Klaus König kaufte etliche Immobilien von Millionengewinn – und die halten ihn auf Trab

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Klaus König kaufte von seinem Millionengewinn auch Haus Middendorf.

Auch ein Millionengewinn kann einen enorm fordern – und löst vor allem nicht alle Probleme: Der Bönener Klaus König kaufte Immobilien in Bönen als Altersabsicherung. Statt Rendite gibt es jedoch Leerstände, und König muss für Reparaturen selbst aufs Gerüst. In sein Ärztehaus sollen jetzt aber neue Mieter kommen.

Bönen – Die gelbe Fassade zeigt Risse, die Gasträume sind seit Langem geschlossen. Das traditionsreiche Gasthaus Middendorf in Altenbögge ist schon seit Jahren ohne Pächter. Eigentümer Klaus König erwarb die Immobilie nach einem siebenstelligen Gewinn in einer Lotterie als Alterssicherung, ebenso wie das Ärztehaus an der Bahnhofstraße 136. Auch dort stehen seit Jahren Etagen leer. Für Reparaturen muss der 77-Jährige teilweise selbst aufs Baugerüst klettern, weil es keine Einnahmen gibt.

Als Klaus König vor einigen Jahren von seinem siebenstelligen Gewinn bei der Glücksspirale erfuhr, war für ihn die Frage, wie er die Summe am besten anlegen soll. Der Rentner entschied sich, das Geld und zusätzliche Kredite in Immobilien zu stecken. „Als Betonrente, wie man so schön sagt – als Absicherung fürs Alter“, erzählt König, der bis dahin in einer Mietwohnung an der Veilchenstraße wohnte.

Kein Pächter in Sicht

Als die Gaststätte Middendorf 2015 zwangsversteigert wurde, bekam er den Zuschlag. Allerdings hatte der gelernte Kfz-Meister nicht vor, die Kneipe zu übernehmen. „Die Gaststätte interessierte mich nur am Rande“, sagt der 77-Jährige ganz offen. „Ich wollte die Hallen und Garagen auf dem Grundstück, damit ich hier mein Wohnmobil unterstellen kann.“ Das Areal rund um die Gaststätte Middendorf ist rund 3 700 Quadratmeter groß. 32 Garagen stehen auf dem Gelände neben dem Haus, die alle vermietet sind.

Blick auf den Saal von Haus Middendorf. Auf dem 3700 Quadratmeter großen Areal befinden sich auch 32 Garagen.

An das Hauptgebäude schließt sich ein großer Saal an, der bereits als Tanzsaal und Kino diente, später war hier eine Näherei untergebracht. „Der gesamte Gebäudekomplex aus dem Jahr 1908 steht unter Denkmalschutz und darf nicht abgerissen werden“, sagt Klaus König. Also nichts für Interessenten, die hier neu bauen wollen. Da habe er schon Anfragen gehabt in der Vergangenheit.

Es gibt ein Wertgutachten für das Grundstück in Höhe von 399 000 Euro. Gebaut werden darf neben dem Hauptgebäude, etwa da, wo die Garagen stehen. „Ich habe es bisher nicht angeboten“, erzählt König beim Rundgang durch die Gasträume. „Die sind eigentlich in gutem Zustand, aber ein Pächter müsste natürlich erst mal renovieren.“ Der sei aber schwer zu finden. Immer mehr Gaststätten schließen – zuletzt Timmering ein Stück weiter an der Bahnhofstraße. „Aber niemand will mehr in die Gastronomie gehen“, weiß Klaus König.

Nachdem er die erste Etage renoviert hatte, zog er 2017 mit seiner Lebensgefährtin Gertrud Jantz in die Wohnung über der Kneipe. Bis auf die Garagen wirft die Immobilie aber keinen Gewinn ab, im Gegenteil, sie kostet Geld. „Grundbesitzabgaben, Heizkosten, Kosten für Instandsetzungsarbeiten – und jetzt gerade die Beteiligung an den Sanierungskosten der Bahnhofstraße“, rechnet König vor. Da seien auch rund 50 000 Euro fällig. Damit die ehemalige Gaststätte wenigstens ein bisschen Profit abwirft, vermietet er die Räume für Familienfeiern. Deshalb würde er auch mittlerweile den Gesamtkomplex verkaufen – „wenn man mir einen angemessenen Preis bietet“.

Ein Fass ohne Boden

Von einem sorglosen Lebensabend kann bei Klaus König nicht die Rede sein, denn seine Immobilien halten ihn auf Trab. „Das ist ein Fass ohne Boden“, sagt er. Während er seinen Lebensabend auf Reisen genießen könnte, muss er sich um seine „Betonrente“ kümmern. 

Insgesamt besitzt Klaus König vier Immobilien in der Gemeinde, die aber nur zum Teil vermietet oder bewohnt sind. „An der Hubertusstraße besitze ich ein Haus mit fünf Wohnungen, die alle vermietet sind. Aber an der Poststraße habe ich schon vor 30 Jahren ein Haus mit Werkstatthalle im Rohbau ersteigert, um dort Testgeräte für Kfz-Werkstätten zu lagern, die ich damals verkauft habe. 

Dazu gehört auch eine 240-Quadratmeter-Wohnung“, erzählt Klaus König. Die steht allerdings leer, denn da müssten erst Heizung, Elektrik und Bad gemacht werden, bevor sie vermietet werden kann und Einnahmen bringt. Weil ihm seine Bank den Kredit auf Eis gelegt habe, so König, könne er die Arbeiten zurzeit nicht durchführen. Ein Immobilien-Millionär in Geldnöten.

Mit 77 Jahren noch selbst aufs Baugerüst

Dringende Arbeiten führt der Rentner deshalb selbst aus. Gerade hat er sein Baugerüst bei Middendorf abgebaut und bei seinem zweiten Sorgenkind, dem Ärztehaus an der Bahnhofstraße 136, wieder aufgebaut, weil sich Fassadenplatten gelöst hatten. „Glücklicherweise bin ich schwindelfrei“, sagt der Rentner und nimmt es gelassen. „Wer rastet, der rostet – das hält mich jung.“

Nachdem seine Mieter ins Gesundheitshaus gegenüber wechselten, zeigt jetzt eine ambulante Tagespflege Interesse für das Erdgeschoss des Ärztehauses.

Das Gebäude aus den 1970er-Jahren, in dem drei Arztpraxen und im Erdgeschoss die Marienapotheke zu finden waren, als König das Haus ersteigerte, sollte ihm langfristig gesicherte Mieteinnahmen garantieren. Aber es kam ganz anders. Mit dem Bau des neuen Gesundheitshauses schräg gegenüber an der Bahnhofstraße kündigte nicht nur die Marienapotheke ihren Vertrag und zog im Neubau auf der anderen Straßenseite ein, sondern auch zwei Arztpraxen folgten. Nur Dr. Christoph Middeldorf ist mit seiner Praxis dortgeblieben. „Es gibt auch noch ein Penthouse mit großer Dachterrasse“, ergänzt Klaus König. Dort habe die frühere Eigentümerin Wohnrecht.

Nach dem jahrelangen Leerstand sieht König aber jetzt einen Lichtstreifen am Horizont: Eine ambulante Tagespflege für Senioren will sich im Erdgeschoss ansiedeln und auch den dazugehörigen Garten nutzen. Ein Architekt habe sich die Räume bereits angeschaut auf nötige Umbauten, berichtet Klaus König. Unklar sei noch, ob die Gemeinde die zweite Etage als Treffpunkt für den Verein Zuflucht.Bönen anmieten wird.

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