Verwaltung: Vorgabe des Landes nicht zu schaffen

Neue PCR-Tests an Grundschulen: Wie kommt Bönens „Lolli-Taxi“ mit Proben rechtzeitig ins Labor?

Kinderleicht in der Handhabung, aber in der Logistik fürs Labor eine Herausforderung: der Lolli-Test.
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Kinderleicht in der Handhabung, aber in der Logistik fürs Labor eine Herausforderung: der Lolli-Test.

Mit dem Lolli-Test soll sich die Corona-Lage an den Grund- und Förderschulen entspannen. Im Rathaus schafft die Vorgabe des Landes aber Anspannung.

Bönen – Eltern, Lehrer und das persönliche Umfeld aller Beteiligten wird’s freuen: Das Land NRW verstärkt seine Anstrengungen zur Verringerung der Infektionsrisiken an den Grund- und Förderschulen. Der Wechselunterricht soll – sofern er nicht wegen Inzidenzwerte über 165 ausgesetzt ist – ab 10. Mai mit einem täglichen PCR-Test im Pool-Verfahren einhergehen. Die Schulträger stellt das aber vor eine Aufgabe, deren Lösung noch nicht sicher ist.

Bönen nun „federführender Schulträger“

Davon berichtete Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte dem Schulausschuss am Donnerstag. Das Schulministerium hat die Gemeinde zu einer „federführenden Schulträgerin“ bestimmt. Die „Ehre“ bemisst sich einzig an der geographischen Lage und der daran geknüpften Aufgabe, die mit „Lolli-Taxi“ ganz gut beschrieben ist.

Kinderleichter Abstrich: Einfach lutschen

Denn bei den Kleinen ist bald Schluss mit Nasebohren für den Schnelltest. Für die Primar- und Förderschüler hat das Land das „Lolli-Test“ getaufte Verfahren bestellt, bei dem die Probanden an einem Tupfer lutschen, um die Virenlast in den Schleimhäuten zu bestimmen. Pool-Test bedeutet, dass alle „Lollis“ einer Klasse in ein einziges Proberöhrchen fürs Labor kommen. Zeigt sich im Pool eine Auffälligkeit, ist bei allen darin ein persönlicher PCR-Test fällig – und die Virenquelle ausgemacht.

Route über verstopfte Autobahnen

Der Gemeinde kommt die Aufgabe zu, diese Proben an den eigenen, und darüber hinaus zugewiesenen Schulen auf dem Weg zum Labor einzusammeln und in vorgegebener Frist für die sichere Auswertung abzuliefern. „Wir werden diese Verpflichtung nicht einhalten können“, teilte Otte dem Ausschuss mit. Von Bönen via Dortmund mit einigen Mitnahmestellen müsse das zugewiesene Labor in Leverkusen pünktlich erreicht werden. „Ich habe das mal in einen Routenplaner eingegeben, da lag die Fahrzeit schon 30 Minuten über der Planung.“ Die Krux sei, dass der Weg über die chronisch verstopften Rheinwege führe.

Kommunen lehnen Verantwortung ab

Bis Freitag sollten sich die Schulträger beim Land erklären, deswegen haben die Verantwortlichen im Kreis Unna am Morgen in einer Video-Schalte noch einmal beraten. Ergebnis: Die Erklärung, dass die Schulträger keine Verantwortung dafür übernehmen, dass Proben eventuell verspätet im Labor eintreffen. Und die Bitte, dem Kreis Unna und seinen Kommunen eine eigenständige Organisation des Transports zu erlauben. Dazu gehört, dass den elf Schulträgern dafür ein Labor zugewiesen wird.

Eigenständige Lösung für Kreis Unna gefordert

Ob die Eingabe Gehör findet, wird sich kommende Woche erweisen. Ansonsten muss täglich einer aus dem Rathausteam ins Auto, ab 9 Uhr die Proben einsammeln und über 126 Kilometer bis 14 Uhr in Leverkusen abliefern. Auf Kreisebene wird erwogen, dafür in der Verbundlösung alternativ einen Kurierdienst einzusetzen.

Am Test selbst keine Kritik

Die Lolli-Tests selbst findet Fachbereichsleiter Otte gut. „Die Idee ist völlig richtig.“ Das klassenweise Vorgehen und eine Nachprüfung nur im Verdachtsfall sei effizient und auf Basis der laborbestätigten PCR-Tests verlässlicher als die bisherigen Schnelltests in eigener Anwendung. Wenn nur die Sache mit dem Weg nicht wäre.

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