Wieder mehr Kinder vor Ort

Knapp 700.000 Euro für Provisorium: Kreis fördert Kita-Betreuung in Bönen

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Die DRK-Kita Puzzlekiste ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Inzwischen werden die Kleinen dort in sechs Gruppen betreut.

Bönen – Ein Betriebswirt würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Etwa 600.000 bis 700.000 Euro wird der Kreis ausgeben, um das ehemalige Container-Rathaus auf dem Postplatz in eine Kindertagesstätte zu verwandeln – vorübergehend.

Eigentlich soll die neue Kita nämlich in der Borgholzsiedlung an der Geschwister-Scholl-Straße gebaut werden. Wird die Einrichtung, die die Awo betreiben will, dort eröffnet, hat das Provisorium ausgedient. Doch der Bedarf an Betreuungsplätzen ist nun mal jetzt da, und deshalb will der Kreis möglichst schnell Abhilfe schaffen. 

In Abstimmung mit dem künftigen Träger, der Gemeinde und dem Kreis-Jugendamt erarbeiten Architekten momentan Pläne, wie sich aus den eher nüchternen Containern geeignete Räume gestalten lassen. Dazu gehören zum Beispiel Gruppenräume, eine Küche und Essbereiche, kindgerechte Wasch- und Toilettenräume sowie Spielflächen auf dem Außengelände. Der Aufwand ist also groß. „Pünktlich zum Kindergartenjahr am 1. August wird die Kita wahrscheinlich nicht fertig werden“, so Torsten Göpfert. Er hofft aber dennoch auf einen Einzug in diesem Jahr.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken

„Wir wollen den Rechtsanspruch, den Familien auf einen Betreuungsplatz haben, erfüllen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken. Und das nehmen wir sehr ernst“, betont der Dezernent. Abwarten, bis die Awo in die neue Einrichtung in der Borgholz-Siedlung zieht, wollen die Verantwortlichen deshalb nicht. Für Eltern sei ein Kita-Platz inzwischen ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, einen Wohnort zu wählen, weiß auch Katja Schuon, Leiterin des Fachbereiches Familie und Jugend beim Kreis. „Die Eltern fragen durchaus bei uns an, wo es freie Plätze gibt. Ihnen ist es wichtig, einen Kita-Platz zu bekommen“, berichtet sie. 

Torsten Göpfert geht davon aus, dass der Bedarf in der Gemeinde in den kommenden Jahren weiter steigen wird. „In drei, vier Jahren denken wir sicher über eine weitere Kita in Bönen nach“, erklärt er. 

Große Nachfrage

Die große Nachfrage begründet sich zum einen dadurch, dass es tatsächlich wieder mehr Kinder vor Ort gibt, zum anderen werden die Kleinen immer früher in die Kitas gebracht. Wie aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht des Fachbereiches hervorgeht, werden zurzeit etwa 480 Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren in den Bönener Kitas betreut, dazu kommen 143 Kinder unter drei Jahren.

Um dem großen Bedarf gerecht zu werden, hat die DRK-Kita Puzzlekiste im vergangenen Jahr eine sechste Gruppe eingerichtet und dazu das benachbarte ehemalige Gebäude der neuapostolischen Kirche hinzugenommen. Die Kita Immanuel hat sich ebenfalls vergrößert. Ihre dritte Gruppe ist zurzeit im Dietrich-Bonhoeffer-Haus untergebracht, soll aber möglichst noch in diesem Jahr in einen neuen Anbau der Kita umziehen. 

Kreis denkt über Großtagespflegestelle nach

Alternativ zur Kindertageseinrichtung bieten inzwischen außerdem 13 Tagesmütter und -väter eine Betreuung der Kleinen in der Gemeinde an. Im vergangenen Jahr waren 61 Kleinkinder unter drei Jahren in ihrer Obhut. Hinzu kamen 13 Drei- bis Sechsjährige und elf Kinder über sechs Jahren, deren Eltern eine Randzeitenbetreuung, also Betreuung außerhalb der üblichen Kindergarten- , Schul- und OGS-Zeiten (Offener Ganztag an den Grundschulen), benötigen. 

Ganz gedeckt ist der Bedarf damit noch immer nicht. Deshalb denkt der Kreis auch darüber nach, eine Großtagespflegestelle in Bönen einzurichten. Diese könnten dann bis zu neun Kinder unter drei Jahren einen Platz bieten. Der Kreis lässt sich aber nicht nur den Ausbau der Kitas etwas Kosten. Als freiwillige Leistungen an die Einrichtungen vor Ort zahlte er 2018 insgesamt rund 310 000 Euro.

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