Taten in Bönen, Dortmund und Bergkamen

Jahrelanger Missbrauch: Stiefvater aus Bergkamen soll mehrere Jahre ins Gefängnis

Bergkamen/Dortmund – Ein heute 51-jähriger Bergkamener, der vor rund 20 Jahren zwei Stieftöchter missbraucht und vergewaltigt haben soll, soll für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Diese Strafe fordert Staatsanwältin Alina Hildesheim nach Abschluss der mehrmonatigen Beweisaufnahme vor dem Dortmunder Landgericht. 

Der Angeklagte sei überführt, ab Ende 1997 bis in den Mai 2004 hinein die zunächst acht und 13 Jahre alten Töchter seiner damaligen Ehefrau missbraucht und auch vergewaltigt zu haben.

Die Taten ereigneten sich nach Überzeugung der Staatsanwältin in den wechselnden Wohnungen der Familie in Bergkamen, Bönen und Dortmund. 

Um sich die ihm körperlich unterlegenen Mädchen gefügig zu machen, habe der Bergkamener ihnen angedroht, dass sie ins Heim wandern würden und dass ihre Mutter ermordet würde, wenn sie jemandem von dem Erlebten berichten würden. 

Mehr als 50 Einzeltaten

Alina Hildesheim listete in ihrem Schlussvortrag mehr als 50 Einzeltaten unterschiedlicher Intensität auf, musste „schlimmste Taten“ bis hin zu erzwungenem Geschlechtsverkehr mit den kindlichen Opfern referieren. 

Die beiden heute erwachsenen mutmaßlichen Opfer seien durch das erlebte Gewaltgeschehen gezeichnet fürs Leben, insbesondere eine der Schwestern leide unter schwersten psychischen Störungen und sei vermutlich zeitlebens nicht in der Lage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. 

Die beiden Hauptbelastungszeuginnen hatten das angeblich Erlebte erst vor wenigen Jahren öffentlich gemacht und Strafanzeige erstattet. Ihre Zeugenaussagen vor dem Dortmunder Landgericht bewertete die Staatsanwältin als absolut glaubwürdig. Sie wären stets bis auf entschuldbare Details bei der Darstellung der erlebten sexuellen Übergriffe geblieben, hätten nie den Versuch gemacht, den ehemaligen Stiefvater zu Unrecht oder im Übermaß zu belasten. Verteidiger Manfred Heinz sieht seinen Mandanten jedoch als unschuldiges Opfer einer Familienintrige. Seine ehemalige Ehefrau und Mutter der beiden Töchter sei dabei die treibende Kraft. 

Verteidiger sieht Widersprüche in Zeugenaussagen

Sie habe ausreichend kriminelle Energie, um die Intrige langfristig zu spinnen und ihre beiden Töchter zu manipulieren. Ziel sei es gewesen, dem in der Familie unbeliebten Ex-Mann zu schaden und den jetzigen Ehemann, dem ebenfalls Sexualdelikte zur Last gelegt wurden, vor dem Gefängnis zu bewahren. Manfred Heinz verwies auf aus seiner Sicht deutliche Widersprüche in den Aussagen der Zeuginnen und wiederholte die scharfe Kritik an der Richterkammer, seinen entsprechenden Beweisanträgen nicht nachgegangen zu sein. 

Der Verteidiger ist davon überzeugt, dass sein Mandant wegen der im Raum stehenden Widersprüche frei gesprochen werden muss. Ein Urteil in dem Fall wird am 15. Juni verkündet. Zuvor hat der Angeklagte noch einmal Gelegenheit, sich zu den im Raum stehenden Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung zu äußern.

Lesen Sie auch:

Missbrauch an Stieftöchtern: Prozess gegen Bergkamener vor Abschluss

Sexueller Missbrauch an Stieftöchtern: Sind die Vorwürfe nur ein Racheakt?

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare