Männerpaar am Bönener Bahnhof verprügelt: Das sind die Strafen

Bönen – Hass gegenüber Homosexuellen hat am Rosenmontag vergangenen Jahres offenbar erst zu einer Schlägerei in einem Zug und dann auf dem hiesigen Bahnsteig geführt. Zwei Bönener sind in den Augen des Richters eindeutig überführt, ein Männerpaar provoziert, angegriffen und verletzt zu haben.

Vor dem Amtsgericht Unna fand nun der Prozess statt, dabei waren Zeugenaussagen nicht nur am Tag der Schlägerei sondern auch für das Urteil wichtig. Der Richter verurteilte die Bönener wegen Körperverletzung zu Geldstrafen.

Am Abend des Tattages befanden sich sowohl die Angeklagten im Altern von 27 Jahren, als auch das homosexuelle Männerpaar im Regionalzug von Köln Richtung Münster. Das Paar saß mit ihm unbekannten Frauen an einem Viererplatz, die Bönener reisten auf einem Zweiersitz hinter ihnen.

Streit beginnt schon im Zug

Beide Angeklagten gaben zu, dass einer von ihnen durch die Sitze gegriffen und das Gesicht eines der Opfer gestreichelt und den Kopf getätschelt habe. Als Grund für die Anmache gaben sie, das laute Unterhalten der beiden Opfer habe sie gestört. Kurz vor dem Verlassen des Zuges seien die Parteien darüber aneinander geraten.

Es seien Beleidigungen wie „scheiß Schwuchtel“ gefallen. Eines der Opfer habe dann abwertend über die Störenfriede gesprochen. „Es hat sich hochgeschaukelt“, erklärte einer der Angeklagten. Seine Version: Er sei am Bahnhof Bönen schnell ausgestiegen, um der unangenehmen Situation zu entgegen. Sein Kumpel sei nicht direkt gefolgt, sondern etwas später von einem der Opfer aus dem Zug in eine Pfütze geschubst worden. Dann habe sich der Mann auf den Kumpel am Boden gestürzt und zugeschlagen.

Mittelhand gebrochen

Er habe die beiden nur auseinanderbringen wollen, da sei der Partner des Mannes auf ihn zugekommen. Er habe eine Abwehrbewegung gemacht, den Geschädigten getroffen und zu Boden gebracht. „Er ist sehr aggressiv auf mich zugekommen. So kam es zur Abwehrreaktion. Es tut mir leid. Ich wollte niemanden verletzten“, gab sich der Angeklagte kleinlaut.

Doch genau das war geschehen, die Hand des Mannes beim Sturz gebrochen. Schließlich seien Zeugen des Vorfalls gekommen und hätten die Schlägerei beendet.

Angeklagte stellen sich als Opfer dar

Der zweite Angeklagte gab an, die Übergriffe in den Sitzreihen seien unüberlegt gewesen. Aber das Paar habe Beleidigungen zurückgegeben. „Mir ist der Kragen geplatzt und ich hab’ ihm einen Schlag gegeben.“ So sei der Schlagabtausch im Zug entstanden.

Bezüglich der weiteren Schlägerei auf dem Bahnsteig stellten sich die Angeklagten eher als Opfer und Verteidiger dar. Die Geschädigten sowie zwei Zeugen widerlegten ihre Aussagen jedoch glaubhaft, wie der Richter betonte. Danach seien es die Angeklagten die Prügelnden gewesen und das Männerpaar habe sich wehren müssen. Dabei trug es weitere Schürf- und Platzwunden davon.

Zeugen greifen ein

Glück im Unglück: Weil einer der Angreifer am Tatort sein Handy verloren hatte, kam die Polizei dem aggressiven Duo schnell auf die Spur. Der Richter dankte den Zeugen für ihr beherzten Eingreifen die Aussagen vor Gericht. Ohne diese Angaben wäre nicht eindeutig aufzuklären gewesen, was tatsächlich geschehen ist.

So wurde der Bönener, der ein Opfer im Gesicht gestreichelt hatte, als Haupttäter zu 900 Euro und der zweite Angeklagte zu 750 Euro Geldstrafe verurteilt. Beide haben jeweils monatliche Einkünfte von etwa 800 Euro.

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