Tattoos auf hoher See

Kreuzfahrtschiff statt Studio: Tätowierer aus Kamen trotzt dem Lockdown

Ted Bartnik Tätowierer Kreuzfahrtschiff
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Eigentlich tätowiert Ted Bartnik in seinem Studio in Kamen. Während er das Studio allerdings vorerst schließen musste, hat er sich ein zweites Standbein auf Kreuzfahrtschiffen gesucht.

Der erneute Lockdown ist ein Schock für viele Geschäftsleute. Auch Ted Bartnik, Besitzer eines Tattoo-Studios in Kamen und selbst umtriebiger Tattoo-Artist, muss seinen Laden nun erneut für vermutlich einen Monat schließen. Doch trotz der unglücklichen Situation bleibt der Tätowierer einigermaßen gelassen.

Kreis Unna - Schon kurz nach dem ersten Lockdown im Frühjahr des Jahres lotete er aus, was neben dem Betrieb seines Studios „Surf-Ink-Tattoo“ noch möglich ist, um gut durch die Krise zu kommen. Seine außergewöhnliche Antwort darauf: ab auf’s Meer. Bartnik geht seiner Leidenschaft seitdem von Zeit zu Zeit auf Kreuzfahrtschiffen nach.

Bereits die Wochen des ersten gesellschaftlichen Herunterfahrens im März und April nutzte der kreative Künstler für Tätigkeiten, für die in normalen Zeiten kaum Spielraum bleibt, kümmerte sich unter anderem mit seinen Mitarbeitern um Graffiti-Auftragsarbeiten und entwickelte neue Zeichnungen. Deutschland lag gefühlt still, doch Stillstand kam für Ted Bartnik nicht in Frage. Die Richtung, in die es ihn in den vergangenen Monaten verschlug, war allerdings Neuland für ihn: Bartnik bekam die Möglichkeit, auf verschiedenen Kreuzfahrtschiffen als Tätowierer mitzufahren. Bisher begleitete er Crews und tausende Passagiere auf vier Fahrten, ging seiner künstlerischen Tätigkeit auf dem Mittelmeer und den Fjorden Norwegens nach.

An jedem Tag ausgebucht

„Es ist noch einmal etwas ganz anderes als das Tätowieren im Studio“, schwärmt Ted Bartnik von seiner neuen Erfahrung. Das Angebot, sich ein Tattoo auf einem Schiff stechen zu lassen, nahmen viele Passagiere begeistert war. Bartnik war nahezu jeden Tag an Bord komplett ausgebucht. „Viele Reisende haben sich auf den Kreuzfahrten bei mir für ihr erstes Tattoo entschieden“, erzählt der Künstler. Häufig wählten die Tattoo-Neulinge dabei Motive, die mit der Reise oder dem Meer allgemein etwas zu tun haben. Ein Souvenir eines unvergesslichen Ausflugs. „Dabei sind natürlich auch gute Gespräche entstanden“, berichtet Bartnik. Einige Passagiere wohnen nicht weit von Kamen entfernt und kündigten bereits Besuche in dem Tattoo-Studio auf dem Festland an, das auch in Bartniks Abwesenheiten geöffnet hatte und von seinen Mitarbeitern betrieben wurde.

Unter anderem war Bartnik auf der „Mein Schiff 2“ tätig. Von den Hygiene-Konzepten auf den Schiffen ist er überzeugt.

Dass es zu dem maritimen Engagement kommen konnte, hat Bartnik einigen Zufällen zu verdanken. „Ich habe, ohne gezielt danach zu suchen, im Internet eine Ausschreibung gesehen“, erinnert sich der Tätowierer, der sich sofort beworben hatte. Es folgte die nächste Überraschung: „Der Organisator für die Tätowier-Tätigkeiten an Bord von Kreuzfahrtschiffen des verantwortlichen Reiseveranstalters ist ein Bekannter von mir“, freut sich Bartnik noch immer über die unvorhergesehene Begebenheit. „Ich kannte ihn von einigen Tattoo-Conventions“. Man kam ins Gespräch, plante ein wenig. Und schon im Mai stach der Kamener Artist erstmals in See, um auf dem Wasser Tattoos zu stechen.

Überzeugt vom Hygienekonzept an Bord

Die Ausübung der gewohnten künstlerischen Tätigkeit gestaltete sich dabei anders als unter Festland-Bedingungen. Denn natürlich war der Wellengang stets zu spüren und erforderte eine ganz andere Koordination, als es Bartnik gewohnt war. „Das Tätowieren an Bord ist noch einmal eine ganz andere Nummer“, stellt der Kamener fest. „Es gab auch Termine, die ich verschieben und Tattoos, die ich zu einem späteren Zeitpunkt fertigstellen musste, weil es in dem Moment zu stürmisch war.“

Begeistert zeigt sich Bartnik von dem Hygienekonzept an Bord der Kreuzfahrschiffe. So sollen unter anderem alle Passagiere Abstand zueinander halten, an vielen Stellen wurden Desinfektionsspender installiert. Vor allem aber müssen sich Crew und Passagiere regelmäßigen Coronatests unterziehen. „Ich habe das Gefühl, dass sich gut um einen gekümmert wird“, fasst Bartnik zusammen.

Aktuell befindet sich der Tattoo-Künstler wieder in Kamen. Doch lange wird das nicht so bleiben. Zeitnah wird er erfahren, wann genau die nächste Kreuzfahrt startet und wohin diese führt. Bartnik rechnet damit, schon in den nächsten Wochen wieder an Bord tätowieren zu können. Für ihn ist, gerade jetzt, wo das gesellschaftliche Leben zum großen Teil erneut zum Erliegen kommt, sein neu erschaffenes zweites Standbein eine wichtige und gleichzeitig inspirierende Absicherung. Über die Zukunft seines Kamener Surf-Ink-Studios macht er sich derzeit jedenfalls keine großen Sorgen.

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