Brandkatastrophe bei der GWA im Jahr 2018

Kurioses Bild: Auf Google Maps löscht die Feuerwehr den GWA-Brand immer noch

Die verkohlten Überreste der GWA-Hallen sind auf Google Maps auch heute noch gut zu erkennen. Das Foto aus Jahr 2018 stammt vom Sonntag, als die Feuerwehr mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt war und die Hallen noch nicht abgerissen waren.
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Die verkohlten Überreste der GWA-Hallen sind auf Google Maps auch heute noch gut zu erkennen. Das Foto aus Jahr 2018 stammt vom Sonntag, als die Feuerwehr mit den Nachlöscharbeiten beschäftigt war und die Hallen noch nicht abgerissen waren.

Auf Google Maps steht die Zeit still. Dort sind im Industriegebiet noch immer die Feuerwehrautos zu sehen, die sich im Sommer 2018 um die Brandkatastrophe bei der GWA gekümmert haben. Als kleine rote-weiße Striche heben sie sich vom Grau des Asphalts ab und bilden einen Kontrast zum Schwarz der verkohlten Hallen. Aus einem Schlauch spritzt eine große Wasserfontäne, die Nachlöscharbeiten sind im Gange – eingefroren in der Zeit.

Bönen – Google Maps ist für viele Menschen ein hilfreiches Werkzeug, um zum Beispiel im Verkehr den richtigen Weg zu finden. Und wer hat nicht schon einmal die Satellitenansicht gewählt, um zu gucken, ob das gebuchte Urlaubshotel auch wirklich direkt am Strand oder nahe an den interessanten Sehenswürdigkeiten liegt. In der näheren Umgebung wird diese Funktion vermutlich weniger genutzt, außer vielleicht für einen Blick auf das eigene Zuhause aus der Vogelperspektive.

Die Suche nach der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft zwischen Industrie-, Rudolf-Diesel-Straße und der Autobahn 2 lohnt sich aber. Wer „GWA Bönen“ in Google eintippt und erst auf Maps und dann dort auf Satellit klickt, blickt auf dieses kuriose Szenario, das Anfang Juli 2018 nach einem der größten Brände in der Geschichte der Gemeinde aufgezeichnet wurde.

Fotos muss am Sonntagvormittag entstanden sein

„Die Bilder müssten am Sonntagvormittag entstanden sein“, sagt Timo Rinkewitz von der Bönener Feuerwehr mit, denn am Nachmittag seien die vier zerstörten Hallen der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft dann abgerissen worden. Tags zuvor hatte der Brand begonnen. „Es ist schon verwunderlich, dass genau dieser Moment getroffen ist“, findet Rinkewitz.

Mit einer Drohne war die Feuerwehr über den Brand geflogen. Das Bild ist fast spiegelverkehrt zum Foto auf Google Maps.

„Konkrete Informationen zu dem angesprochenen Satellitenbild können wir leider nicht geben“, teilt Google auf Nachfrage mit. Der Zufall wollte es aber, dass genau dieser Moment eingefangen wurde. Klickt man weiter zu Google Earth, um eine 3D-Ansicht zu erhalten, sind auf den dort zugänglichen Bildern die verkohlten Reste abgebaut und die Feuerwehrautos verschwunden. Dieses Programm ist also schon aktualisiert worden.

Aufwendiger Prozess führt bei Google zu einer fast nahtlosen Collage

Maps ist längst zu einem umfangreich gepflegten Prestigeprojekt des mittlerweile unter dem Namen Alphabet firmierenden Suchmaschinenanbieters geworden. Offen geht Google damit um, wie die Bilder für den globalen Blick von oben auf die Welt entstehen (Hier ein Video). Die Fotografien auf Maps und Earth stammen von verschiedenen Quellen wie staatlichen Behörden, geologischen Organisationen und kommerziellen Anbietern.

Der Brand lag direkt an der A2, die wegen der starken Rauchentwicklung viele Stunden gesperrt werden musste.

Die werden von extra hergerichteten Flugzeugen, die ein Loch im Boden für die Kamera haben, an verschiedenen Tage und dementsprechend verschiedenen Wetterbedingungen aufgenommen. Auf Satellitenbilder greift Google eher dann zurück, wenn die Bilder aus den Flugzeugen nicht ausreichen, da diese eine geringere Auflösung haben. Aus diesem Material wird dann die weitgehend nahtlose Collage, die jeder vom Surfen auf der digitalen Weltkarte kennt, zusammengebastelt. Der Prozess gehört zur Photogrammetrie und läuft immer stärker automatisiert ab. Menschen sind vor allem für den Detailblick gefragt.

Großstädte werden jedes Jahr aktualisiert

Aktualisiert wird nach Relevanz. Große Städte werden innerhalb eines Jahres auf den aktuellen Stand gebracht, um die schnellen Veränderungen darin abzubilden. Dementsprechend werden die Ansichten mittelgroßer Städte alle zwei Jahre, die von Kleinstädten alle drei Jahre überarbeitet. Ab welcher Größe ein Ort in welche Kategorie fällt, erklärte Google jedoch nicht. Zwischen Metropolen wie Tokio, mit über 37 Millionen Einwohner momentan die größte Stadt der Welt, und der Gemeinde Bönen mit seinen rund 18 000 Bürgern gibt es schließlich riesigen Spielraum. Es ist aber eventuell damit zu rechnen, dass die ausgebrannten GWA-Hallen an der A2 bald verschwinden werden, zumal Baustellen und Ähnliches besonders in den Blick genommen werden, um hier schneller abzudaten.

Fast 400 Feuerwehrleute im Einsatz

Das Feuer im Industriegebiet war am 30. Juni gegen 9 Uhr ausgebrochen, zunächst als Schwelbrand, der, als Sauerstoff daran kam, durchzündete. Bis zu 400 Einsatzkräfte aus vielen Teilen Nordrhein-Westfalens waren vor Ort, um die bedrohliche Lage unter Kontrolle zu bringen. Kilometerweit war die riesige Rauchwolke zu sehen. Die Autobahn musste bis Sonntagfrüh gesperrt werden, weitläufig war die Bevölkerung gewarnt worden. Erst am späten Dienstagnachmittag, nach 56 Stunden, hatte Einsatzleiter Wolfgang Schimmel damals „Feuer aus“ gemeldet“, nachdem zuvor immer wieder Glutnester aufgeflammt waren. Neun Feuerwehrleute haben sich bei dem Einsatz verletzt, der Teleskopmast der Einheit Oberaden wurde zerstört.

Ein mit einer Drohne aufgezeichnetes Video der Feuerwehr ist auf dem Youtube-Kanal des Westfälischen Anzeigers zu sehen und zeigt ebenso wie das Google-Maps-Bild die Ausmaße der Katastrophe. Im Internet sind viele kuriose Bilder auf Google Maps zu finden.

Großbrand in GWA-Anlage in Bönen - Der Sonntag in Bildern

Großbrand in GWA-Anlage in Bönen - Der Sonntag in Bildern

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