Kein Spargel mehr in Flierich: Familie Bröckmann schließt den Hofladen

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Gudrun Grievel und Alfreda Bröckmann (rechts) in der kommenden Woche wohl zum letzten Mal gemeinsam im Hofladen auf Hof Mundloh stehen und Spargel verkaufen.

Bönen – Nach 24 Jahren Spargelverkauf ist Schluss in Flierich. Alfreda und Reiner Bröckmann von Hof Mundloh hören am kommenden Donnerstag auf. 

Noch liegt er da, knackig frisch, nach Güteklassen sortiert. Bis zum Feiertag am kommenden Donnerstag können die Kunden zugreifen, dann ist Schluss mit dem Spargelverkauf auf Hof Mundloh in Flierich. Und diesmal räumen Alfreda und Reiner Bröckmann den Hofladen für immer aus. Nach dieser Saison bieten sie keinen Spargel mehr an.

An einem sonnigen Sonntagnachmittag im Mai oder Juni konnte es in der Vergangenheit recht voll werden an den Tischen und Bänken vor dem Hofladen an Sinnerstraße. 

Radfahrer, Spaziergänger und motorisierte Spargelfreunde nutzen die Gelegenheit, um sich mit dem Königsgemüse einzudecken und dabei eine gemütliche Pause mit Kaffee, Kuchen, Bratwurst und kühlen Getränken auf dem idyllisch gelegen Hof zu genießen. 

Abschied nach 24 Jahren

Alfreda Bröckmann hat es immer viel Spaß gemacht, ihre Kunden zu bewirten. „Das Geschäft aufzugeben, fällt mir schon schwer. Manche Kunde kenne ich ewig, da ist der Abschied nicht leicht“, sagt sie.

Tatsächlich gibt es seit 24 Jahren Spargel in Flierich. Bis dahin haben die Bröckmanns hauptsächlich Landwirtschaft und Bullenmast auf dem Hof, den Reiner Bröckmann von seinen Eltern übernommen hatte, betrieben. Seine Frau hatte sich zudem hauptsächlich um die beiden Kinder gekümmert. 

Doch die waren mit fünf und neun Jahren inzwischen aus dem Gröbsten heraus. „Ich wollte wieder arbeiten, aber mit zwei kleinen Kindern war das damals schwierig“, erzählt sie. Also suchte sie nach einer Möglichkeit, auf dem Hof etwas Neues machen zu können. Ihr fiel schließlich der Spargel ein. 

Viele Kunden nutzen die Gelegenheit, den Spargelkauf mit einem Ausflug zu verbinden.


Die Landwirte begannen 1995 mit dem Anbau der empfindlichen Pflanze, die bis zur Ernte etwa drei Jahre benötigt. „Die ersten drei Jahre mussten wir deshalb Spargel von einem befreundeten Hof zukaufen. Aber wir konnten von Anfang an Spargel anbieten“, erzählt Alfreda Bröckmann.

Ihr Mann und sie haben stets auf Qualität geachtet, und das sprach sich schnell herum. Immer mehr Menschen kamen zum Einkauf auf den Hof, viele zu Fuß oder mit dem Fahrrad. „Ich habe dann mal einen Tisch und einen Stuhl hingestellt, damit sie sich ausruhen können“, berichtet die Hof-Chefin. Schnell musste sie einen Zweiten dazustellen, einen Dritten und so weiter. 

Gab es zunächst nur Kaffee, erweiterten die Böckmanns an den Wochenenden das Angebot später um Kuchen, Spargelgerichte, Getränke und Grillwurst. Auch der Hofladen wurde größer – nicht nur räumlich. Passend zum Spargel kamen Kartoffeln ins Sortiment, Erdbeeren, Weine, Schinken und Wurst, dann auch regionaler Käse und andere Spezialitäten. 

Bis zu zehn Hektar Spargel

In Hochzeiten bewirtschaften die Fliericher zehn Hektar Land mit Spargel, in diesem Jahr waren zu Saisonbeginn noch drei Hektar davon übrig. „Die anderen beiden hat mein Mann schon umgepflügt“, erzählt Alfreda Bröckmann. Die Entscheidung, den Spargelanbau und -verkauf aufzugeben, ist keine spontane. „Wir denken seit fünf Jahre darüber nach und haben den Anbau nach und nach zurückgefahren.“ 

Spargel kann etwa acht bis zehn Jahre geerntet werden, neue Pflanzen haben sie nicht mehr gesetzt. „Wir müssten zudem neue Maschinen anschaffen, zum Beispiel eine Schälmaschine. Unsere sind veraltet“, erklärt sie. Die seien jedoch ziemlich teuer. „Eine solche Investition macht man für die nächsten 15 Jahre, aber solange wollen wir eigentlich nicht mehr arbeiten“, sagt sie. 

Die gebürtige Hammerin ist 57, ihr Mann 61 Jahre alt. „Wenn er das Rentenalter erreicht hat, wollen wir uns aus dem Betrieb zurückziehen.“ Sohn Steffen Bröckmann ist bereits jetzt Teilhaber der GbR, er wird den Betrieb weiterführen – allerdings ohne Spargel. „Er will sich lieber auf die Pferde konzentrieren“, berichtet seine Mutter. Die sind das Hauptgeschäft der Familie. 

Rund 50 Pferde leben auf dem Hof in Flierich.

Vom Spargel allein könnte der Betrieb nämlich nicht existieren. „Dafür sind wir einfach zu klein“, stellt Reiner Bröckmann fest. Das würde nur Großbetrieben gelingen, die unter anderem Discounter und Supermärkte mit ihrem Spargel beliefern. Von der Bullenmast haben sich die Bröckmanns hingegen vor Jahren getrennt und stattdessen mehr und mehr Pensionspferde aufgenommen. 

Reitturniere statt Spargelverkauf

Rund 50 Pferde stehen mittlerweile in den Ställen und auf den Weiden der Bröckmanns. Eine Reit- und Longierhalle, einen Reitplatz, eine Führanlage und Paddockboxen haben sie angebaut. Der 33-jährige Juniorchef ist selbst ein begeisterter und erfolgreicher Reiter. Er kümmert sich um den Beritt, das Anreiten und die Ausbildung der jungen Pferde und gibt Reitunterricht für Dressur und Springen. 

„Er möchte an den Wochenenden lieber auf Turniere gehen, als Spargel zu verkaufen“, sagt Alfreda Bröckmann. Sie hat volles Verständnis dafür. „Er soll das machen, was er möchte. Wir konnten das ja auch.“ Unterstützt bei der Spargel-ernte wurden die Bröckmanns bislang von osteuropäischen Erntehelfern. „Erst waren es Polen, jetzt haben wir Rumänen. Und mit denen haben wir wirklich Glück. Sie sind toll“, lobt die Chefin ihre Saisonarbeiter. 

Bis zu zehn solcher Helfer haben von April bis Juni auf ihrem Hof gelebt und gearbeitet, in dieser Saison waren es noch drei. Hinzu kommen die Mitarbeiter, die Alfreda Bröckmann beim Verkauf geholfen haben. „Die Mitarbeiter, die wir haben, sind schon sehr lange da. Falls wir aber neue finden müssten, wäre das schwierig.“ 

Eine dieser langjährigen Mitarbeiter ist Gudrun Grievel. Sie wird an Fronleichnam´wahrscheinlich zum letzten Mal an der Seite ihrer Chefin im Hofladen stehen. „Wenn danach noch etwas da ist, verkaufen wir vielleicht am Freitag noch“, so Alfreda Bröckmann. „Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es fällt mir leicht. Wir hören mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf.“

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