1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bönen

So bewerten die Spitzen der Bönener Parteien den Ausgang der Landtagswahl

Erstellt:

Von: Kira Presch, Sabine Pinger

Kommentare

Landtagswahl 2022: Auszählung in der Goethegrundschule in Bönen
Relativ zügig waren die Wahlzettel im Forum der Goetheschule ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag dort nur bei 25,1 Prozent ohne Briefwahl. © Pinger Sabine

Die SPD verliert im Land, wird aber im heimischen Wahlkreis sicher zur stärksten Kraft. Kandidatin Silvia Gosewinkel zieht direkt in den Landtag – mit 43,84 Prozent. Bei der CDU ist es andersherum, und die Grünen legen überall zu. Was sagen die Bönener Parteien zum Wahlergebnis?

Thomas Semmelmann, SPD-Gemeinverbandsvorsitzender:

Das ist natürlich ein tolles Ergebnis für die Kandidatin – und ein historisches für Bönen. Silvia Gosewinkel ist die erste Frau, die es in diesem Wahlbezirk geschafft hat, und ein Ergebnis von mehr als 43 Prozent ist mehr als gut. Damit liegt sie weit über dem Landesdurchschnitt. Das freut uns für Bönen.

Was uns allerdings etwas traurig stimmt, ist die niedrige Wahlbeteiligung. Das nur ein Drittel der Berechtigten zur Wahl gehen, macht uns schon nachdenklich. Den anderen ist es scheinbar egal, wer regiert. Wir haben in Deutschland die Möglichkeit frei zu wählen, und ich kann nicht verstehen, wenn jemand dieses Recht nicht wahrnimmt.

Nicht zufriedenstellend ist natürlich das landesweite Ergebnis der SPD. Nach dem Bundestrend hätte ich da mehr erwartet. Am Ende des Tages wissen wir nicht, wie die Regierungsbildung sein wird. Königsmacher sind auf jeden Fall die Grünen. Wir haben hingegen versäumt, deutlich zu machen, dass wir die geborenen Partner sind. Aber auch da bin ich mir nicht mehr so sicher.

Wir müssen jetzt abwarten, mit wem die Grünen ihre Politik in NRW umsetzen wollen. Mich persönlich freut es aber, dass mehr grüne Themen angepackt werden – egal ob mit uns oder der CDU. Ich hoffe etwa, dass das Radverkehrsgesetz noch mehr Schub bekommt, wenn die Grünen das Verkehrsministerium übernehmen.

Friedhelm Lange, Sprecher Bündnis 90/Die Grünen:

Mit dem Ergebnis bin ich komplett zufrieden. Es ist ein tolles Ergebnis für die Grünen, und wie unsere Spitzenkandidatin Mona Neubaur sagt, ein Vertrauensvorschuss. Ich hätte nicht erwartet, dass die CDU so gut dasteht, die SPD wird dagegen enttäuscht sein.

Aus der der deftigen Niederlage bei der Landtagswahl 2017 haben die Grünen-Politiker gelernt, dass man benennen muss, was man will und wie man das erreichen kann. Die SPD hat bundesweit das Problem, dass sie nicht erläutert, was sie will. Die CDU ist da klarer und hat dafür die Früchte geerntet. Bei den Koalitionsverhandlungen müssen jetzt auch die Ziele erklärt werden und warum sie angestrebt werden. Das ist letztlich die Grundidee von Koaltionsverhandlungen. Aus grüner Sicht geht es darum, Haltung zu beweisen – dabei kann es nicht um Posten gehen.

Nach wie vor müssen wir damit ringen, dass selbst in diesen Zeiten, in denen wichtige Entscheidungen – auch im Land – anstehen, die Wahlbeteiligung so gering ist.

Tilmann Rademacher, zweiter Vorsitzender der CDU Bönen:

„Im Land deutet alles auf einen klaren Regierungsauftrag für Schwarz-Grün hin. In Bönen haben wir ebenfalls unser Ziel erreicht. Wir sind nicht unzufrieden, sondern haben das Maximum rausgeholt. Wir hätten uns natürlich noch mehr erhofft und das Mandat gerne direkt geholt, aber mit knapp 30 Prozent für Torsten Goetz haben wir das bisher beste Ergebnis eingefahren mit einem fleißigen Wahlkampf.

Gleichzeitig war es das schlechteste SPD-Ergebnis in einem Wahlkreis, der traditionell eine der stärksten SPD-Hochburgen ist. Obwohl man sagen muss, dass Silvia Gosewinkel einen guten Job gemacht hat. Der Trend stimmt also. Daran werden wir weiter arbeiten. Wir sind also zuversichtlich für die kommenden Wahlkämpfe. Wir wollen beharrlich jedes mal sechs bis sieben Prozent gutmachen – und irgendwann knacken wir unseren Kreis.“

Ralf Kappelhoff, Vorsitzender des FDP-Ortsverband:

Das Ergebnis ist für die FDP sehr enttäuschend. Für mich liegt es daran, dass die Arbeit der FDP nicht genügend propagiert wurde. Es ist ja einiges durch die FDP in den vergangenen Jahren passiert, das wissen aber offensichtlich die wenigsten Bürger. Joachim Stamp (der stellvertretende Ministerpräsident von NRW) wurde in den vergangenen fünf Jahren wenig wahrgenommen.

Vielleicht muss die FDP künftig einfach mehr Eigenwerbung machen, und darauf verweisen, das waren unsere Ideen, und nicht nur erzählen, was sie mit der CDU zusammen erreicht hat. Wir sollten uns künftig nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.“

Senay Oturak, Vorsitzender Die Linke in Bönen:

Ehrlich gesagt überrascht mich das Ergebnis nicht. Irgendetwas läuft bei uns Linken schief, erst tritt Lafontaine aus der Partei aus, dann geht es um sexuelle Nötigung. Wir sind uns untereinander nicht einig. Da wundert mich das Ergebnis nicht. Und die SPD war zu passiv, sie fährt mit angezogener Handbremse. Das wollen die Leute nicht. Die wollen jetzt in der Krise Sicherheit. Und die sehen sie eher bei der CDU. Die hat sich NRW zum Beispiel stark gegen Clan-Kriminalität eingesetzt oder in den Brennpunkten für Ordnung gesorgt.

Die Grünen können sich hingegen bei Annalena Baerbock für den Aufstieg bedanken. Die redet jetzt im Ukraine-Krieg Tacheles und hat keine Angst. Silvia Gosewinkel gratuliere ich zu ihrem Wahlsieg. Sie ist eine wunderbare Schulausschussvorsitzende.

Auch interessant

Kommentare