Ein köstlich kulinarisch-kultureller Abend rund um die Liebe

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Das Literatett (Harald Schönfelder, Jenny Heimann, Freddy Pieper und Harald Sumik von links) würzte den Abend mit literarischen und musikalischen Zutaten im Turm.

Bönen – Ein stimmiges Menü servierten Caroline Kirchner (Kulturbüro) und Esther Hahm (VHS) am Freitag ihren 30 Gästen auf der Sechsmeterebene des Bönener Förderturms. Die Zutaten des kulinarisch-kulturellen Abends waren das Hammer Literatett und Leckeres vom Bönener Partyservice Rewe Karwoth. Und offensichtlich mundete das dreigängige Gericht Geist und Gaumen.

Als Aperitif gab es neben Sekt und dem „Lovestory“-Thema von Harald Sumik am Flügel eine Geschichte von Jenny Heimann – die Erinnerung ihres Freundes Christof an dessen erste zarte Liebe zur englischen Austauschschülerin Fiona. Der erwachsene Christof entdeckt sie bei Facebook wieder, als dralle, wasserstoffblonde Frau in Tigertop. Das Fazit: Die Realität hält nicht immer der romantischen Erinnerung stand. 

Vor einem Jahr hätten sie das Programm „Vom Anfang bis zum Ende der Liebe“ entwickelt, erzählt Heimann. Die Programme wechseln, die Rollenverteilung des Literatett bleibt. So übernahmen Sumik und Sänger Freddy Pieper den musikalischen Part wie Udo Jürgens’ Liebeslied „17 Jahr, blondes Haar“.

Liebesgedichte seien schon im Minnegesang des Mittelalters oft Kurzgeschichten einer unerfüllten Liebe gewesen. Beispiel: „Heinrich Heine war verliebt in seine Cousine Amalie.“ Die Verbindung des armen Poeten mit der Tochter aus vermögendem Hause war nicht standesgemäß. Folge: Das Gedicht „Im wunderschönen Monat Mai“, vorgetragen von Harald Schönfelder. 

Mal romantisch, mal erotisch, mal witzig, mal dadaistisch – Joachim Ringelnatz vergab auch mal originelle Kosenamen wie „Muschelkalk“. So gut wie alle Literaten beschäftigten sich mit den verschiedenen Zuständen der Liebe: Verliebtsein, Zusammensein, Auseinandergehen. Manche sogar damit, dass Liebe durch den Magen geht, leitete Heimann zur Vorspeise – Salat mit Früchten und Hähnchenbrust an Balsamicocreme. 

Das Menü mundete den Besuchern: Adam Karwoth (rechts) servierte den Besuchern mit seinem Team Kulinarisches.

Das Programm kombiniert mit dem Menü sei Neuland für sie, erklärte Heimann. „Mit vollem Magen spricht sichs nicht gut“, erklärte Schönfelder, weshalb die Künstler nicht an der fein gedeckten Tafel Platz nahmen. Das Literatett konzentrierte sich aufs Lyrische, wie etwa Francois Villons „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund“, das Klaus Kinski einst etwas derber vortrug. 

Zu einem musikalischen Höhepunkt geriet die Vertonung von Bertold Brechts „Erinnerung an Marie A.“. Sumik unterlegte sie mit einer schönen eingängigen Melodie, Pieper kongenial mit sanfter Stimme. Das Gedicht selbst steht mehr für den Schwerenöter Brecht.

Nach Schweinefilet-Medaillons mit Rosmarin-Drillingen und Herrencreme setzten die vier Künstler den Schlusspunkt der Liebe einvernehmlich mit Robert Gernhardt: „Alles klar? ...Warum Frauen auf Männer pfeiffen? Klar wie Kloßbrühe."

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