Keine Kita wegen Schnupfen? Bönener Eltern haben dann Betreuungsprobleme

Kita-Infekte: "Schnupfen bei Kindern ist kein Corona-Symptom"
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Kita-Infekte: "Schnupfen bei Kindern ist kein Corona-Symptom"

Bönen - Viele Eltern stehen vor einem Betreuungsproblem, weil Erzieher in den Kitas Kinder bei banalen Infekten nach Hause schicken. Elternvertreter fürchten im Herbst und Winter eine massive Herausforderung, wenn es bei den aktuellen Regeln bleibt.

Viele Eltern haben sich aufgrund der Corona-Krise bereits mit großen Betreuungsproblemen arrangieren müssen. Erleichterung machte sich breit, als die Kleinen so langsam wieder in die Kita durften. Doch nun könnten Eltern vor einem neuen Problem stehen, das mit aktuellen Regelungen einhergeht. Sobald ein Kind Krankheitssymptome hat, darf es nicht in die Kita. 

Sowohl Oppositionspolitiker als auch Kinder- und Jugendärzte protestieren dagegen. „Kinder werden völlig sinnlos laufend aus der Betreuung herausgenommen“, sagte beispielsweise ein Vertreter des Verbands der Kinder- und Jugendärzte. Auch macht sich bei Elternvertretern etwa der Initiative „Familien in der Krise“ die Sorge breit, dass Eltern spätestens im Herbst vor einem unüberwindbaren Betreuungshindernis stehen. 

Wie ist die Lage in Bönen? Das sagen die Kitas

 „Ich glaube, Richtung Herbst könnte es schwierig werden“, vermutet Mandy Pfeifer, Co-Leiterin der evangelischen Kindertageseinrichtung Martin Niemöller. „Wenn es bei der Regelung bleibt, dass Kinder zuhause bleiben müssen, haben wir ja bald keine Kinder mehr hier.“ 

Da alle Kinder bisher gesund gewesen seien, habe es in der Kita noch keinen Fall gegeben, in dem ein Kind zuhause bleiben musste oder nach Hause geschickt wurde. „Aktuell ist das bei uns in der Kita noch nicht so das Thema. Dann aber, wenn der erste nach Hause geschickt wird“, sagt Pfeifer. Für viele Eltern sei es schwierig gewesen, die Zeit ohne Betreuung zu überbrücken. Umso erleichterter sind sie, dass die Kinder nun wieder in die Kita dürfen. „Wenn sie aber wieder zuhause bleiben müssen, das stelle ich mir schwierig vor.“ 

Viele Handlungsmöglichkeiten haben Eltern in dieser besonderen Zeit nicht. Das weiß auch Sarah Lublow-Hübener, Leiterin der katholischen Tageseinrichtung Sankt Bonifatius. Doch wie alle anderen Kitas muss sich auch diese Einrichtung an die neuen Regeln halten. Die Leiterin steht dahinter: „Aufgrund der Tatsache, dass ja jede Erkrankung anders verläuft, finde ich die Vorsichtsmaßnahmen berechtigt.“ Man wisse nicht, ob das Kind nun tatsächlich an Corona erkrankt ist oder nur einen leichten Schnupfen hat. „Man hat nicht nur die Verantwortung für einen, sondern für alle. Wir sind in einer besonderen Zeit, in der es wirklich wichtig ist, vorsichtig miteinander umzugehen“, sagt Lublow-Hübener. Im Moment sei die Situation noch entspannt. „Aber ich bin gespannt, wie es mit der Regelung Richtung Herbst aussieht, wenn dann jeder mit Schnupfen zuhause bleiben muss“, sagt sie. 

Das sagt das Jugendamt 

„Bisher haben sich zwei, drei Personen bei uns beschwert, dass sie es nicht gut finden, dass die Kinder nicht mehr betreut werden, beziehungsweise abgeholt werden mussten, aber in der Regel klären die Eltern das mit der Kita selbst“, erzählt Katja Schuon, die als Fachbereichsleiterin des Kreises Unna für die Kitas in Bönen zuständig ist. Noch sei das Thema nicht so sehr im Vordergrund. Doch Schuon kann sich vorstellen, dass die neuen Regeln vor allem im Herbst und Winter bei Eltern von Kita-Kindern für Probleme sorgen können. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es dann wieder zu Betreuungsproblemen kommt. „Wir wissen ja nicht, wie sich die Pandemie bis dahin weiterentwickelt“, sagt Schuon. „Wir müssen die Corona-Regeln nun mal einhalten. Keiner möchte gesundheitliche Gefährdung provozieren oder eine zweite Welle haben.“ 

Das sagt der Kinderarzt 

Mindestens zehn bis elf sogenannte banale Infekte sind bei Kita-Kindern im Jahr normal, erklärt der Kinderarzt Dr. Johannes Jeßberger aus Hamm. Er hat in den vergangenen Wochen zudem viele Kinder behandelt, die Heuschnupfen oder Asthma hatten. Er sieht kein Problem damit, diese Kinder in die Kita oder Schule zu schicken. Allerdings sei eine Infektion mit Sars-CoV-2 ohne Test bei keinem Kind mit Schnupfen oder Husten auszuschließen. Selbst ein negatives Testergebnis sage wenig aus: Es könne schon am Morgen nach dem Abstrich überholt sein. 

„Die Symptome von Covid-19 sind vollkommen unspezifisch.“ Jeßberger hofft, dass Studien bis zum Herbst zeigen, wie ansteckend Kinder mit Covid-19 wirklich sind. Bisherige Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Kinder für Erwachsene wenig ansteckend seien. Sollte sich das bestätigen, könne man die aktuellen Regeln ändern. Bis dahin sieht Jeßberger eine Grauzone: Sei beispielsweise bekannt, dass ein Kind Asthma oder Heuschnupfen habe, könne man es auch bei einer laufenden Nase oder Husten wieder in die Kita schicken. „Es gibt Kitas, die praxisnäher sind als andere“, sagt er.

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