Am MCG wird per IServ unterrichtet

Homeschooling - zwei Bönener Gymnasiasten berichten von ihren Erfahrungen

Schule daheim: So sieht gerade der Unterricht für Hannah Witte, Sprecherin der 9b am Bönener MCG aus.
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Schule daheim: So sieht gerade der Unterricht für Hannah Witte, Sprecherin der 9b am Bönener MCG, aus.

Raus aus dem Bett, ran an den Schreibtisch. Der Schulweg ist in Zeiten der Daheimbeschulung mit wenigen Schritten erledigt. Aber was passiert dann?

Bönen – „Es fühlt sich einsam an“, sagt Joost Grobe. Die eigenen vier Wände hält der 18-Jährige auf der Zielgeraden zum Abitur nicht für den besten Ort, sich all das Wissen und die Herangehensweisen für die Prüfungen im April und Mai anzueignen. Unter normalen Umständen würde all das in seinen Kursen von Schülern und Lehrern gemeinsam erarbeitet, bis es nach Ostern in die Vorbereitung ohne Unterricht geht. Aber seit Montag gibt’s ja nur Schule daheim.

Zwei Beispiele aus Bönens Gymnasium

„Und das erfordert viel Selbstdisziplin. Man muss sich viel mehr allein erarbeiten und kommt an Punkte, an denen man erst einmal nicht mehr weiter weiß.“ Der 18-Jährige ist einer der um die 70 angehenden Abiturienten des Marie-Curie-Gymnasiums und Teil des Schülersprechertrios. Wir haben ihn und Hannah Witte, Klassensprecherin der 9 b, mal gefragt, wie es denn so läuft mit dem „Homeschooling“.

„Am Montag war IServ komplett tot“, berichtet der Nordbögger, wie die flächendeckende Überlastung dieser weit verbreiteten Schulplattform auch das MCG ereilte. „Aber wir haben das ja nicht zum ersten Mal gemacht und sind auf andere Technik umgestiegen.“

Nach Extra-Ferien noch nicht im Schulmodus

Nur: „Nach drei Wochen zuhause ist man nicht wirklich im Schulmodus“, räumt Joost Grobe ein, dass es im Homeschooling zumindest einen Begleiter gibt, der es nicht leichter macht: den inneren Schweinehund. „Man ist halt zuhause. Welcher 17- oder 18-Jährige macht schon immer seine Hausaufgaben?“ Da ist viel Ablenkung in Reichweite. „Wenn man sowieso in der Schule ist, kann man auch lernen“, beschreibt er den Unterschied.

Aber: Langschläfer haben keine Chance, sozusagen unterm Radar liegen zu bleiben, wie Hannah Witte erzählt. Auch daheim läute um 7.45 Uhr die Schulglocke. Etwa, wenn Erdkunde auf dem Stundenplan der Neuner steht: „Wir müssen uns zu 7.45 Uhr in der Konferenz per IServ anmelden und bekommen vom Lehrer Aufgaben, die bis 8.25 Uhr fertig sein müssen.“

Der Server: Nach der Begrüßung Kameras aus

Die 14-Jährige aus der Mittelstufe kann sich mit den Verhältnissen ganz gut arrangieren und hat den Eindruck, dass sich die Mitschüler gegenseitig gut helfen. Bei fünf Videokonferenzen pro Woche stehen sie gemeinsam mit Lehrern in Kontakt. Mit dem Sehen und Diskutieren ist es dabei jedoch schwierig: „Der Lehrer begrüßt uns, dann machen wir die Kamera aus, um den Server nicht zu überlasten. Während des Unterrichts sind meist auch die Mikros aus.“

Dann sind technisches und didaktisches Geschick der Lehrkräfte gefragt. Die einen lassen PDF-Präsentationen laufen, andere halten Ausdrucke in die Kamera und benutzen das Whiteboard, die elektronische Tafel. „Es klappt relativ gut. Wir können die Lehrer jederzeit etwas fragen, per E-Mail oder Klassenmessenger“, sagt Hannah Witte weiter. Was zu erledigen ist, kommt ins Aufgabenmodul der Plattform.

Aber macht das noch Spaß? Und macht da noch wer Quatsch oder was Live-Unterricht noch so ausmacht? „Bis zu einer gewissen Grenze macht es schon Spaß. Aber die Atmosphäre ist eine ganze andere. Und untereinander reden wir in den Konferenzen nicht“, antwortet sie.

Nebenbei Whatsapp kann hilfreich sein

Aber für den Quatsch gibt’s ja noch Whatsapp – da muss nicht mal mehr heimlich unterm Tisch gedaddelt werden. „Ich habe das Handy schon manchmal neben dem Computer“, räumt die Jugendliche ein. Aber das hat auch sein Gutes. „Da fragt schon mal wer, wenn er etwas nicht verstanden hat. Und wenn die Internetverbindung ausfällt, wird derjenige dann angerufen, damit er in der Konferenz mithören kann.“

Drei Mal pro Woche sieht Joost Grobe nun Mitschüler und Lehrer auf dem Bildschirm. Da findet dann der vermisste Austausch statt. Ansonsten gebe es meist Wochenaufgaben, mal mit Abgabeaufforderung und -frist, mal ohne. „Das hängt ganz vom Lehrer ab.“

Sorge ums Abi schwingt irgendwie mit

Machen sich die jungen Leute in der Stufe Q II Sorgen um ihr Abitur? „Sorgen gibt es schon, aber nicht erst jetzt“, antwortet Joost Grobe. „Im Grunde läuft es ja schon ein Jahr anders. Man macht sich Gedanken, wenn so einiges wegfällt.“ Immerhin: In Kürze sollen die Schüler erfahren, wo sie auf dem Weg zum Abi stehen. Die Klausuren können in der Schule abgeholt werden, „wir bekommen die Vorzensuren“.

Dass der Infektionsschutz Opfer verlangt, leuchtet Joost Grobe ein. Und die vorherige Alternative in der Schule hat ihn auch nicht überzeugt. „Da hat der Lehrer den Kurs in drei Gruppen und Räumen aufgeteilt und parallel im Wechsel unterrichtet. Wir hatten zwischen den Aufgaben viel Wartezeit.“

Am liebsten voller Unterricht per Video

Wenn sich der 18-Jährige unter den aktuellen Umständen etwas wünschen dürfte, dann dieses: „Wenn wir nach Stundenplan den sämtlichen Unterricht per Videokonferenz abhalten würden. Fast alle haben die nötigen Geräte, nur mit dem Internet ist es in Bönen so eine Sache.“ Das wäre sicher aufwendig, so der Abiturient in spe, „aber es geht ja nicht darum, wer im Homeoffice viel oder wenig arbeitet, sondern darum, dass wir etwas lernen.“

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