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Künftig mit dem E-Rezept auf dem Handy in die Apotheke

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Von: Kira Presch

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E-Rezept auf dem Smartphone in Apotheke
Auch in Bönener Apotheken sollen Kunden in Zukunft mit dem Handy an ihr Medikament kommen. © Mohssen Assanimoghaddam

Der rosa Zettel für Kassenpatienten beziehungsweise der blaue Zettel für Privatpatienten, auf den der Arzt seine Verordnungen schreibt, ist ein Auslaufmodell – jedenfalls auf lange Sicht. Denn das elektronische Rezept wird am 1. September eingeführt, vorerst allerdings nur in der Pilotregion Westfalen-Lippe.

Bönen – Die Apotheken arbeiten bereits an der Umsetzung der Digitalisierung, die die Kommunikation zwischen Arztpraxis und Apotheke künftig verbessern soll. „Wir sind vorbereitet“, sagt Stefan Oyen, der in der Gemeinde drei Apotheken betreibt. Auch seine Kollegin Bettina Siegert von der Bären- Apotheke bestätigt, dass alles reibungslos läuft.

Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) appellierte bereits in einem Video an die Apotheken in Westfalen-Lippe, sich jetzt mit dem E-Rezept auseinanderzusetzen und ihre Teams zu schulen. Ab 1. September wird das E-Rezept für die Apotheken vor Ort Pflicht. „Nehmen Sie Kontakt zu Ärzten auf, suchen Sie eine Partnerpraxis, um E-Rezepte zu testen und die Prozesse gemeinschaftlich durchzuspielen“, empfiehlt Rochell seinen Kollegen.

Je eher sich die Apotheken vor Ort mit dem E-Rezept befassten, desto einfacher falle dann der Echtbetrieb. Mit dem E-Rezept müssten die Apotheken vor Ort viele Prozesse umstellen, so Rochell. Dies führe am Ende aber zu einer Entspannung in den Arbeitsabläufen und schaffe Kapazitäten für weitere Dienstleistungen.

Für die Umstellung bereit

„Wir sind bereit. Von den Voraussetzungen her steht bei uns alles für die Umstellung“, bestätigt der Bönener Apotheker Stefan Oyen. „Wie weit die Umstellung auf das E-Rezept im September direkt flächendeckend losgeht, kann ich nicht absehen, das hängt von den Praxen ab. Es gibt auch immer noch ein paar technische Sachen, die noch holprig sind. Aber ich gehe davon aus, dass das bis zum September geklärt ist.“ Voraussetzung für die Umstellung auf E-Rezepte sei eine bestimmte Form der Versichertenkarte sowie ein Smartphone. „Viele Patienten sind älter und haben kein Smartphone. Ich gehe davon aus, dass 95 Prozent der Verordnungen zunächst weiter auf Papier ausgedruckt werden.“

Das E-Rezept

Beim Arzt: Verschreibt der Arzt ein Medikament, erzeugt er einen QR-Code, auf dem alle relevanten Daten gespeichert sind. Der Arzt speichert die Verordnung auf einem Server, auf den die Apotheke zugreifen kann.

Digitale Anwendung: Die Verordnung kann nun über eine App auf dem Smartphone oder Tablet abgerufen werden, und in der Apotheke kann abgefragt werden, ob das Präparat vorrätig ist und dort bestellt werden kann.

Verordnung auf Papier: Wer kein mobiles Endgerät zur Hand hat, kann sich den QR-Code vom Arzt auch auf Papier ausdrucken lassen und den Ausdruck in der Apotheke abgeben.

Auch Kollegin Bettina Siegert ist in der Bären-Apotheke bereit für die Umstellung auf das E-Rezept im September. „Hardwaremäßig sind wir ausgerüstet. Theoretisch kann es losgehen, praktisch sind wir froh, wenn es mit kleineren Zahlen losgeht und noch nicht flächendeckend alle Praxen sofort umstellen. Die sind ja nicht verpflichtet, zum 1. September auf die elektronische Verordnung umzustellen. Ich gehe davon aus, dass viele Praxen nach der enormen Belastung durch die Pandemie erst einmal Luft holen und die Umstellung auf das E-Rezept nach und nach einführen werden.“

Rezepte auf Papier gibt es weiterhin

Das gewohnte Papierrezept wird es also erst mal parallel weiterhin geben für alle, die kein Smartphone besitzen und mit der digitalen Technik nicht so vertraut sind. „Das wird allerdings anders aussehen als bisher“, sagt Bettina Siegert. „Statt der rosa Zettel für Kassen- und blauen Zettel für Privatpatienten gibt es dann einen Ausdruck im Din-A4-Format mit QR-Code.“

Selbst wenn Arztpraxen bereits auf die digitale Verordnung umgestellt sind, wird es Situationen geben – etwa bei Hausbesuchen – wo viele Ärzte nicht das digitale Equipment mitführen. Da werden weiterhin Rezepte auf Papier ausgestellt.

Der Patient geht anschließend mit dem Papierrezept wie gewohnt zur Apotheke und bekommt dort sein Medikament. „Gerade ältere Patienten müssen sich also keine Sorgen machen, wie sie künftig an ihre Medikamente kommen“, betont Siegert. Das E-Rezept wird dagegen im Smartphone per App abgefragt. Im digitalen Rezept sieht der Apotheker gleich, was alles verordnet ist und kann es direkt weiterleiten zur Abrechnung.

Nur ein Baustein der Digitalisierung

Grundsätzlich hält Oyen das E-Rezept für eine gute Idee. „Das E-Rezept ist ja nur ein Baustein der Digitalisierung. Die soll künftig nicht nur den Verordnungsweg umfassen, sondern auch die Kommunikationsstruktur zwischen Apotheke und Arzt und Rückfragen zur Indikation beispielsweise auf digitalem Wege einfacher machen. Der Vorteil ist, dass viele Daten sicher an einem Punkt zusammengeführt werden können. Geplant ist später auch ein elektronischer Medikationsplan. Das Gesamtpaket ist schon sinnvoll. Wenn ich mir aber anschaue, wie gut das in Dänemark bereits läuft, sind wir noch ein ganzes Stück davon entfernt.“

Bereits in der Arztpraxis könne künftig die Verordnung an die Apotheke digital übertragen werden und geschaut werden, ob das Medikament verfügbar beziehungsweise wann es lieferbar ist. Das spare Zeit und Wege.

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