Lehrerin und Informatiker entwickeln Sprachlernsoftware für Flüchtlinge

Die beiden Entwickler des Sprachlernprogramms „Sag es auf Deutsch“: Matthias Geenen und Andrea Gößlinghoff.
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Die beiden Entwickler des Sprachlernprogramms „Sag es auf Deutsch“: Matthias Geenen und Andrea Gößlinghoff.

Bönen - Immer mehr Kinder landen nach Flucht aus ihrer Heimat in unseren Schulen, ohne auch nur ein Wort deutsch zu sprechen. Dank eines neuen Programms, das in Bönen entwickelt wurde, können sie die neue Sprache jetzt spielerisch lernen.

Dem Unterricht können die Kinder aus Syrien oder Afghanistan oft erstmal gar nicht folgen. „Was fehlt, ist ein Sprachlernprogramm, das Kinder und Erwachsene selbständig am Computer nutzen können“, fand Andrea Gößlinghoff, selbst Lehrerin an einer Grundschule, und entwickelte kurzerhand mit dem Informatiker Matthias Geenen in Bönen selbst das Programm „Sag es auf Deutsch“, das in Schulen, aber auch zu Hause angewandt werden kann.

Die neue Software zum Erlernen eines ersten Wortschatzes, der 497 Wörter umfasst, kommt direkt aus der Praxis und berücksichtigt die tatsächlichen Anforderungen, die Pädagogen an ein solches Lernprogramm stellen. Denn Andrea Gößlinghoff unterrichtet selbst an einer Grundschule in Hagen, an der rund 90 Prozent der Kinder deutsch nicht als Muttersprache kennen. „Das ist eine echte Herausforderung für die Schüler, aber auch für die Lehrer, die diese Kinder unterstützen wollen, gleichzeitig aber auch den anderen Kindern in der Klasse gerecht werden müssen“, sagt Andrea Gößlinghoff. Programme, die das selbständige Sprachlernen unterstützen, fand sie kaum. Und wenn, waren sie nicht wirklich alltagstauglich. Also entwickelte sie selbst ein Konzept. Soweit die pädagogische Seite. Wie kommt das Ganze am Ende auf einen USB-Stick, mit dem sich das anschauliche Programm einfach auf jedem PC spielen lässt?

Hier kommt der Bönener Informatiker Matthias Geenen ins Spiel, den Gößlinghoff durch einen Zufall kennen lernte. Seit Februar arbeitete der selbständige IT-Fachmann im Schnitt täglich vier bis fünf Stunden an dem Projekt, um ein Programm zu kreieren, das wirklich kinderleicht zu bedienen ist und möglichst effiziente Lernfortschritte ermöglicht. Während Geenen die Vorstellungen seiner Geschäftspartnerin Gößlinghoff in Programmiersprache umsetzen musste, war es ihre Aufgabe, Bilder für die 15 Themenkategorien des Alltags zu entwickeln und vor allem – jedes Wort korrekt zu sprechen und aufzunehmen. Eine zeitintensive Aufgabe. Inzwischen ist das Programm fertig und die beiden vertreiben es in ihrer eigens dafür gegründeten Firma. Angeboten wird „Sag es auf Deutsch“ auf einem Stick. Private Nutzer können ihn an jedem Rechner einstecken und loslegen. Für die Nutzung in Schulen werden mehrere Lizenzen aufgespielt, je nachdem wieviele Arbeitsplätze gebraucht werden.

„Bisher saßen die Kinder oft in der Klasse, ohne ein Wort zu verstehen“, berichtet Gößlinghoff aus ihrer Praxis. „Gleichzeitig muss das Unterrichtspensum geschafft werden.“ Da kommt ihr Sprachlernprogramm ins Spiel. Die Kinder können sich einloggen und während des Unterrichts selbständig Themenkomplexe bearbeiten wie etwa Zahlen, Farben, Tiere, Menschen, Schule oder Kleidung, aber auch erste Verben, und Adjektive. Denn das Programm erklärt sich von selbst. Spielerisch wird das Gelernte vertieft mit Bildern und Worten die einander zugeordnet werden müssen oder Spielen wie „Memory“ und „Ich packe meinen Koffer“. Dabei wird der Leistungsstand des jeweiligen Nutzers gespeichert, erläutert Geenen und die Lehrer können den Wissensstand des Schülers und seine Lernfortschritte genau ablesen und sie bewußt fördern.

Derzeit stellen die beiden ihr Programm an Schulen vor – die Resonanz sei durchweg positiv. Wenn das gut läuft, haben die beiden schon genug Ideen für weitere Programme.

Infos: www.sagesaufdeutsch.de

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