Katharinenwäldchen am Hagenweg

Neues Waldstück ist gesund, auch wenn’s noch nach Gestrüpp aussieht

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Das neue Katharinenwäldchen am Hagenweg entwickelt sich laut Revierförster Matthias Müller prächtig – auch wenn das für den Laien noch nicht so gut erkennbar ist.

Bönen – Bis ein neuer Wald gewachsen ist, braucht es seine Zeit. Wer zwischen Rhynerner Straße und Weetfelder Straße einen Spaziergang entlang des Hagenwegs macht, könnte sich allerdings sorgenvoll fragen, ob auf der dortigen Fläche wirklich mal ein Wald entstehen kann.

Man sieht die Bäume vor lauter Gestrüpp nicht. Den Sommer über sind andere Pflanzen schneller und höher gewachsen. Die Sprösslinge muss man dazwischen suchen. Ist das Projekt damit in Gefahr? Keineswegs, versichert Förster Matthias Müller. Für ihn ist der derzeitige Anblick „eine Augenweide“.

Für 40.000 Euro 20.075 Bäume gepflanzt

20.075 Bäume wurden am Hagenweg in der Adventszeit 2019 eng beieinander und in Reihen gepflanzt. Stieleichen, Hainbuchen, Erlen, Vogelkirschen, Ulmen, Winterlinden und Feldahorn sollen auf der 2,7 Hektar großen Fläche – das sind etwa vier Fußballfelder – einen Beitrag für das Klima und die Artenvielfalt leisten. Dazu hat der Kreis Unna das Areal vom Bönener Landwirt Matthias Overbeck gepachtet. 40.000 Euro kostet das Vorhaben, 8.000 Euro spendeten Mitarbeiter und Geschäftsführung des Katharinen-Hospitals Unna, weswegen der Name Katharinenwäldchen gewählt wurde.

Bis die Fläche allerdings Waldcharakter haben wird, werden Jahre vergehen. Derzeit prägen andere Pflanzen das Bild. „Die krautige Vegetation ist explodiert“, sagt Müller vom Forstbezirk Unna – und das sei gut so. Die hoch hinaufschießende Flora sorge dafür, dass die jungen Bäume der Sonne nicht so stark ausgesetzt sind. Auch der Boden werde so beschattet, die Bodenbrüter fanden im Frühjahr Versteckmöglichkeiten und die Insekten eine große Blütenauswahl.

„Ich beobachte die Fläche ganz genau“

Natürlich sei nicht jede Pflanze für die Triebe förderlich. „Ich beobachte die Fläche ganz genau, welche Pflanzen da wachsen und welche nicht“, sagt Müller. Disteln und Brennnesseln seien, zumindest wenn sie nicht zu hoch wachsen, gut. Brombeere und Adlerfarn dagegen nicht, weil sie in Konkurrenz zu den Bäumen stehen. Kamille sei ebenfalls schwierig, weil sie dazu neige zu verwachsen und bei Stürmen oder Schneefall bis auf die kleinen Eichen, Buchen und Ulmen herunterzuhängen – und diese dann im Wachstum zu behindern.

Etwa alle drei Wochen schaut Müller am Hagenweg vorbei. „So ein neuer Wald ist unheimlich spannend. Der Förster hofft, dass die Bäume grün werden“, sagt er. Bei seinen Kontrollen ist er über die Entwicklung der Sprösslinge begeistert. Unter drei Prozent sei die geschätzte Ausfallquote. Ein guter Wert, da müsse man nichts nachbessern. Dabei habe es ein trockenes Frühjahr gegeben. Da habe er nur zuschauen können, bewässern sei im Forst absolut unüblich und wegen der Größe kaum durchführbar.

Wachstum setzt nach „Pflanzschock“ ein

Dass die Bäume derzeit noch sehr klein sind, sei normal. „Die müssen erst den Pflanzschock überwinden. Die wollen noch gar nicht wachsen. In zwei, drei Jahren werden sie losziehen.“ Bis dahin muss er vor allem darauf achten, dass sich die Salweide nicht breitmacht, die in der Nähe wächst. Sie ist zwar aufgrund ihrer frühen Blütezeit ab Anfang März wichtig für Insekten, ist aber derart schnellwüchsig, dass sie den gepflanzten Bäumen das Licht wegnimmt. Und so wird der Förster den Jungwald am Hagenweg in den kommenden fünf, sechs Jahren im Auge behalten. Danach seien die Bäume hoch genug und könnten selbst die Konkurrenzvegetation abdunkeln.

Eine größere Aktion ist zeitnah dennoch geplant. Müller holt Angebote von Unternehmen rein, die die Bäume im September freischneiden. Das hätte zwar auch schon im Juni bis August passieren können, sei aber auf dieser Fläche nicht nötig gewesen. „Jetzt will ich es winterfest machen“, sagt er. „Sonst haben wir im nächsten Jahr Schwierigkeiten.“

Weitere Pflanzungen geplant

Neben dem Katharinenwäldchen soll am Hagenweg zur Rhynerner Straße hin eine weitere, deutlich größere Fläche aufgeforstet werden. Laut Förster Matthias Müller soll das noch in diesem Jahr geschehen. „Planerisch ist es durch alle Behörden“, erklärt er. Noch in diesem Herbst würde Müller auf den zehn Hektar, die ebenfalls vom Landwirt Matthias Overbeck gepachtet sind, anfangen. „Der begrenzende Faktor ist aber die Pflanzenverfügbarkeit“, erläutert der Förster, der eng mit dem Kreis Unna zusammenarbeitet. In NRW würden aufgrund der Dürre der vergangenen Jahre derzeit zahllose Flächen aufgeforstet werden. Es gebe daher eine hohe Nachfrage nach Nachwuchsbäumchen. Die für die Landwirtschaft nun aufgegebene Fläche werde aber bereits jetzt vorbereitet. Die Stoppeln sind schon abgemäht.

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