Künftig böse Überraschungen vermeiden

Jugendamt legt aktuelle Zahlen für Kitaplätze in der Gemeinde vor

zwei kinder schauen aus dem Fenster einer Containerkita auf Baustelle
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Willkommen im Container: Bis die Kita Rappelzappel umzieht, dauert es noch.

Wie viele Kitaplätze brauchen wir in den kommenden Jahren und wie wird der Bedarf berechnet? Das waren Fragen, die Katja Schuon im Ausschuss für Familie, Sport und Kultur gestellt wurden. Nachdem das Jugendamt zuletzt von den unerwartet steigenden Zahlen der Kinder in Bönen, die einen Betreuungsplatz brauchen, überrollt wurde, soll das künftig anders laufen.

Bönen – Noch vor einem Jahr war die Betreuungssituation kritisch. Mehr als 60 Kinder hatten keinen Kitaplatz. Die Eltern waren verzweifelt, weil ihre berufliche Zukunft ungewiss war, so lange nicht ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung standen. Das Jugendamt der Gemeinde, das vom Kreis Unna ausgeübt wird, war von den rasant steigenden Zahlen schlichtweg überrollt worden. Inzwischen hat sich in der Gemeinde jedoch einiges bewegt, und die zuständige Fachbereichsleiterin Katja Schuon stellte dem Fachausschuss am Donnerstagabend die aktuellen Zahlen vor.

„Oberstes Ziel ist es, den Rechtsanspruch sicherzustellen, der ab einem Jahr besteht“, so Katja Schuon. Die Leiterin des Bereichs Familie und Jugend beim Kreis Unna ist neben Fröndenberg und Holzwickede auch für die Gemeinde Bönen zuständig. „Im Rahmen unserer Kindergartenbedarfsplanung müssen wir sehen, dass wir die entsprechenden Plätze bereitstellen. Inzwischen sind wir da ein ganzes Stück weitergekommen und haben vieles in Bönen auf den Weg gebracht. Das letzte Mal, als ich hier war, musste ich mich noch von wütenden Eltern beschimpfen lassen“, zog Katja Schuon vor den Ausschussmitgliedern Bilanz.

Es geht voran mit der Kita Kleine Forscher im Borgholz: Nachdem sich der Baustart an der Geschwister-Scholl-Straße immer wieder verzögert hatte, wächst der Neubau jetzt zügig.

Aktuell bieten in der Gemeinde elf Kitas insgesamt 749 Plätze an – 186 Plätze für Kinder unter drei Jahren und 563 Plätze für Kinder über drei Jahren. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit stellt sich die Frage, wie viele Kinder mit einem gesetzlichen Anspruch im nächsten Kitajahr keinen Betreuungsplatz bekommen? „Auf der Warteliste der Bönener Kitas sind aktuell noch sechs Kinder“, erläutert Katja Schuon. „Davon haben drei Familien einen angebotenen Kitaplatz abgelehnt. Die Eltern haben einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Gemeinde, aber nicht in der Lieblingskita“, stellte Schuon klar. Wo eine Unterbringung in der favorisierten Einrichtung nicht möglich ist und andere Angebote abgelehnt werden, müssten die Familien bis zum nächsten Jahr warten.

Kitaplätze und Betreuungsstunden

Aktuell bieten in der Gemeinde elf Kitas insgesamt 749 Plätze an:

- 186 Plätze U3

- 563 Plätze Ü3

Träger der Bönener Kitas sind die katholische und die evangelische Kirche, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Kita Hegemann in Iserlohn.

Die Betreuungsstunden im letzten Kitajahr: 196 Kinder besuchen das letzte Kitajahr vor der Einschulung. Sie werden wie folgt betreut:

16 Kinder - 25 Stunden

84 Kinder - 35 Stunden

96 Kinder - 45 Stunden

Auch für die kommenden Jahre gebe es weiteren Bedarf, prognostiziert Katja Schuon. „Wir arbeiten derzeit daran, den Bedarf genau verifizieren und genau planen zu können, um die Angebote weiter auszubauen.“ Die passenden Grundstücke zu finden sei allerdings ein großes Problem, so Schuon. „In Bönen haben wir Glück gehabt, mit den beiden Übergangslösungen in Containern in Bahnhofsnähe und den Grundstücken, auf denen die Kita im Wohngebiet Borgholz und die Sportkita im Umfeld der Sportanlagen entstehen.“

An der Poststraße war zunächst der Container für die geplante Kita Kleine Forscher entstanden, weil sich der Baubeginn immer wieder verzögerte. Inzwischen wächst der Neubau an der Geschwister-Scholl-Straße, Ecke Anne-Frank-Straße rasant, so dass der Umzug in das neue Gebäude absehbar ist.

Noch in Planung ist die Kita, die künftig im Umfeld von Goethegrundschule, Sporthalle und Schwimmbad als Sportkita auf dem ehemaligen Zechengelände entstehen soll. Seit dem 3. Mai hat die Kita Rappelzappel, deren Träger die Kita Hegemann in Iserlohn ist, aber erst mal an der Poststraße direkt neben der Kita Kleine Forscher im Container ein Zuhause gefunden. Derzeit werden hier 24 Kinder von zehn Betreuern beaufsichtigt. Und es gibt noch freie Plätze, wie die Leitung mitteilt. Ab Sommer sollen hier insgesamt 64 Kinder betreut werden – angenommen werden Kinder ab vier Monaten.

Alternative Tagespflegeperson

Eine Alternative zur Betreuung zu den Kitas seien Tagespflegepersonen, so Katja Schuon. Eine Tagespflegeperson betreut bis zu fünf Kinder in ihren eigenen vier Wänden oder in angemieteten Räumen. In Großtagespflegeeinrichtungen betreuen zwei bis drei Personen bis zu neun Kinder. „13 Tagesmütter und -väter bieten ihre Unterstützung aktuell in Bönen an, darunter zwei Tagespflegepersonen nur für Randzeitenbetreuung, sie haben allerdings zurzeit keine Kinder“, erläuterte Schuon das Angebot. „Eine Tagespflegeperson hat Betreuungsräume in Unna. Außerdem beginnt zum 1. August eine neue Kindertagespflegeperson mit drei Plätzen.“ Eine Bewerberin für Bönen habe jetzt Anfang Mai mit der Qualifizierung begonnen, mit ihrem Einstieg sei deshalb nicht vor dem Frühjahr 2022 zu rechnen.

Nach den fehlenden Betreuungsplätzen in den Kitas setzt sich das Problem jetzt offenbar in der OGS-Betreuung beim Wechsel auf die Grundschule fort. Denn auch hier fehlen immer wieder Plätze, die Anmeldungen steigen von Jahr zu Jahr.

Wer Betreuung braucht, bucht in der Regel auch OGS

Um Fehlplanungen künftig zu vermeiden, müssten frühzeitig Zahlen herangezogen werden, so Ratsfrau Deniz Werth: „Die Kitazahlen im letzten Kindergartenjahr stimmen offensichtlich mit den Bedarfszahlen der OGS nahezu überein. An den Kitazahlen kann man bereits ablesen, wie viele Kinder anschließend auch nach dem Wechsel zur Grundschule einen Betreuungsplatz in der OGS brauchen. Die Eltern stellen sich auf die Betreuungszeit ein. Wenn sie 45 Stunden Betreuung buchen, fahren die Eltern das zum Schulstart nicht runter.“

Dass die Eltern immer höhere Betreuungsstunden buchen, das bestätigten die Zahlen, die Katja Schuon über den letzten Kitajahrgang vorlegte (siehe Info-Kasten). Sie bestätigte auch den Zusammenhang zwischen Betreuung in der Kita und an der Grundschule. „Wir werden eine langfristig Kindergartenbedarfsplanung erstellen, um keine bösen Überraschungen mehr zu erleben, und parallel die vorhandenen Kitas anschauen, um uns ein Bild zu machen.“ Die Erstellung passgenauer Statistiken sei schwierig, da fließen verschiedene Faktoren ein, so Schuon. „Die Kinder, die in vier Jahren in die Kita gehen, sind jetzt teilweise noch nicht mal geplant.“

„Wir werden in diesem Jahr noch eine Schulentwicklungsplanung angehen“, ergänzte der Bönener Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte. „Wir haben das ein Jahr vorgezogen, um den tatsächlichen Bedarf decken zu können.“

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