Letzte Ruhe im Bönener Mergelbergwald

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Für Besucher des Friedewaldes ist lediglich an den kleinen Schildern zu erkennen, welche Bäume als letzte Ruhestätte dienen.

Bönen – Die Menschen gehen heute anders mit Tod und Trauer um. Und so hat sich auch die Bestattungskultur deutlich verändert. War früher hierzulande das Reihengrab mit Blumenschmuck Standard, werden Verstorbene inzwischen weitaus häufiger verbrannt und ihre Asche in der Urne beigesetzt. Auf den Friedhöfen in der Gemeinde sind es etwa 80 Prozent Feuerbestattungen. Wenn es nach den Plänen des Regionalverbandes Ruhr (RVR) geht, könnte in Bönen nun bald noch eine weitere, neue Bestattungsform hinzukommen.

Der RVR ist mit rund 14 500 Hektar der größte Waldbesitzer Deutschlands. Da der Markt und die aktuellen Holzpreise die wirtschaftliche Unterhaltung der Wälder aber kaum noch möglich machen, denkt er darüber nach, zusätzlich mit Bestattungswäldern die Hege zu bezahlen. In Bönen gehört dem RVR etwa die Hälfte der Fläche des Mergelbergwaldes. Und in diesem Gebiet sieht der Zweckverband die Möglichkeit, eine solche naturnahe Ruhestätte einzurichten. Mit der Idee ist der Verband bereits an die Verwaltung herangetreten, die das Anliegen jetzt dem Gemeinderat und den zuständigen Fachausschüssen vorträgt.

Sollten die Ratsmitglieder dem Vorschlag zustimmen, würde der RVR den Bestattungswald selbst als Träger führen und sich die erforderlichen Dienstleistungen dafür einkaufen. Infrage kommt zunächst ein Bereich von etwa einem Hektar am Kletterpoth mit 80 bis 120 Bäumen, die für die Bestattungen ausgewiesen werden könnten. Sollte die Nachfrage dann steigen und das Konzept aufgehen, könnte das Areal später erweitert werden. 

Um den Waldfriedhof kümmern soll sich ein vom RVR beauftragter „Friedwald-Förster“, der sich die Fläche täglich anschaut, etwaige Missstände behebt oder sie dem Betreiber meldet. Dabei soll die natürliche Umgebung komplett erhalten bleiben und so wenig wie möglich in die Natur eingegriffen werden. Die Urnen, die im Wurzelbereich der Bäume eingesetzt werden, müssten deshalb aus vergänglichem Material bestehen. Grabsteine soll es nicht geben, ebenso wie Grabschmuck. Erkennbar werden die Ruhestätten lediglich durch kleine Tafeln an den Bäumen. Die „Gräber“ in einem solchen Ruhewald werden nicht gepflegt, die „Pflege“ wird der Natur überlassen. 

Nur zwei Bestattungswälder in der Region

Der Bestattungswald wird zudem nicht eingezäunt, und auch befestigte Wege will der RVR nicht anlegen. Der Bereich soll nach wie vor von Spaziergängern, Hunden, Joggern und anderen Besuchern genutzt werden dürfen. Wo genau die Ruhestätte im Mergelbergwald eingerichtet werden kann, muss noch geprüft werden, da der Forst einige Altlasten zu tragen hat. Unter anderem war dort früher eine Ziegelei und eine Mülldeponie. 

Zurzeit gibt es erst zwei Bestattungswälder in der Region: den Ruhforst in Cappenberg und den Friedwald in Möhnesee. Die Träger dieser Einrichtungen, die Friedwald und die Ruhforst GmbH, sind die beiden größten Betreiber von Begräbniswäldern in Deutschland. Im Kreis Unna und in Hamm fehlt  hingegen bislang die Möglichkeiten, seine Verstorbenen in der natürlichen Umgebung eines Waldes zur Ruhe zu betten. Alternativ bietet die Gemeinde aber seit einigen Jahren Baumbestattungen auf dem Friedhof in Altenbögge und seit Kurzem ebenfalls auf dem Friedhof in Nordbögge an. Diese Urnengrabstellen sind sehr gefragt, weiß Fachbereichsleiter Robert Eisler aus dem Bönener Rathaus. 

Bis zu vier Beisetzungen pro Woche

Deshalb sieht der Regionalverband auch Bedarf für diese Art von Bestattungen. Er würde den Ruhewald über die Gemeindegrenzen hinaus bewerben und geht von einem Einzugsbereich von etwa 30 Kilometern aus. Die Friedwald GmbH rechnet bei dieser Größenordnung von circa vier Bestattungen pro Woche. Darin sieht die Gemeindeverwaltung sogar einen Vorteil für die hiesige Wirtschaft. Die beiden ortsansässigen Bestatter könnten mit weiteren Aufträgen rechnen, ebenso wie die Gastronomie. Allerdings müsste der RVR für ausreichend Parkplätze in der Nähe des Waldes sorgen. Kosten würden der Gemeinde keine entstehen. Im Gegenteil: Für jede Bestattung im Mergelbergwald erhält sie einen Anteil vom Träger. 

Die Mitglieder des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt sollen nun am Donnerstag, 12. März, in ihrer öffentlichen Sitzung ab 18 Uhr darüber beraten, ob die Gemeinde den RVR dabei unterstützen soll, einen Bestattungswald im Ort anzulegen. Am Ende entscheidet dann der Rat am Donnerstag, 26. März, darüber. Und diese Entscheidung ist weitreichend: Die Fläche würde bei einer Zustimmung für 99 Jahre als Friedhof gewidmet.

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