Junge Bönenerin leidet unter Lipödem: Eine OP ist ihre einzige Chance

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Melissa Kahn leidet körperlich und seelisch unter der Krankheit. 

Bönen - Der eigene Körper ist Melissa Kahn fremd geworden. Die Bönenerin leidet unter dem Lipödem, einer Störung der Fettverteilung. Sport oder Diäten wirken bei dieser Krankheit nicht, und bislang gibt es keine Möglichkeit, sie ursächlich zu behandeln. Die Symptome dauerhaft lindern könnte allerdings eine Operation, doch die will die Krankenkasse der 19-Jährigen nicht übernehmen. Daher sie jetzt einen ungewöhnlichen Weg: Im Internet bittet sie um Spenden.

Wie die meisten jungen Mädchen wollte auch Melissa Kahn bei ihrem Schulabschluss vor dreieinhalb Jahren möglichst hübsch aussehen. Für den feierlichen Anlass gab es ein neues Kleid, an der passenden Figur arbeitete die damals 16-Jährige ehrgeizig mit reichlich Sport und einer gesunden Ernährung. „Mein Körper hatte sich verändert“, erinnert sie sich. 

Bis dahin war die Nordböggerin sehr zufrieden mit ihrer schlanken Figur gewesen. Sie trug Konfektionsgröße 34/36. Doch plötzlich passten ihr die Hosen nicht mehr. Sie setzte sich selbst auf Diät, trainierte täglich und joggte unzählige Kilometer durch ihren Heimatort Nordbögge. Ihr Oberkörper wurde dadurch immer schlanker, doch die „Beulen“ an den Oberschenkeln hielten sich hartnäckig. Sie legten im Gegenteil sogar noch zu. Melissa Kahn war total frustriert. 

Aber es waren nicht nur die die äußerlichen Veränderungen, die der Schülerin stark zu schaffen machten. Sie litt immer häufiger unter heftigen Schmerzen in den Beinen. „Ich dachte zunächst, es wäre Muskelkater, weil ich ja so viel Sport gemacht habe.“ Ihre Oberschenkel wurden extrem druckempfindlich, zeigten ständig blaue Flecken. „Meine Mutter hat dann einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem es um das Lipödem ging“, berichtet Melissa Kahn. Die geschilderten Symptome passten eins zu eins zu dem, was sie gerade erlebte. 

Gemeinsam gingen die Beiden zum Arzt. Der Mediziner diagnostizierte tatsächlich die Krankheit, die fast ausschließlich Frauen trifft, bei der Jugendlichen. Für sie war das zunächst eine Erleichterung. Schließlich stand nun fest, dass die Fettablagerungen so gar nichts mit ihrer Ernährung oder gar mangelnder Bewegung zu tun haben. Die Beschwerden nahmen aber weiter zu. Nach den Beinen traf es auch die Arme. Die Krankheit kommt in Schüben. 

Starke Schmerzen in Armen und Beinen

„Ich kann oft nachts nicht schlafen, weil ich solche Schmerzen habe“, schildert die 19-Jährige. Die Krankheit bestimmt inzwischen ihr Leben. Ein normaler Alltag ist für den Teenager nicht mehr möglich. „Ich kann nicht lange stehen, aber auch nicht lange sitzen. Ich kenne meine Beine und Arme gar nicht mehr ohne Schmerzen.“ Immer wieder muss sie die Beine hochlegen, um die Qualen ertragen zu können. Beim Laufen scheuert sie sich die Oberschenkel wund und blutig, jeder Schritt ist eine Qual. Die Arme versagen ihren Dienst. „Ich kann mir zum Beispiel nicht die Haare föhnen, ohne sie abzustützen“, schildert die junge Frau.

Fast noch schlimmer als die körperlichen Leiden sind die seelischen. „Guck mal, da kommt der Elefant“, hat sie etwa von Mitschülern schon gehört, oder auch „Sicher, dass die nicht abnehmen kann? Die bildet sich die Krankheit doch nur ein.“ Melissa Kahn weint viel, fühlt sich ausgegrenzt. Selbstzweifel plagen sie. Aus Scham trägt sie selbst bei großer Hitze nur noch lange Hosen und langärmelige Oberteile, versucht, ihren Körper zu verstecken. Nach einem heftigen Schub vor zwei Jahren trägt sie inzwischen Hosengröße 42/44. 

„Ich achte sehr auf meine Ernährung und bewege mich so viel wie möglich“, sagt sie. Das Joggen musste sie allerdings aufgeben, jetzt versucht sie es mit ausgedehnten Spaziergängen. Schwimmen wäre sicher eine Option. „Das mache ich aber nicht mehr. Beim letzten Mal haben die Leute mit Fingern auf mich gezeigt“, beschreibt sie den verletzenden Augenblick im Schwimmbad. 

Melissa Kahns Arme  werden immer dicker, während  die Handgelenke schlank bleiben.

Ihr Arzt verordnete ihr Kompressionsstrümpfe und Lymphdrainage, um den Fettablagerungen auf diese Weise zu Leibe zu rücken. Doch die Therapie schlug bei Melissa Kahn nicht an, die Beschwerden nahmen vielmehr noch zu. Die 19-jährige suchte Hilfe bei weiteren Experten und landete Anfang des Jahres schließlich in einer Fachklinik in Darmstadt. 

Dort bescheinigte die Ärzte dem Teenager ein stark fortschreitendes Lipödem im Stadium II, was sehr ungewöhnlich für eine Frau in diesem Alter ist. Im ersten Stadium ist die Unterhautschicht der Haut noch gleichmäßig verdickt. Bei Melissa Kahn ist sie aber bereits knotenförmig, die Hautoberfläche uneben. Wird sie nicht behandelt, verhärtet sich das Gewebe weiter, und es entstehen Fettwülste, die im Knie- und Oberschenkelbereich dazu führen, dass sie kaum noch gehen kann. Weitere Folgen können Arthrosen in den Gelenken, offene Beine, Lymphödeme oder Schilddrüsenunterfunktion sein. „Ich bin doch erst 19 Jahre alt!“, sagt junge Frau verzweifelt. Schon jetzt ist ihr rechtes Knie überbelastet. 

Krankenkasse lehnt Kostenübernahme für die Operation ab

Die Experten in der hessischen Klinik wären bereit, die Bönenerin zu operieren. Bei der sogenannten Liposuktion werden die krankhaften Fettmassen abgesaugt. Die Beschwerden könnten damit dauerhaft gelindert werden, wie viele bereits operierte Patienten bestätigen. Bei Melissa Kahn wären drei Eingriffe notwendig, die Kosten dafür liegen bei etwa 18 000 Euro. Doch ihre Krankenversicherung hat den Antrag auf Kostenübernahme abgelehnt. „Wir zahlen keinen Cent“, hat laut der 19-Jährigen eine Mitarbeiterin der Techniker Krankenkasse, bei der sie versichert ist, gesagt. „Es sei eine Schönheitsoperation, und zudem sei der Langzeiteffekt nicht bewiesen.“ 

Beim Lipödem passen die Proportionen nicht mehr.

Inzwischen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), der über den den Leistungskatalog der Krankenkassen entscheidet, eine Studie in Auftrag gegeben, in der die Wirksamkeit der Operation im Vergleich zu konservativen Therapien untersucht werden soll. Frühestens ab 2020 könnten die Kassen dann für den Eingriff zahlen – unter bestimmten Voraussetzungen. 

Eine davon wäre, dass Melissa Kahn das dritte Stadium der Krankheit erreicht hätte. Dann könnten aber bereits unwiderrufliche, gesundheitliche Schäden bei der Bönenerin aufgetreten sein. Dabei möchte sie endlich ein normales Leben aufbauen, im Sommer eine Ausbildung zur Erzieherin beginnen. Das Geld für die Operation kann Melissa Kahn selbst nicht aufbringen. Im Internet um Spenden zu bitten, ist die einzige Chance, die sie zurzeit sieht. „Ich möchte nicht mit Ende Zwanzig im Rollstuhl sitzen“, befürchtete sie sonst das Schlimmste.

Wer Melissa Kahn helfen möchte, findet im Internet bei Paypal den Spendenaufruf Melissa Liposuktionen. 

Außerdem hat sie bei der Volksbank Bönen ein Spendenkonto eingerichtet. Die IBAN lautet: DE67 4106 2215 0042 6116 00.

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