60 Jahre glücklich - Das Rezept: Eine Beziehung auf Augenhöhe 

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Nach 60 Jahren noch verliebt wie am ersten Tag ihrer Beziehung: Inge und Oswald Müller.

Bönen - Weltweit wird der Valentinstag gefeiert – der Tag der Liebenden. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Heiratsantrag an diesem Tag. Wir haben ein Paar gefragt, das bereits 60 Jahre glücklich verheiratet ist, was eine glückliche Ehe ausmacht, damit die Verliebtheit bleibt wie am ersten Tag.

Dass das ihre große Liebe wird, mit der sie den Rest ihres Lebens verbringen wird, das hat Inge Müller wahrlich nicht erkannt, als dieser junge Mann in Herringen auftauchte. Oswald Müller war an diesem Samstagmorgen eigentlich gekommen, um einen Freund zu besuchen.

Ihr Vater kannte den jungen Mann und lud ihn zum Frühstück ein. „Das ich ihm machen sollte. Ich hatte mich eigentlich darauf gefreut, einmal ausschlafen zu können“, erinnert sich Inge Müller und schmunzelt: „Ich kann nicht sagen, dass ich besonders begeistert war.“ 

Bei Oswald Müller sah das schon anders aus. „Mich hat es wie ein Blitz getroffen“, gesteht er und grinst. „Ich wusste ziemlich schnell, die ist es.“ Nun musste er die junge Dame nur noch überzeugen, die eigentlich gar nichts von ihm wissen wollte. 

„Ich war berufstätig und unabhängig und wollte auf gar keinen Fall heiraten“, sagt Inge Müller. „Meine Mutter hatte bei meinem Vater gar nichts zu sagen – deshalb hatte ich mir geschworen, eine Ehe kommt für mich nicht in Frage.“ Sie arbeitete als Fleischereifachverkäuferin in Hamm und hatte wochentags ein Zimmer beim Arbeitgeber. Ganz schön emanzipiert für eine junge Frau im Jahr 1958. 

Aber da war eben noch Oswald Müller, der sie gesehen hatte, und fest entschlossen war, sie zu erobern. Und er tat das, was letztlich zum Erfolg führte: Er ließ nicht locker. „Er tauchte immer wieder auf im Kino, bei Feiern – er war einfach hartnäckig“, erinnert sich Inge Müller. Und er schrieb ihr jeden Tag einen Liebesbrief. Die Strategie war richtig – inzwischen sind die beiden immerhin über 60 Jahre glücklich verheiratet. 

Irgendwann hat er sie dann doch mit seiner Unbeirrbarkeit von sich überzeugt – und aus Skepsis wurde Liebe. Geheiratet wurde aber nicht sofort. „Ich finde es wichtig, dass man erst einmal zusammenlebt und sich im Alltag richtig kennenlernt, bevor man fürs ganze Leben Ja sagt“, sagt Oswald Müller. 

1958 eine ziemlich revolutionäre Idee, denn es gab noch den sogenannten Kuppelparagrafen, der Vermieter unter Strafe stellte, die unverheirateten Paaren eine Wohnung überließen. „Wir hatten aber eine sehr liberale Wirtin. Für sie war das kein Thema.“ Für die Nachbarn schon. Die schickten dem unverheirateten Paar auch mal die Polizei in die Zweizimmerwohnung. 1959 haben die beiden dann doch geheiratet. Jetzt war sich auch Inge Müller sicher: Der ist der Richtige.

Gemeinsam hatten die Fleischereifachverkäuferin und der Fleischermeister in dieser Zeit ihr eigenes Geschäft eröffnet. „Wir haben viele Jahre zusammengearbeitet. Das ist etwas, das uns zusätzlich verbunden hat“, sagen beide. 24 Stunden zusammen sein, das verkraften Beziehungen oft nicht. „Obwohl wir damals viel arbeiten und Schulden abbauen mussten, war das vielleicht sogar die schönste Zeit meines Lebens“, sagt Inge Müller rückblickend. „Wir haben an einem Strang gezogen und immer eine Beziehung auf Augenhöhe geführt. Das ist wichtig.“ 

Später arbeiteten beide über 20 Jahre in der Fleischereiabteilung bei Gröblinghoff. „Ich war da ja ihr Chef“, erzählt Oswald Müller augenzwinkernd. „Aber wenn ich etwas sagte, was sie gar nicht richtig fand, hat sie immer gesagt, du kommst ja heute Abend nach Hause, dann reden wir noch mal drüber. Meist war bis dahin aber der Ärger verflogen.“

Apropos: Herrscht immer eitel Sonnenschein oder gibt es in einer guten Ehe auch mal Streit? „Na klar, das gehört doch dazu“, finden beide. Wichtig sei aber, wie man damit umgeht – und nicht eifersüchtig zu sein, dem anderen auch seine Freiräume zu lassen. Eifersucht könne eine Partnerschaft auch kaputt machen. Aber Treue sei schon wichtig. „Wenn man sich auf eine Person einlässt, dann muss man ihr auch vertrauen können“, finden beide.

„Aber richtig lernt man seinen Partner erst in schwierigen Zeiten kennen“, sagt Inge Müller. „Wie mein Mann für mich da war, als ich erkrankte, das hat mir gezeigt, dass er der Richtige ist. Ich habe es nie bereut, dass ich Ja gesagt habe.“ 

Den Valentinstag feiern die beiden nicht besonders. Sie machen eben jeden Tag ein bisschen zum Tag der Liebenden.

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