Nachwuchssorgen

Kaum noch Azubis im Fleischerhandwerk: Bönener hat den Schritt gewagt

Fleischerei Felix Bieberschulte Andrea Klett Ausbildung
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Felix Bieberschulte aus Bönen wird unter anderem von Andrea Klett in der Fleischerei Flechsig ausgebildet. Für das neue Ausbildungsjahr sucht der Betrieb weitere Lehrlinge.

Auszubildende im Fleischerhandwerk werden dringend benötigt. Der Bönener Felix Bieberschulte ist als Azubi für den Fleischermeister Dirk Flechsig daher sehr wertvoll. Im vergangenen Jahr entschied sich Bieberschulte für die Stelle und steht seitdem hinter dem Tresen der Filiale in Kamen. 

Bönen/Kamen – Der Ausbildungsmarkt ist in der Corona-Krise spürbar eingebrochen. Nach Informationen der Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Bewerber und auch das Angebot an Lehrstellen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Eine Branche, die händeringend um Nachwuchs kämpft, ist das Fleischerhandwerk (siehe Kasten). Felix Bieberschulte aus Bönen hat sich im vergangenen Jahr nach Beendigung seiner Schulzeit und einem Praktikum für eine Ausbildung in genau diesem Bereich entschieden. Eine Entscheidung, die der bald 17-Jährige bislang nicht bereut hat.

„Ich habe vorher die Kamener Gesamtschule besucht und hatte immer vor, beruflich mit Menschen zu tun zu haben. Nach einem knappen Jahr kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung für mich gewesen ist. Ich kann den Job jedem empfehlen, der ebenfalls gern mit Menschen zu tun hat“, sagt der 16-Jährige, der seine Ausbildung beim Kamener Fleischermeister Dirk Flechsig absolviert.

Einziger Fleischer in seinem Jahrgang

Aus seinem damaligen Jahrgang ist dem Bönener kein Mitschüler bekannt, der sich ebenfalls für das Fleischerhandwerk entschieden hat. „Da war eher der Anlagenmechaniker für Sanitärtechnik im Trend“, sagt Bieberschulte.

Im Rahmen der fundierten Ausbildung rund um Fleisch- und Wurstwaren, Käse und Salate ist Bieberschulte längst vielen Kunden bekannt, denn sein Haupteinsatzort ist direkt hinter der großen Bedientheke.

„Neben dem Verkaufen helfe ich bei der Vorbereitung oder fülle Waren in der Theke auf. Manchmal habe ich auch Spüldienst“, berichtet er aus seinem ersten Ausbildungsjahr. Das lange Stehen hinter der Theke stört den jungen Mann nicht: „Da gewöhnt man sich ganz schnell dran.“

Geschäftsführer Dirk Flechsig bringt den Azubis auch die Zerlegung besonderer Rinder näher.

Ausbilderin Andrea Klett kümmert sich in dem Kamener Familienbetrieb um den Nachwuchs und weiß genau, was Interessenten mitbringen sollten: „Leidenschaft, um mit Lebensmitteln zu arbeiten, ist wichtig. Von Vorteil ist es auch, wenn man eine gewisse Lust aufs Kochen hat und natürlich gut mit Menschen auskommt.“

Angespannte Situation

Die Personalsituation im Fleischerhandwerk ist nach einer Mitgliederbefragung des Deutschen Fleischer-Verbandes, die am Montag veröffentlicht wurde, extrem angespannt. Rund 65 Prozent der Befragten gaben an, zu wenig Personal zu haben. Etwa ein Viertel spüre bereits negative wirtschaftliche Auswirkungen aufgrund des Personalmangels. Azubis werden von über 50 Prozent der Betriebe gesucht.

Für den Beruf Fleischer bildet der Betrieb, der neben dem Stammsitz an der Kamener Oststraße noch eine Filiale in der Schulstraße in Bergkamen hat, ebenfalls mit dem Schwerpunkt auf den Verkauf aus.

„Wir schlachten nicht selbst. Daher gehört zu den Aufgaben die Zerlegung in Teilstücke und die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren sowie Konserven“, erklärt Dirk Flechsig.

In den letzten Jahren ist eine neue Tätigkeit dazugekommen, denn Flechsig ist großer Fan der Steaks vom Angus oder vom Fullblood-Wagyu-Rind und sorgt selbst für die Zerlegung. „Daher lernen die Gesellen auch die sogenannten amerikanischen Cuts“, sagt Flechsig.

Stelle für kommendes Lehrjahr noch unbesetzt

Sein Betrieb sucht auch für das im August beginnende Ausbildungsjahr noch Auszubildende für den Beruf des Fachverkäufers im Lebensmittelhandwerk und für den Beruf des Fleischers.

Eine Besonderheit gibt es bei der Ausbildung in beiden Berufen, denn die Flechsig-Lehrlinge gehen nicht in Unna oder Dortmund zur Berufsschule, sondern haben Blockunterricht an einem privaten Berufskolleg für das Fleischerhandwerk in Essen. „Mit denen sind wir regelmäßig in Kontakt und sind daher auch über den Lernstand unserer Lehrlinge informiert“, erklärt Andrea Klett.

Im ersten Lehrjahr war Felix Bieberschulte coronabedingt selten vor Ort. Stattdessen stand Lernen auf Distanz an. Trotz der weiteren Anreise hofft Bieberschulte, dass er nach den Sommerferien wieder regelmäßig im Berufskolleg lernen kann.

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