Lern- und Lesepaten unterstützen Grundschüler

Jutta Eickhof übt zweimal wöchentlich Lernpatin der Bildungsinitiative Bönen mit einem Schüler der Goetheschule.

BÖNEN ▪ Natürlich bemühen sich die Lehrer an den Bönener Grundschulen intensiv um ihre Schüler, versuchen, die Kinder individuell nach deren Möglichkeiten zu fördern. Dennoch benötigen einige Mädchen und Jungen mehr Hilfe als ihre Mitschüler, eine besondere Förderung. Um diese Kinder stärker zu unterstützen, gründeten einige engagierte Bönener die „Bildungsinitiative Bönen“.

Seit dem Frühling besuchen nun ehrenamtliche Helfer die Schüler in den Schulen, um mit ihnen ein, zwei Stunden in der Woche als Lern- und Lesepaten zu üben.

Dem Schützling von Jutta Eickhoff fällt vor allem das Lesen und Schreiben schwer. Und auch mit der Konzentration hat der Achtjährige so seine Probleme. Unruhig rutscht er auf seinem Stuhl hin und her, lässt den Bleistift fallen oder kramt in seiner Federtasche. Jetzt ist Geduld und Ruhe gefragt. „Setz’ dich richtig hin, sonst kannst du nicht vernünftig schreiben“, ermahnt die 62-Jährige den Jungen. Der Ton zwischen den beiden ist herzlich, dennoch hat der Kleine offensichtlich Respekt vor seiner „Patin“.

Seit Juni sitzen die beiden zweimal in der Woche während des Religions-Unterrichts seiner Klassenkameraden in der Goetheschule zusammen, lesen, üben für Diktate oder wiederholen und vertiefen den aktuellen Unterrichtsstoff. „Er möchte am liebsten Mathe üben, weil er das wirklich gut kann“, erzählt Jutta Eickhoff und lacht. Statt dessen steht in dieser Stunde Silbentrennung auf dem Programm. „Wir sprechen mit den Klassenlehrern ab, wo derzeit die Schwächen der Kinder liegen“, sagt die Bönenerin.

Durch einen Zeitungsbericht wurde sie auf die Bildungsinitiative aufmerksam. „Da kann man etwas bewegen“, war sich Jutta Eickhoff sofort sicher. „Meine Tochter ist Lehrerin, daher weiß ich, dass viele Kinder in den Grundschulen nicht richtig gefördert werden können.“ Zeit, die sie sinnvoll einsetzten möchte, hat Jutta Eickhoff inzwischen. Seit rund einem Jahr ist die Mitarbeiterin eines großen, schwedischen Einrichtungshauses in Altersteilzeit. Also nahm die Bönenerin Kontakt zu der Gruppe auf und wurde Lern- und Lesepatin.

Die Stunden, die sie in das Projekt investiert, sind gut angelegt. Schon jetzt hat ihr Schüler Fortschritte gemacht. Kleine zwar, doch Jutta Eickhoff hat seinen Ehrgeiz geweckt. „Wir haben einen Vertrag geschlossen und darin ein Ziel formuliert, nämlich seine Deutschnote zu verbessern“, so Jutta Eickhoff. Während sie jedoch auf eine Drei hinarbeiten will, hat der Kleine andere Pläne: „Ich will eine Zwei“, sagt er selbstbewusst. Jutta Eickhoff schmunzelt. „Dann müssen wir jetzt aber etwas tun“, erklärt sie ihm nachdrücklich und lässt ihn Fragen zu einem Text beantworten.

Ausschließlich Zeit

für den Schüler

Wort für Wort muss sie die Sätze mit ihm durchgehen. „Ich glaube, es ist für ihn auch wichtig, dass sich ein Erwachsener einmal ausschließlich nur um ihn kümmert“, schätzt die Lernpatin den Grundschüler ein. Der Kleine ist ihr inzwischen ans Herz gewachsen – und die Sympathie ist augenscheinlich auf beiden Seiten. Der Achtjährige freut sich regelrecht auf die Stunden mit Jutta Eickhoff. Immerhin gibt es zum Schluss eine Belohnung aus der „Überraschungstüte“ – „aber nur wenn er gut mitarbeitet“, sagt Jutta Eickhoff.

So wie sie üben inzwischen noch zehn weitere Lern- und Lesepaten mit Bönener Mädchen und Jungen. Doch der Bedarf ist wesentlich höher. „Die Lehrer suchen die Kinder aus, die besonders dringend Hilfe benötigen. Es gibt inzwischen Wartelisten an beiden Schulen“, weiß Jutta Eickhoff. Sie hofft deshalb, dass sich noch weitere „Kollegen“ finden, die die Initiative unterstützen. „Die meisten sind ehemalige Lehrer“, so Jutta Eickhoff. „Sie wissen also viel über die Schule und den Unterricht und können Tipps geben“, schätzt sie den regelmäßigen Austausch innerhalb der Bildungsinitiative Bönen. Einmal im Monat, jeweils am ersten Mittwoch, kommen die Lernpaten um 19 Uhr im Treffpunkt „Go in“ zusammen, um sich auszutauschen, Lehrmittel vorzustellen oder Ideen weiterzugeben. „Man fühlt sich überhaupt nicht allein gelassen“, sagt die 62-Jährige. Regelmäßig würden Fort- und Weiterbildungen für die Paten angeboten. Davon profitiert nicht nur Jutta Eickhoff sondern vor allem ihr Patenkind: „Ich denke, dass wir bis zum Wechsel auf die weiterführende Schule zusammenbleiben werden.“ J fla

Die Bildungsinitiative trifft sich wieder am Mittwoch, 9. November, um 19 Uhr im Treffpunkt Go in. Informationen gibt es auch im Internet auf der Seite bildungsinitiative-boenen.de

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