Logistikzentrum: Bönen zahlt drauf und will Schlussstrich

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Während die Kräne des Logistikzentrums RuhrOst mangels Nachfrage in Unna schon jahrelang stillstehen, soll das Terminal in Bönen (Bild) erhalten werden, wenn auch ohne Beteiligung der Kommune.

Bönen – Container von der Straße auf die Schiene zu bringen, ist an sich eine gute Idee – und im Bönener Industriegebiet funktioniert das auch ordentlich. Am Parallelstandort allerdings nicht. Die Kommune haften derzeit für Verluste und wollen sich aus dem Geschäft zurückziehen. Das wird aber noch lange dauern.

Das Bönener Terminal des Logistikzentrums Ruhrost (LZR) an der Lise-Meitner-Straße vermeldet einen regen Betrieb. Doch die Parallelanlage an der Otto-Hahn-Straße in Unna steht bereits seit Anfang 2015 still und beschert der Betreibergesellschaft, hinter der die beiden Kommunen stehen, Verluste. Die belaufen sich jeweils auf rund 90 000 pro Jahr. Nun haben Unna und Bönen ihren Ausstieg aus der gemeinsamen Unternehmung angekündigt.

In Unna waren die Voraussetzungen von Anfang an nicht so gut. Aufgrund von örtlichen Restriktionen wie eine manuelle Weiche, eine Steigung und die Tatsache, dass nur Halbzüge bedient werden können, hätte sich der erwartete Umschlag nicht eingestellt, teilte Robert Eisler, Bönens Fachbereichsleiter Planen, Bauen, Umwelt, mit. Außerdem ist die Lage des Bönener Industriegebiets für den LKW-Verkehr besser. Zudem wurde dort mit Alcotrans/Neska Intermoda ein im Bereich kombinierter Verkehr (zum Beispiel Schiene und Straße) versiertes Unternehmen eingebunden, für den die Anlage in Bönen „ein wichtiger Standortfaktor“, so Eisler, ist.

Bönen kann Verluste etwas reduzieren

Den Schwarzen Peter alleine möchte er Unna aber nicht zuweisen. „Die Verluste entstehen allerdings nicht aus dem Stillstand in Unna, sondern sind das Ergebnis eines Defizits beider Standorte“, erklärt der Fachbereichsleiter. Denn ein Großteil der Kosten falle für das betriebsbereite Vorhalten des Terminals, also Kran und Gleisanlagen, an. Das gilt in Unna im Besonderen, wo alles stillsteht. In Bönen führt die stärkere Nutzung zu mehr Abnutzung und damit zu größeren Instandhaltungsmaßnahmen der alten Kräne. Immerhin wird der Verlust im Haushalt der Gemeinde durch Pachteinnahmen und die Vermietung der Gleisanlagen, deren Eigentürmerin sie ist, und den jährlichen Investitionen der LZR reduziert.

In der Gesamtbilanz bleibt für Bönen aber negativ. Das Geschäftsmodell „in der bestehenden Ausgestaltung aufgrund des volatilen Marktes nicht kostenneutral zu betreiben“, ein ausgeglichenes Ergebnis für die Kommunen nicht möglich, wie Eisler darstellt. Die Unternehmensstruktur ist durchaus kompliziert (siehe Kasten).

Schlussstrich - aber erst 2025 und 2028

Nun soll also ein Schlussstrich gezogen werden, darauf verständigten sich die Stadt- und Gemeindevertreter. Das Terminal im Indupark soll 2025 aufgegeben werden, in Bönen wollen die Kommunen 2028 ihre Position als Gesellschafter abgeben.

Früher kommt die Besitzergesellschaft nicht heraus. Die langen Laufzeiten hängen mit den damals eingesetzten Fördergeldern zusammen, die bei vorzeitiger Auflösung zurückbezahlt werden müssten. Die Fördersumme betrüge 2005 7,5 Millionen Euro und wäre 2008 um 2,55 Millionen Euro für den zweiten Kran in Bönen aufgestockt worden, rechnet Eisler vor. Gebürgt hat Bönen für 55 Prozent des Darlehens in Höhe von 1,8 Millionen Euro zusätzlich eine weitere Million in 2008. Noch nicht abgezahlt seien 869 000 Euro der Bürgschaftssumme.

Kooperation war wegen Fördergelder nötig

Auch das damals überhaupt die Kooperation der Kommunen mit den beiden Standorten eingegangen wurde, hat mit der Förderung durch die öffentliche Hand zu tun. „Die Weiterentwicklung des Terminalstandorts Bönen war seinerzeit nur in Verbindung mit einem Satellitenstandort förderfähig“, erklärt Eisler.

Während die Anlage in Unna wenig Hoffnung gibt, sucht die Bönener Verwaltung nach einer Zukunft für den Standort, nur eben ohne öffentliche Gelder. „Wichtig für Bönen ist, dass es für die Gleisanlage und das Terminal auch ohne kommunale Beteiligung eine Fortführung geben wird“, schreibt der Fachbereichsleiter. Die Geschäftsführung soll eine Zukunftsperspektive erarbeiten und mit privaten Betreibern verhandeln.

Unna stehen die Kräne still

Eine frühere Aufgabe der Anlage durch die Kommunen wäre durchaus möglich gewesen, allerdings sehr teuer. Ende 2016 liefen die Pachtverträge für beide Terminals aus, doch wäre „bei Einstellung des Containerbetriebs die Rückzahlung von Fördermitteln in siebenstelliger Höhe eingetreten“, so Eisler. Außerdem habe es ein Optionsrecht der Betreibergesellschaft für beide Standorte gegeben.

Für Unna wurde ein solcher Vertrag nicht mehr abgeschlossen. Deshalb wurde das dortige Terminal ab Januar 2017 durch die nun allein zuständige Besitzgesellschaft in einen Vorhaltemodus versetzt, um Rückzahlungen von Fördergeldern zu vermeiden. Immerhin wurden damals die Verantwortlichkeiten der Betreibergesellschaft neu definiert und eine Beteiligung an Instandsetzung- und Reparaturkosten vereinbart.

Die Jahresbilanzen der LZR-Besitzgesellschaft blieben davon allerdings weitgehend unverändert, fließen die positiven Ergebnisse doch nicht mehr in das Jahresergebnis der LZR-Besitzgesellschaft, sondern in den Erhalt der kommunalen Schieneninfrastruktur in Bönen und Unna-Königsborn, wie die Geschäftsführung mitteilte.

Während sich an der Otto-Hahn-Straße also Rost und Unkraut vermehren begannen, wurden das Verladen der Güter in Bönen konzentriert, wo zwischenzeitlich sogar eine maximale Auslastung erreicht worden war und es 2018 ein Rekordjahr mit 65543 Kranungen gab.

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