Wahlkampf mit dem Virus: Den Wähler erreichen trotz Corona  

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Ohne Plakate geht es auch in Zeiten von Corona nicht, sagen die Parteien. Noch haben aber  nicht alle Parteien ihre Plakate aufgehängt.

Bönen – In knapp sechs Wochen – am 13. September – finden die Kommunalwahlen statt. Für die Bürgermeisterkandidaten und die Kandidaten, die in den Bönener Gemeinderat gewählt werden wollen, beginnt der Endspurt, die heiße Phase des Wahlkampfs. Allerdings ist in diesem Jahr mit Corona alles etwas anders.

Wir haben die beiden Bürgermeisterkandidaten und die Bönener Parteien gefragt, wie sie sich in diesem Jahr auf einen veränderten Wahlkampf einstellen und welche Wege sie konkret gehen, um ihre Wählerschaft mit ihren Botschaften zu erreichen. 

Bürgermeister Stephan Rotering, parteilos (unterstützt von CDU, Grünen, FDP und BgB: „Dieser Wahlkampf ist ganz anders. Vor allem die großen Veranstaltungen wie etwa Schützenfeste fallen weg, wo man viele Menschen treffen konnte. Jetzt laufen die Kontakte eher klein, klein – die Rahmenbedingungen haben sich erschwert. 

Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen. Dass ein Kandidaten-Duell auf Einladung des Seniorenbeirates nicht möglich ist, hatte ich nicht auf dem Schirm als ich zusagte. Dann kam das Veto aus meiner Verwaltung. Aber vielleicht ergibt sich die Chance noch, wenn es anders organisiert ist. 

Im Moment verlagert sich vieles auf digitale Ebene, es werden immer mehr Videos gedreht. Mir ist wichtig, dass die Leute dabei oberhalb der Gürtellinie bleiben – und dass viele Bürger wählen gehen. Denn wer auch am Ende in die Verantwortung geht, sollte eine breite Unterstützung haben. Ich empfehle deshalb, die Briefwahl zu nutzen. 

Amtsinhaber Stephan Rotering will seinen Schreibtisch im Rathaus behalten. 

Thomas Semmelmann, Bürgermeisterkandidat der SPD: „Ich habe zwar Wahlkampferfahrung als Ratskandidat, neu ist für mich der Wahlkampf als Bürgermeisterkandidat. Das ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Aber ich habe ein hervorragendes Team. In Zeiten von Corona können zwar keine Großveranstaltungen stattfinden, aber der Kontakt zum Bürger von Tür zu Tür funktioniert gut. Die Leute haben nach dem Lockdown das Bedürfnis über Corona zu sprechen, aber auch über lokalpolitische Themen. 

Ich bedaure sehr, dass das Gespräch mit beiden Bürgermeisterkandidaten beim Seniorenbeirat nicht stattfinden wird. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, beide Standpunkte kennenzulernen. Bis jetzt wird es nur einen gemeinsamen Termin mit beiden Kandidaten geben – das Wirtschaftsgespräch Bönen, zu dem die IHK Dortmund am 27. August zu einem Online-Meeting einlädt. Aber man kann uns ja noch zu einem ,Kandidaten-Duell‘ einladen. 

Vieles verlagert sich in die sozialen Netzwerke. Es ist interessant, wie viel über unsere Plakate diskutiert wird – unser Rosen-Logo und meine grüne Jacke.“ 

Herausforderer Thomas Semmelmann möchte als Verwaltungschef ins Bönener Rathaus einziehen. 

Michael Ruhe, Gemeindeverbandvorsitzender der SPD: „Corona hat unsere Wahlkampf-Planungen beeinflusst, aber wir nehmen diese Herausforderung an. Es gibt die telefonische Bürgersprechstunde als Ergänzung zum Besuch im Parteibüro. Freitags können Brötchen bestellt werden, die samstags ein Gespräch mit dem Lieferanten, unserem Bürgermeisterkandidaten Thomas Semmelmann, ermöglichen. „Bei Anruf Brötchen“ hat eine gute Resonanz, ebenso wie unser Gewinnspiel. 

Aber wir nutzen auch klassische Wahlkampfwege wie unseren Stand vor dem Parteibüro – bis zur Wahl auch am Teich auf dem Wochenmarkt. In einer ersten Runde haben sich unsere Ratskandidaten mit Wurfblättern allen Haushalten als Ansprechpartner angeboten, in einer zweiten Runde im August wird es konkreter mit persönlicher Motivation und Ausschnitten aus dem Wahlprogramm. Bei diesen Verteilaktionen ergeben sich viele gute Gespräche. Gerade in Zeiten, in denen man weniger ausgeht, scheinen die Gespräche am Zaun noch besser anzukommen als sonst. 

Zudem finden Treffen im kleinen Kreis mit Verbänden und Vereinen statt, um zu sehen, was gut läuft und wo noch Handlungsbedarf existiert. Seit wenigen Tagen ist der Wahlkampf für alle noch sichtbarer: Die Plakatierung ist weiterhin unverzichtbar vor der Wahl. 

Glücklicherweise haben wir in den vergangenen Jahren einige Neu-Mitglieder gewinnen können, die auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen sehr aktiv sind. Wir füttern unsere Homepage und unsere Accounts auf Facebook und Instagram mittlerweile kontinuierlich mit Content. Diese Kanäle sind unverzichtbar geworden. Die Erfahrungen der letzten Wochen – teilweise gab es hitzige Diskussionen im Netz – haben aber gezeigt, dass das persönliche Gespräch oft die bessere Alternative ist.“ 

Torsten Goetz, Vorsitzender der CDU: „Corona hat uns bei der Planung sicherlich einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Zum Beispiel hatten wir eine Veranstaltung am Förderturm und mehrere Aktionen mit unserer „Schwarzen Bank“ in der Fußgängerzone geplant. Dies mussten wir alles absagen. 

Aktuell warten wir auf eine neue Empfehlung aus Düsseldorf. Sobald die NRW-CDU uns ein positives Signal sendet, werden wir mit einem Parteistand wieder in der Fußgängerzone sein. Davon haben wir bislang abgesehen. Gerade in den ersten Monaten habe ich persönlich das für unverantwortlich gegenüber meinen Parteikolleginnen und Kollegen, aber auch den Bürgern empfunden. 

Im Wahlkampf neu wird sein, dass wir verstärkt Artikel und Beiträge in den sozialen Medien bewerben und dort posten. Außerdem wird eine Parteizeitung an alle Haushalte verteilt. Diese Vorbereitungen sind bereits abgeschlossen. 

Die Kandidaten werden ebenfalls in den nächsten Wochen Flyer an alle Haushalte verteilen und dort die Gespräche unter Berücksichtigung der Corona-Schutzbestimmungen führen. Der CDU-Vorstand unterstützt die Blühpatenschaft von Uli Pohlmann. Hier wird es noch eine gesonderte Aktion geben.“ 

Friedhelm Lange, Sprecher Bündnis90/Die Grünen: „Das ,traditionelle Wahlkampfmedium‘ Wahlplakat haben wir natürlich wieder im Einsatz. Terminlich korrekt haben wir es aufgehängt und in grüner Tradition haben wir unsere eigenen Bönener Plakate entwickelt, die sich in ihren Themen daran orientieren, was uns für Bönen wichtig ist. 

Wir werden vier Infostände auf dem Wochenmarkt anbieten und – coronakonform versteht sich – ganz ,analog‘ und persönlich mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Auch die digitalen Medien werden wir intensiv als Informationsträger nutzen, auf unserer Homepage und per Facebook die Bürger über unsere Arbeit, unsere Ziele und Ideen für Bönen informieren. 

Da der Haus-zu-Haus-Wahlkampf auf Abstand im Interesse der Bürger geführt werden muss, werden wir unsere Kandidaten auf Flyern vorstellen, die direkt im Briefkasten liegen werden. Alle unsere Flyer werden mit einem QR-Code versehen, der zu unserer Homepage und zu unserer Facebookseite weiterleitet. Wir stehen per Telefon, Facebook, E-Mail persönlich für einen Meinungsaustausch zu Verfügung. 

Wir hoffen, dass die Wähler sich nicht nur eine Meinung in sechs Wochen Wahlkampf bilden, sondern auch unsere Arbeit in den letzten Jahren beurteilen, die wir im Gemeinderat geleistet haben. 

Ralf Kappelhoff, Vorsitzender FDP: „Da ich dieses Jahr das erste Mal im Wahlkampf aktiv bin, habe ich keinen tatsächlichen Vergleich. Die Europawahl im vergangenen Jahr war bei uns nur eine einmalige Samstagsaktion mit einem Stand auf dem Wochenmarkt. 

Dieses Jahr planen wir auf dem Markt dreimal samstags einen Stand unter den üblichen Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Den sogenannten Häuserwahlkampf werden nur vereinzelte Wahlbezirkskandidaten coronamaßstäblich betreiben. Auch die Verteilung von „Give-aways“ werden wir auf ein Minimum beschränken.“

Thomas Cieszynski, Vorsitzender BgB: „Seit drei Jahren sind wir regelmäßig samstags mit einem Stand in der Fußgängerzone präsent. Deshalb werden wir ab dem zweiten Augustwochenende in der Fußgängerzone präsent sein. Um die nötige Distanz einzuhalten, überreichen wir Info-Material mit einem Müllgreifer. 

Wir haben zwei Veranstaltungen geplant, aber da müssen wir einfach abwarten, wie sich die Corona-Zahlen weiter entwickeln, und ob es eine zweite Welle gibt, sodass die Schutzmaßnahmen wieder verschärft werden. Von Tür zu Tür werden wir eher nicht unterwegs sein, denn ich möchte niemanden anstecken, und mich auch selbst nicht infizieren.“ 

Senay Oturak, Vorsitzender die Linke: „Wir benutzen die sozialen Netzwerke wie Facebook und Whats App. Weiterhin haben wir unser Wahlprogrammheft. Dies werden wir in den nächsten Tagen verteilen. Unsere Wahlplakate sind ebenfalls schon angebracht in der Gemeinde. Unser Infostand ist jeden Mittwoch und Samstag von 8.30 bis 12.30 in der Fußgängerzone. 

Wir haben schon sehr viele interessante Gespräche geführt. Natürlich ist das noch nicht alles. Im August werden wir unsere Bürger mit neuen Ideen und Aktionen, die wir jetzt aber noch nicht verraten möchten, überraschen. Wir sind voller Tatendrang.“

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