“, die an diesem Morgen ins Auge stechen. „Der Lieferwagen parkt dort schon eine dreiviertel Stunde den Bürgersteig zu“, deutet Dramm auf die Ecke Am Bahnhof und Bahnhofstraße vor dem Kiosk. Gegen Lieferverkehr an sich ließe sich nichts sagen. Aber Kaffeepause und Palavern findet der Bönener nicht okay. „Und hier, die Radler fahren quer über den Platz auf der falschen Straßenseite zur Schranke, um diese zu überqueren. Das ist genauso wenig in Ordnung. Radfahrer sind auch keine Engel“, weiß er. „Und der da blinkt nicht – auch typisch“, deutet er auf einen abbiegenden Opel.

Es ärgert Dramm, dass diese Dinge einfach hingenommen werden. Und das direkt vor der neuen Wache. „Aber die Polizei interessiert so etwas genauso wenig wie das Nichteinhalten der vorgeschriebenen 1,5 Meter Mindestabstand beim Überholen. Wenn die Schranke hochgeht, überholen die Autos sofort die startenden Radfahrer vor ihnen. Haarsträubend. Ich habe schon überlegt, mir eine Schwimmnudel auf den Gepäckträger zu klemmen, als Abstandshalter.“

Das Interesse der zuständigen Behörden an einer Umsetzung der Verkehrswende sei eher marginal, meinen Dramm und Mitstreiterin Eva Walter, die in der ADFC-Gruppe die Pressearbeit verantwortet. „Für das Prädikat Fahrradfreundliche Kommune gibt es doch auch Fördermittel. Wo werden die hier verwendet?“

Streifen statt Radweg

Es ginge letztlich aber nicht ums Meckern, sondern um ein konstruktives Miteinander. „Warum holt man nicht Sachverstand bei der Planung mit ins Boot“, fragt Dramm mit Blick auf die fertiggestellte Bahnhofstraße in Altenbögge. „Dort wurden ein 80 Zentimeter breiter Schutzstreifen für Fahrradfahrer eingerichtet und Parkbuchten statt eines Fahrradweges“, ärgert sich der ADFC-Sprecher. „Als ich das in einer Ausschusssitzung Planen, Bauen, Umwelt angesprochen habe, kriegte ich zu hören, dass die Parkbuchten für den Lieferverkehr nötig seien. Dabei gibt es dort keine Geschäfte“, sagt Dramm.

Walter hofft, dass die Bönener Seite der Bahnhofstraße –für die Planung hat die Gemeinde ja die Bürger mit einbezogen – anders gestaltet wird. Echte Hoffnung auf ein gefahrloses Befahren hegen sie und Dramm nicht. „Dort parken 60, 70 Autos rechts und links.“ Die Gefahr, von einer aufgehenden Tür vom Rad geholt zu werden, sei hoch. Dass die Anwohner dazu verdonnert würden, ihre Pkw zukünftig auf den eigenen Grundstücken unterzubringen, glauben beide nicht.

Nadelöhr an der Seseke

Aber nun los. Schließlich haben wir uns getroffen, um einige markante Stellen abzufahren. „Die Bönener melden sich bei uns, wenn ihnen etwas auffällt.“ Der Alleenradweg am Ortseingang Lenningsen ist das Ziel. Auf der Poststraße fahren wir nebeneinander. „Das ist erlaubt, so lange man niemanden behindert“, erklärt mir Dramm.

Auf dem Max-von-der-Grün-Weg Richtung Werver Heide klingelt der ADFC-Sprecher mehrmals. Eine Warnung. Die Brücke über die Seseke ist ein uneinsichtiges Nadelöhr. „Manche Pedelec-Fahrer haben das Tempo für sich entdeckt, rasen ziemlich rücksichtslos.“

Dramm bemerkt nebenbei die Fehlplanung des Lippeverbandes bei der Planung des ansonsten schönen Sesekeradwegs. In seinen Augen wäre die direkte Verbindung beider Radwege ohne die Straßenschleife Schwarzer Weg machbar gewesen.

Ein Pärchen mit Hund macht artig Platz, auf dem Alleenradweg ist gar nichts los. Auch der Parkplatz am Lenningser Ortseingang ist vollkommen leer. „Am Wochenende parkt eine Firma hier Lieferwagen“, erfuhr Dramm. „Das ist ja auch in Ordnung, aber die sollen halb auf dem Radweg stehen“, erklärt er die Kritik eines Zuträgers.

Bremskissen vor der Kita

Die Bremskissen zwischen Kita Alter Bahnhof und Spielplatz nehmen wir auch noch mit. Mein Begleiter denkt nicht, dass die ihren Zweck erfüllen und Rennradler ausbremsen. Ich denke, dass sie zumindest auf die Gefahrenstelle hindeuten. Beim Rückweg über Schacht VI, der Abfahrt über die kleine Brücke fällt mir auf, dass der Starkregen tiefe Rinnen gegraben hat. Da muss man aufpassen.

Barbara Drees hat sich eine Poolnudel auf den Gepäckträger geschnallt, damit Autofahrer den nötigen Sicherheitsabstand einhalten.

Selbstgebauter Abstandshalter

Mir begegnet dann tatsächlich noch jemand mit einer Schwimmnudel auf dem Gepäckträger. „Sie hilft tatsächlich“, meint ihre Besitzerin Barbara Drees. Es sei aber auch schon passiert, dass Autofahrer versuchen, sie zu erwischen. Verstärken, sodass sie nicht so herunterhängt, möchte Drees den Abstandshalter nicht. „Dann bleibe ich ja an den Drängelgittern hängen“, meint sie. Sie ist Alltagsfahrerin, erledigt im Ort so gut wie alles mit dem Rad, kennt also auch die neuralgischen Punkte wie die abgeschlossene Baustelle neben der Volksbank, als Schotter nicht beseitigt wurde, der Untergrund rutschig wurde. Keiner hätte sich zudem gekümmert, wenn Baufahrzeuge den Bürgersteig blockierten. „Ein Prestigeobjekt eben, da sagt man dann nichts.“

Am meisten stört sie aber, dass am neuen Rathaus kein Stellplatz für Radler eingeplant wurde. „Das ist doch nicht zeitgemäß. Und auf Nachfrage bekommt man zu hören, dass man sein Rad doch bei Lidl abstellen soll.“ Auch Dramm hatte diesen Punkt schon häufiger bemängelt – ohne Erfolg. Das Grundstück gehöre dem Discounter, habe es aus dem Rathaus geheißen.

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