Marie-Curie-Gymnasium ist erste Fairtrade-School in Bönen

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Seit zwei Jahren gibt es das Fairtrade-Schulteam am Gymnasium, in dem sich die Schüler engagieren.

Bönen - Manche Dinge sind so ungerecht, dass jeder, dem Gerechtigkeit wichtig ist, etwas dagegen tun möchte. Das gilt zum Beispiel für die miserablen Arbeitsbedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern, für Kinderarbeit und den Raubbau an der Umwelt. Die Schüler des Marie-Curie-Gymnasiums, aber auch die Lehrer und Eltern, beschäftigen sich daher schon länger mit dem Thema fairer Handel. Jetzt bekam die Schule das Siegel „Fairtrade-School“ vom Verein Transfair.

Der faire Handel ist immer wieder Inhalt des Unterrichtes am MCG. Zudem hat die Arbeitsgemeinschaft „Soziales Engagement und Motivation (SEM)“ einige Projekte dazu angestoßen. Unter anderem wurde bei den Tagen der offenen Tür in den vergangenen Jahren jeweils ein „Weltladen“ eingerichtet, an dem die Schüler fair gehandelte Produkte angeboten haben. Zudem hat der Schulkiosk seine Produktpalette um gerecht produzierte Schokolade, Kaffee und Tee erweitert.

„Wir haben also schon einige Kriterien für das Siegel erfüllt“, erzählt Religionslehrerin Astrid Pohl. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Annette Kilian überlegte sie daher, was am Bönener Gymnasium noch möglich ist, um das Thema für alle noch sichtbarer und bekannter zu machen. So stießen die beiden Lehrerinnen schließlich die Bewerbung des Gymnasiums um das Siegel an. Dafür musste das MCG fünf Kriterien erfüllen. 

Zunächst galt es, ein Schulteam aus Schülern, Lehrern und Eltern zu gründen. Während mit Astrid Pohl und Annette Kilian bereits zwei Lehrer mit im Boot waren und sich sofort einige Schüler engagiert miteingebracht haben, übernahm Katja Klein als Elternvertreterin die Sprecherposition der Gruppe. Sie ist nun Ansprechpartnerin für den Verein Transfair. 

Schulleiter Dr. Peter Petrak unterstützte das Vorhaben nachdrücklich. „Ich habe mich bei meinem zweiten Staatsexamen mit dem Thema beschäftigt. Es liegt mir also sehr nah“, sagt er. Als Nächstes musste das Team einen Fairtrade-Kompass erstellen. Dieser soll als Leitfaden dienen und aufzeigen welche Aktionen und Aktivitäten an der Schule den Gedanken des fairen Handels fördern und verbreiten können – natürlich auch über die Bewerbungsphase hinaus.

Faire Produkte bei Schulveranstaltungen

„Bei uns taucht das Thema regelmäßig im Unterricht auf, insbesondere in den sechsten Klassen. Unser Erdkunde-Leistungskurs hat außerdem die Fairtrade-Messe in Dortmund besucht“, zählt Astrid Pohl auf. Den fairen Handel in den Unterricht zu bringen ist ein weiterer Punkt, der auf dem Weg zum Siegel erfüllt werden muss. Künftig soll es weiter „Weltläden“ während der Schulveranstaltungen geben, einzelne Projekte und Projekttage gerne auch in Zusammenarbeit mit Organisationen aus der Region wie dem Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung (Fuge) aus Hamm. 

Dorothee Borowski von der Fuge gratulierte den Schülern am Mittwoch auf jeden Fall schon einmal zum Titel „Fairtrade-School“ und überreichte ihnen einen fair produzierten Handball. „Und wenn ihr wissen wollt, was es alles noch für faire Produkte gib, dann besucht uns gerne in Hamm“, lud sie die Gymnasiasten in den Weltladen des Vereins ein. Dort bezieht das MCG etwa Schokolade, Tee und Kaffee für den Schulkiosk sowie den Kaffee für das Lehrerzimmer. Damit erfüllt die Schule das letzte Kriterium für den Titel. 

„Man darf sich darauf aber nicht ausruhen“, stellte Carsten Elkmann von Transfair fest. In zwei Jahren müsste das MCG nachweisen, dass es die Voraussetzungen für das Siegel noch immer erfüllt. Elkmann überreichte Schulleiter Dr. Peter Petrak schließlich die Urkunde. „Die habt ihr euch wirklich verdient“, lobte Elkmann insbesondere die Mädchen und Jungen des Schulteams, die die Verleihung mit ihrem Einsatz erst möglich gemacht haben. 

Was Fairtrade für sie bedeutet, erklärten Schülerinnen des Schulteams, indem sie für jeden Buchstaben des Wortes eine passende Definition fanden, zum Beispiel A wie Armut, die durch fairen Handel bekämpft werden soll, oder R wie Regeln, an die sich die Produzenten halten müssen, um das Siegel zu bekommen. 

Globale Zusammenhänge erkennen

Dass aber nicht nur die Arbeiter etwas von gerechtem Handel haben, sondern letztlich alle Menschen, machte schließlich Carsten Elkmann deutlich. Er berichtete von seinem Besuch einer Goldmine in Peru vor 14 Jahren. Dort werde das Gold mit einer hochgiftigen Lauge aus Zyanid und Quecksilber aus dem Gestein gewaschen. Die Menschen, die in der Nähe der Mine leben, litten unter schwersten Erkrankungen, insbesondere unter Krebs. Die Flüssigkeit sickere zudem aus den undichten Becken in das Grundwasser und in den Fluss. Dort werde das Gift von den Fischen aufgenommen, die wiederum gefangen und zu Fischmehl verarbeitet werden. „Und damit werden in Schottland und Norwegen die Lachse gefüttert“, berichtet der Transfair-Referent. Im vergangenen Jahr seien Zyanid und Quecksilber in den Lachsen festgestellt worden. „Und deshalb ist es wichtig in globalen Zusammenhängen zu denken“, forderte er die Kinder und Jugendlichen auf. Bei „Fairtrade“ gehe es nicht nur darum, Kinderarbeit und Armut zu beseitigen, sondern auch um Menschenrechte, Klima- und Umweltschutz. 

„Alles was wir tun, hängt also irgendwie zusammen mit der ganzen Welt“, fasste Peter Petrak zusammen. „Alles was wir hier tun, sollte nicht nur für uns wichtig sein, sondern auch für die Zukunft.“

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