Kinderbetreuung in Bönen: Gut aufgehoben in Kita oder Tagespflege

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Tagesmutter Sandra Andric kümmert sich in Lenningsen um fünf "Kleine Strolche"

Bönen - Neun Kindertageseinrichtungen gibt es in der Gemeinde, eine weitere ist geplant. Dennoch werden nicht alle Kinder zum 1. August einen Platz in einer der Einrichtungen bekommen. Berufstätige Eltern brauchen dann eine Alternative. Die bietet unter anderem die Kindertagespflege. Ein Besuch in der U-3-Gruppe der Kita Martin Niemöller und bei Tagesmutter Sandra Andric und ihren „Kleinen Strolche“ zeigt, was die beiden Betreuungsformen unterscheidet und was sie gemeinsam haben.

Luise ist an diesem Morgen die Erste in der Regenbogengruppe. Beim Jackeausziehen lässt sie sich helfen, ihren Rucksack hängt die Zweijährige ganz alleine auf. Als Nächste kommt Amelie, mit 16 Monaten zurzeit das jüngste Kind in der Gruppe der unter Dreijährigen in der Kita Martin Niemöller. Nach und nach trudeln die anderen ein, an der Hand von Mama oder Papa werden sie in die Einrichtung gebracht. Normalerweise sind es zehn Mädchen und Jungen, die von Julia Beermann und Stefanie Sommer betreut werden. Heute fehlt ein Kind. Frieda ist im Urlaub, wissen die anderen schon. 

Die Kinder haben es sich auf dem runden Teppich im Gruppenraum gemütlich gemacht. Zunächst werden dort die Dienste gezogen, denn selbst die Kleinsten haben in der Kita bereits Aufgaben. Milo greift in den Stoffbeutel und zieht das Foto von Amelie. Sie hat also heute Taschendienst. Mats und Luise sollen dagegen später die schmutzigen Tücher gemeinsam mit einer Erzieherin zur Waschmaschine tragen. 

Erst mal ankommen

 Bei Tagesmutter Sandra Andric in Lennigsen klingelt es ab 7 Uhr morgens an der Haustür. Bis 8 Uhr kommen in der Regel ihre Zöglinge in ihre Kindertagespflege „Die kleinen Strolche“. Fünf Kinder betreut die Tagesmutter momentan. Nora ist mit eineinhalb die Jüngste, Theo mit zweieinhalb Jahren der Älteste. Sandra Andric lässt die Kleinen in Ruhe ankommen. Der Spielteppich in ihrem geräumigen Wohnzimmer ist blitzschnell mit Bauklötzen, Tierfiguren und anderem Spielzeug übersät. Nora hat bald aber keine Lust mehr – sie hat Hunger. Schnurstracks marschiert sie zu ihrem Kinderstuhl am Esstisch und klettert erwartungsfroh hinein. 

Wichtige Rituale

In der Regenbogengruppe müssen die Kinder ebenfalls zunächst ankommen. Mit einem Lied, bei dem die Schultern geschüttelt, der Bauch gewackelt und in die Hände geklatscht wird, sollen sie richtig wach werden. Auch das beliebte „Aramsamsam“ wird angestimmt. Natürlich kennen die Kleinen längst den Text, die dazu passenden Bewegungen und machen kräftig mit. Sie mögen das tägliche Ritual im Morgenkreis, alle sind aufmerksam dabei. Als jedoch das Frühstück angekündigt wird, ist es mit der Konzentration schlagartig vorbei. „Essen ist immer toll“, stellt Stefanie Sommer fest und lacht. Die Kinder flitzen zu ihren Rucksäcken, fast jeder hat etwas mitgebracht. Obst und Käsebrote, aber auch Schokobrötchen und Fruchtzwerge: Die Eltern sind verantwortlich für das Frühstück ihrer Kinder.

Gemeinsam frühstücken 

Bei den „Kleinen Strolchen“ ist das anders. Sandra Andric kümmert sich um die Mahlzeiten für die Kleinen. Jetzt beschmiert sie nacheinander fünf Scheiben Brot mit Leberwurst, teilt sie auf fünf Tellern jeweils in Stückchen. Dazu gibt es frische Erdbeeren und Weintrauben. „Die lieben sie am meisten. Ich muss aufpassen, dass sie nicht so viel davon essen, sonst bekommen sie Bauchschmerzen“, erzählt die Tagesmutter. Alle Kinder bekommen das gleiche, alle sind damit zufrieden. Beim Frühstück ist es sehr ruhig.

In der Kita wird gerne geteilt. Sophia gibt Milo großzügig etwas von ihrem Wurstbrötchen ab. Großen Anklang findet das Wasser auf den Tischen. Die Kinder dürfen es sich selbst aus der Karaffe ins Glas schütten – und das macht augenscheinlich Spaß. Immer wieder füllen die Kleinen nach. 

Selbstständiger werden 

Während einige Kinder noch genüsslich Weintrauben aufpicken oder einen Joghurt löffeln, haben andere keine Geduld mehr. Trotzdem: Mit dem Spielen wird gewartet, bis alle fertig sind. Die Brotdosen müssen verstaut, die Rucksäcke an die Haken gebracht werden. Die Teller und Gläser bringen die meisten selbst zum Spülbecken. 

Bei Tagesmutter Sandra Andric beendet Thora die Frühstücksrunde. Sie will zurück auf den Spielteppich – nach dem Händewaschen, versteht sich. Frieda hat Lust auf Musik. „Guli, Guli“ kräht sie fröhlich und klatscht in die Hände. Nora stimmt mit ein. Theo lässt sich davon nicht stören. Unbeirrt verputzt er seine restlichen Brotstücke, bevor er sich den anderen anschließt. „Das ist seine Art. Er ist eher ruhig und besonnen“, erzählt Sandra Andric. 

Kleine Individualisten 

Im Sommer wechselt der Junge in den Kindergarten. Deshalb besucht sie mit ihm und den anderen ein-, zweimal pro Woche das Familienzentrum Alter Bahnhof Lennigsen. Die Kleinen sollen sich an die Kita gewöhnen. Die Zusammenarbeit mit der Einrichtung klappt prima. Die Mitarbeiter kennen Sandra Andric gut. Schließlich haben ihre vier Kinder ebenfalls den Kindergarten besucht, der fünfjährige Elias ist heute noch dort. 

„Als er seine Eingewöhnungszeit hatte, saßen immer alle Kinder bei mir“, erzählt sie. Den Kita-Mitarbeiterinnen fiel auf, wie gut die Lenningserin mit den Kleinen umging. „Wäre Tagesmutter nicht etwas für dich?“, schlugen sie ihr vor. Und nach intensiven Beratungen im Familienkreis meldete sich Sandra Andric tatsächlich für den Qualifizierungslehrgang beim Kreis Unna an. Seit zwei Jahren betreut sie mittlerweile Kinder in ihrem Haus. Ein fordernder Job, sie muss die Mädchen und Jungen ständig im Auge behalten. 

Jetzt braucht etwa Theo ihre Aufmerksamkeit. Ole hat ihn beim Spielen wehgetan. Sandra Andric trocknet Tränen und führt ein klärendes Gespräch. Thora und Frieda trösten ebenfalls. Sekunden später sind die beiden Jungen wieder Freunde.

Auch Julia Beermann, Stefanie Sommer und Kita-Leiterin Kerstin Förster haben alle Hände voll zu tun. Sie wischen verschmierte Münder ab, waschen Hände und putzen Nasen. Die eine oder andere Windel muss gewechselt werden. Die Kita-Kinder nutzen die Zeit, um zur Empore hochzuklettern und dort zu toben.

Musik und Sprache

In Lenningsen geht Friedas Wunsch in Erfüllung. Sandra Andric legt eine CD mit Kinderliedern in den Rekorder und setzt sich zu den Kleinen auf den Teppich. „Aramsamsam“ ist auch dort ein echter Hit. Das Lied „Das Spielen ist vorbei“ kennen die Fünf ebenso gut. Fleißig helfen sie beim Aufräumen. Dann kommen sie nacheinander bereitwillig zum Windelwechsel. 

Motorik fördern 

Für die Kinder der Regenbogengruppe steht heute Turnen auf dem Programm, deshalb müssen sie sich nun umziehen. Es ist warm an diesem Vormittag, barfuß und im Body geht es in die „Turnhalle“ der Kita. Damit unterwegs keiner verloren geht, kommt das Gruppenseil zum Einsatz. Es hat zehn Schlaufen, an denen sich jedes Kind festhalten kann. 

Im Bewegungsraum ist bereits alles aufgebaut. Mia marschiert sofort die Schrägbank hoch und lässt sich vom Kasten aus in die weiche Matte plumpsen. Luisa will das auch. Die Bank klappt gut, auf dem Kasten erschreckt sie dann aber doch vor der eigenen Courage. Julia Beermann muss ihr herunter helfen. Milo hat inzwischen einen Ball entdeckt. Er kickt wie ein Großer. Amelie versucht, hinter Sophia auf der Balancierschlange her zu kommen, Max stapelt Reifen um ein Plastikhütchen. Jeder ist beschäftigt. 

Miteinander lernen 

Die drei Erzieherinnen müssen ihre Augen überall haben. John will den Ball von Milo, Mats unbedingt zu Sophia und Mia in den umgedrehten Kasten. Abgeben, Platz machen, warten können: All das will gelernt sein. Und bis dahin wird schon mal „gebockt“. Nicht lange allerdings, denn Kerstin Förster lockt die Kleinen in das große Zelt in der Raummitte. Bälle rollen, die Schrägbank wird zur Rutsche. In der Turnhalle ist ganz schön was los. Rund eine Stunde klettern, springen und laufen die Kleinen, dann wird es Zeit für die Mittagsrunde. Zurück in die Gruppe geht es wieder mit dem Seil. 

An die frische Luft 

Eine Turnhalle hat Familie Andric nicht, dafür aber einen großen Garten. „Manchmal machen wir aber auch einen Ausflug zum Spielplatz oder zum Bauernhof“, erzählt die Tagesmutter. Dann setzt sie die kleinen in den „Winther-Turtle-Kinderbus“, einen praktischen Sechssitzer. Bevor es jedoch nach draußen geht, müssen alle mit Sonnencreme eingecremt, Schuhe angezogen und Kappen aufgesetzt werden. Das dauert – und dafür sind die Kleinen echt geduldig. 

Im Garten rennen sie sofort zum riesigen Sandkasten. Frieda und Nora holen Bagger, Schaufel und Eimer aus der Box. Sie finden aber nur einen Löffel, und um den gibt es prompt Streit. Sandra Andric muss schlichten. Anschließend baut sie den Fuhrpark auf: Bobbycars und Gummipferdchen. Beides wird sofort in Besitz genommen. 

Thora hat andere Interessen. Sie ist fasziniert von den Kaninchen, die in einem Stall neben dem Sandhaufen leben und klebt förmlich vor der Gittertür. Höhepunkt des Vormittags ist für sie das Füttern der Tiere. Die anderen Kinder wollen mit ins Gehege. Sie verteilen Möhren und Salat, Ole traut sich sogar, einen der flauschigen Nager zu streicheln. 

Mittagspause 

In der Kita sind die Mädchen und Jungen nach dem Turnen mit etwas Hilfe schnell wieder angezogen. Sie suchen sich einen Platz auf dem Teppichkreis. Luise ist wirklich müde. Schließlich war sie morgens ja schon als Erste in der Gruppe. Kerstin Förster macht einen Spaziergang mit ihr. Amelie kuschelt sich auf den Schoss von Stefanie Sommer. So hält sie es noch eine Weile aus. Zumal jetzt zwei, drei Singspiele an der Reihe sind. 

Um 11.30 Uhr wird das Mittagessen vorbereitet. Die Kleinen schnappen sich jeweils ein Tuch aus dem Korb, es dient als Lätzchen. Da soviel Spielen, Turnen und Singen Hunger macht, sitzen alle ruckzuck an den Tischen. Die warme Mahlzeit bietet die Kita an, mitbringen müssen die Kinder nichts. Die Kleinen sind erstaunlich geschickt mit Löffel und Gabel. Und bei wem es noch nicht so gut klappt, der bekommt Unterstützung von den Erzieherinnen. 

Die Kinder in Lenningsen haben nach dem Spielen gleichfalls tüchtig Hunger. Mit gewaschenen Händen und einem Lätzchen um den Hals sitzen sie brav am Esstisch. Es gibt Nudeln mit Tomatensoße – ihre Leibspeise. „Meistens koche ich vor“, erzählt Sandra Andric. Während sie die Kinder betreut, kommt sie kaum dazu, etwas vorzubereiten. Mit am Tisch sitzt nun auch ihr Sohn Elias, der aus dem Kindergarten gekommen ist. Zur Betreuung bei der Tagesmutter gehört Familienanschluss mit dazu. Und die Kleinen finden es toll, den „Großen“ mit dabei zu haben. 

Nach dem Essen wird es Zeit für den Mittagsschlaf – in Lenningsen wie an der Niemöllerstraße. Amelie reibt sich verdächtig die Augen. Schnell in den Schlafanzug gestiegen, dann geht es in die Betten. In der Kita gibt es einen Ruheraum, Sandra Andric verteilt die Kinder in Reisebetten in verschiedenen Zimmern. 

Es geht nach Hause 

Nach der Pause werden die ersten abgeholt. Die meisten Kinder bleiben bis 14 oder 14.30 Uhr in der Kita, einige bis zum Schluss, bis 16.15 Uhr. Sie können noch eine Weile spielen. Inzwischen gießt es draußen wie aus Eimern. Auf den Spielplatz im Garten der Kita geht es ausnahmsweise mal nicht. Sandra Andric betreut ihre Schützlinge bis etwa 16 Uhr. „Bei schönem Wetter gehen wir nach dem Mittagsschlaf noch mal raus, ansonsten bleiben wir drinnen, spielen, malen oder basteln.“

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