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Der Bönener Jost Alpe moderiert beim Ahrtalradio für Flutopfer

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Von: Sabine Pinger

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Radiomoderator Jost Alpe aus Bönen
Der Bönener Jost Alpe gehört zum ehrenamtlichen Team des Ahrtalradios und moderiert vor allem Musiksendungen. © Alpe

Was geht, wenn nichts mehr geht? Der Regen, die Flut, hat im Juli vielen Menschen im Ahrtal alles genommen. Einige Orte waren komplett abgeschnitten, Versorgungs-, Telefon- und Internetverbindungen gekappt. Doch die Betroffenen benötigen Hilfe – damals wie heute – und Informationen darüber, wie und wo sie diese bekommen. Das ist der Grund dafür, warum seit dem 4. September das Ahrtalradio sendet. Regelmäßig am Mikrofon steht dafür auch der Bönener Jost Alpe.

Bönen/Bad Neuenahr-Ahrweiler - 22 Jahre lang moderierte Alpe donnerstagabends die Hitparade bei Antenne Unna. Nachdem er sein Engagement dort 2014 beendet hatte, produzierte und moderierte der 53-Jährige vor allem Sendungen für Web-Radiosender. Als er im Sommer indes gefragt wurde, ob er beim Radio für die Flutopfer im Ahrtal dabei sein möchte, musste er nicht überlegen. „Ich habe das Gefühl, die Leute sind froh, dass sie ihre Sorgen über den Äther schicken können, und dankbar für die Hilfe“, sagt er.

Den Kontakt zu Ahrtalradio-Gründer Christian Milling hat ein Freund hergestellt. Milling suchte ehrenamtliche Helfer, insbesondere Moderatoren, für sein „Projekt“. „Er hat es auf die Beine gestellt, um die Leute zu informieren“, weiß Alpe. Der Fachinformatiker für Hörfunk kenne sich aus, Milling arbeitet seit vielen Jahren in der Branche. „Er hat spontan eine UKW-Frequenz bei der Bundesnetzagentur beantragt und ein provisorisches Studio eingerichtet“, erzählt Alpe.

Zunächst sollte das Ahrtalradio nur vier Wochen zu hören sein, doch die Laufzeit wurde verlängert. Bis Anfang 2022 wird aus dem winzigen Heppinger Pfarrbüro auf einem Hügel nahe Bad Neuenahr und aus den Heimstudios der Mitarbeiter gesendet. Neben Milling und Alpe sind einige bekannte Stimmen mit dabei, zum Beispiel die von Fernsehmoderatorin Biggi Lechtermann, von TV-Sprecher Stephan Kaiser und von Jürgen Kolb vom Hessischen Rundfunk.

Sendegebiet ausgeweitet

Seit dem Start im September wurde das Sendegebiet stetig ausgebaut. Angefangen in Bad Neuenahr-Ahrweiler sind weitere Frequenzen hinzugekommen. Inzwischen können selbst die Menschen in Linz das Ahrtalradio über UKW hören. Und über das Internet hat sich mittlerweile gar international eine „Fangemeinde“ entwickelt. „Es haben sich ehemaliger Ahrtaler aus der Schweiz, aus Österreich und von den Fiji-Inseln gemeldet“, berichtet Alpe.

Die Rückmeldungen seien dabei durchweg positiv, für die Radiomacher gibt es reichlich Lob. Die Hörer bedanken sich per E-Mail, telefonisch oder auf der Homepage Ahrtalradio.de für das Programm und die hörbare Hilfe. „Das schafft ein Zusammengehörigkeitsgefühl“, hat der Bönener festgestellt. Er hat bei seinen Besuchen in der Region mit einigen Betroffenen gesprochen. „Sie sind froh, dass das Ahrtal auf diese Weise im Bewusstsein der Menschen bleibt.“

In den Sendungen werden Unterstützungsangebote, Spenden und Aktionen veröffentlicht, Kontakte hergestellt und Nachbarschaftshilfen vorgestellt sowie Tipps zu Rechts- und Versicherungsfragen bekannt gegeben. Handwerker, Gutachter und Dienstleister melden sich, wenn sie freie Kapazitäten haben, ebenso diejenigen, die einen Fachmann oder schlicht eine helfende Hand benötigen. Geschäfte und Einrichtungen geben bekannt, wenn sie wieder öffnen, und jeden Sonntag wird ein Gottesdienst übertragen. Betriebe, die Opfer der Flut geworden sind, können kostenlos für sich werben, alle anderen zahlen pro Spot einen kleinen Betrag. Die Einnahmen fließen in die Fluthilfe. Es gibt Interviews, Nachrichten und natürlich Musik: Hits aus den vergangenen 50 Jahren, Lieblingslieder und musikalische Grüße.

Musikwünsche werden erfüllt

Musik ist Jost Alpes Domäne. Schon ein paar Mal ist er sonntags nach Bad Neuenahr gefahren, um dort live ein Wunschkonzert zu moderieren. Ansonsten arbeitet er von Bönen aus. Montags von 19 bis 21 Uhr hat der 53-Jährige eine eigene Unterhaltungssendung, zudem gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Neuhaus aus Dorsten das Format „Professor Pop und Dr. Soul“. „Ich mache auch Tagesstrecke, vier Stunden, zum Beispiel von 10 bis 14 Uhr“, so Alpe.

Diese und dazu zahlreiche Textbeiträge produziert er in seinem mobilen Studio in seiner Wohnung vor. Schließlich arbeitet er hauptberuflich bei einer Versicherungsgesellschaft, Radio ist „nur“ sein Hobby. In das steckt er jedoch enorm viel Leidenschaft und Hingabe, die er jetzt gerne den Flutopfern widmet. „Die Leute brauche etwas, das sie aufbaut“, beschreibt der Bönener. So sei beim Ahrtalradio überwiegend „romantisch-positive“ Musik zu hören. „Die Auswahl ist eine andere, als die, die man sonst so im Radio hört.“ Die Wünsche der Hörer werden weitgehend erfüllt – sofern die Stücke zu haben sind. „Wir haben einen Stammhörer, der wünscht sich zum Beispiel oft polnische Lieder“, erzählt Jost Alpe. Beim Wunschkonzert reiche das Programm dann von Peter Kraus über Rammstein bis zu Capital Bra. „Sogar Operettenlieder hatten wir schon.“

Sendelizenz läuft am 2. Januar aus

Aktuell läuft die Top-860-HitpAHRade, bis Silvester, 20 Uhr. „Die Ahr ist 86,0 Kilometer lang“, erläutert Alpe. „Wird das Komma weggelassen, ergeben sich 860 Musiktitel.“ Endgültig Schluss mit dem Hilferadio ist am 2. Januar. Dann verliert die Sendelizenz ihre Gültigkeit.

Dass die Tage des Ahrtalradios gezählt sind, bedauert nicht nur Jost Alpe. „Es ist schade, aber es gibt natürlich gute Gründe dafür“, sagt der Moderator. Der Einsatz hätte gerade von Gründer Christian Milling einiges abverlangt. Immerhin aber wurde der Euskirchener und seine Frau Palina Milling vor Kurzem für ihre ehrenamtliche Arbeit mit einem Sonderpreis der Branchenzeitschrift „Medium Magazin“ ausgezeichnet. „Er braucht jetzt mal eine Pause“, findet Jost Alpe.

Er ist hingegen zum Abschied am Sonntag noch einmal mit dem Wunschkonzert von 10.30 bis 13 Uhr im Ahrtalradio zu hören – in Bönen über das Internet.

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