Marktbummel in Bönen

Kundschaft bleibt weg: Markthändler in Bönen merken Corona-Beschränkungen

Wochenmarkt Bönen Tina Flessenkämper Reibekuchen
+
Tina Flessenkämper ärgert sich, dass ihre Reibekuchen nicht mehr vor Ort gegessen werden können.

Kann der Bönener Wochenmarkt davon profitieren, dass wegen Corona derzeit mehr Menschen draußen einkaufen möchten? Die meisten Markthändler sagen: Eher nicht. Vor allem ältere Kunden bleiben weg.

Bönen – Ein Markterlebnis verheißt der Blick vom Bahnübergang in die Fußgängerzone. Voll mit Ständen ist der Bönener Wochenmarkt am Samstag. Aber der positive Eindruck täuscht. Wirklich zufrieden sind die meisten Markthändler mit der derzeitigen Situation nicht.

„In Coronazeiten ist weniger Platz für die Stände auf anderen Märkten, deswegen sind wir hier. Es ist doch besser, als zu Hause zu sitzen“, sagt einer der zahlreichen Textilhändler. Viel los sei nicht an diesem Morgen. Die Leute gingen nicht raus, aus Angst sich anzustecken, mutmaßt der Kaufmann.

Lockdown im Frühjahr wirkt immer noch nach

„Es ist weniger los“, bestätigt Jürgen Grunwald am Stand gegenüber. Auch er hat Textilien, vor allem Unterwäsche, in der Auslage. „Es kommen keine älteren Leute, nicht nur hierhin, sondern auch auf anderen Märkten ist das so.“ Ein paar Socken verkauft er dann an Helmut Schimmel. „Nee, Corona spielt keine Rolle“, antwortet der Senior im Elektromobil auf die Frage, ob er wegen der Pandemie den Einkauf an der frischen Luft dem im Geschäft vorziehe. Normalerweise fährt er mit seinen Kindern in Modehäuser zum Einkaufen. „Aber ich bin im Moment gut versorgt mit Textilien.“

„Wir haben uns das eigentlich auch gedacht, dass die Leute lieber draußen einkaufen“, meint Grunwald. „Ich bin normaler Einzelhändler, habe keine Lobby. Im Gegensatz zu den Discountern, die auch im Frühjahrslockdown Textilien verkaufen durften, musste ich damals schließen. Und den verlorenen Umsatz in diesem Jahr wieder reinzuholen, ist unmöglich.“

Aufenthaltsqualität leidet

Den Eindruck, dass Corona und Lockdown Kunden eher abhalten, haben auch die Leckereienanbieter. „Es ist deutlich weniger los“, sagt Petra Ludwig. Sie bietet gemeinsam mit ihrem Mann Peter Modeschmuck sowie Waffeln plus Kaffee an. „Für die Männer, die warten müssen, bis Frau ausgesucht hat“, scherzt Peter Ludwig. „Aber es fehlt das Sitzgeschäft doch komplett.“ Die Aufenthaltsqualität, ein Aspekt, der einen Wochenmarkt ausmacht, ist dem Lockdown zum Opfer gefallen. Die Rollifahrer würden fehlen. „Sehr viel Ältere haben Angst, rauszugehen.“ Die Situation sei für sie schwierig. „Mir sind in diesem Jahr über 100 Termine weggefallen in Altenheimen, wo ich meinen Schmuck präsentiere“, erklärt Petra Ludwig. Es sei ihr Haupterwerb. Coronahilfe will sie dennoch nicht einfordern.

Richtig sauer über den Wegfall der Außengastronomie ist Tina Flessenkämper. „Scheiße. Ich bin ein geselliger Mensch“, sagt sie. „Aber hier darf ja keiner essen und trinken. Tische mit Abstand hat doch nach dem ersten Lockdown super funktioniert“, ärgert sich die Reibekuchenverkäuferin. „Ich finde das doof, aber ich akzeptiere die Maßnahmen.“ Die Schlange vor ihrem Stand wird länger. „Das täuscht, ich habe schon Einbußen, vor allem beim Kaffeeausschank.“

Schlange stehen am Reibekuchenstand: Aber der Eindruck täusche, meinen einige Händler. Viele Kunden würden wegbleiben.

Zufriedener Fischhändler

Auch bei Fisch Robert ist Betrieb. Jürgen Pickel hat eine andere Einschätzung der Lage. „Ich kann nicht sagen, dass die Umsätze eingebrochen sind in den vergangenen 14 Tagen. Hier ist es immer voll, aber ich meine, es ist sogar mehr geworden“, sagt der Lebensgefährte von Inhaberin Birgit Robert.

Standnachbar Ulrich Kruse macht die Attraktivität des Bönener Marktes allgemein für miesen Umsatz verantwortlich. „Es fehlen viele Händler im Vergleich zu anderen Märkten“, sagt der Fischhändler. Sein Umsatz sei rückläufig wegen der fehlenden Tische. „Aber wir haben ja noch unseren Imbiss an der Rhynerner Straße, der läuft gut.“

Die Gelegenheit zu quasseln, nutzen die Bönener gerne, meint Ricarda Bardke am Stand von Imker Jürgen Boruschowitz. „Dafür passt dieser Markt. Für die eingefleischten Marktgänger ist der Kontakt wichtig.“

Textilhändler Jürgen Grunwald (links) hat in Helmut Schimmel einen Käufer gefunden. Wirklich zufrieden ist er mit dem Umsatz aber nicht.

Eine solche ist Marianne Pleiser. „Wir gehen regelmäßig auf dem Markt einkaufen“, spricht die Seniorin auch für ihre Freundin. „Das hat aber nix mit Corona zu tun. Wir sind hier auch unterwegs, um Leute zu treffen“, erzählt die Bönenerin am Stand von Gemüsebauer Heribert Steinweger. „Alles wie immer“, meint der. „Ich merke keinen Unterschied, habe aber auch seit Jahrzehnten meine Stammkundschaft.“

Einige queren an diesem Morgen nur die Fußgängerzone. „Wir sind eigentlich hier wegen Möbel Köhling. Die schließen und machen Ausverkauf“, erklärt Anke Orlinsky, „wegen der Pflicht, Maske tragen zu müssen, würde ich sonst nicht hier sein.“ Eine Tüte trägt sie dennoch. „Fisch wie immer, wenn ich auf dem Markt bin. Diesmal Fischfrikadellen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare