Fragen zur Inzidenz-Berechnung

Corona im Kreis Unna: Verwirrung um unterschiedliche Zahlen

Es gibt Verwirrung um die Corona-Zahlen im Kreis Unna. Sie weichen zum Teil stark voneinander ab. Das hat Gründe.

Kreis Unna - Ist das Ergebnis der Laboruntersuchung positiv, hat sich der Untersuchte nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Und so fließt der Betroffene dann auch in die Corona-Statistik ein – als aktuell Infizierter. Entsprechend müssten die Angaben, die der Kreis Unna, das Landeszentrum Gesundheit NRW (LZG) und das Robert-Koch-Institut (RKI) jeden Tag dazu veröffentlicht, eindeutig sein. Sind sie aber nicht. (News zum Coronavirus)

Kreis Unna
Bevölkerungca. 390.000
KreisstadtUnna
Fläche542,6 Quadratkilometer

Coronavirus im Kreis Unna: Verwirrung um unterschiedliche Zahlen

Je mehr Menschen sich mit dem Coronavirus infizieren, desto höher steigt die Zahl derjenigen, die schwer daran erkranken. Und womöglich auch daran sterben. Deshalb ist es wichtig, zu verfolgen, wie sich die Pandemie entwickelt und mit welchen Mitteln Infektionsketten unterbrochen werden können. Ein Anhaltspunkt dafür ist der Sieben-Tage-Inzidenzwert, oder auch kurz: die Inzidenz. km2

Sie gibt an, wie viele Menschen sich in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Inzwischen legen Bund und Länder diesen Wert zugrunde, wenn es darum geht, Schutzmaßnahmen zu lockern oder zu verschärfen. Besonders streng sind die Verordnungen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200.

Corona im Kreis Unna: Verwirrung um unterschiedliche Zahlen

Diesen kritischen Wert überschreitet der Kreis Unna seit Wochen regelmäßig – nach eigenen Angaben. Wenn es nämlich nach dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG) beziehungsweise dem Robert-Koch-Institut (RKI) geht, dann liegt er meistens deutlich darunter.

So meldete das LZG etwa am Dienstag, 1. Dezember, auf seiner Internetseite einen Inzidenzwert von 133,7, der Kreis Unna rechnete dagegen mit 225,6. Die Zahl der aktuell Infizierten gab der Kreis an diesem Tag mit 202 an, das LZG mit 80. Der Unterschied ist gravierend. Maßgeblich für das Land, mit dem der Kreis die Schutzverordnungen abstimmen muss, ist der Wert, den das LZG und das RKI ausweisen. Und demnach lag der Kreis Unna in den vergangenen Wochen oft unter dieser Schwelle.

Corona im Kreis Unna: Befund wird vom Labor gemeldet

Wie es zu dieser Differenz in den Corona-Zahlen kommt, erklärt Kreissprecher Volker Meier damit, dass der Kreis Unna den Inzidenzwert auf Grundlage der veröffentlichen, tagesaktuellen Zahlen berechnet. „Maßgeblich ist dafür das Eingangsdatum des positiven Laborbefundes“, so Meier. Den bekommt das Gesundheitsamt direkt vom beauftragten Labor. Die täglich gemeldete Anzahl der Neuinfektionen beinhalte dabei in der Regel alle Fälle, die am Vortag nach Dienstschluss und am Tag der Veröffentlichung bis 16 Uhr beim Kreis Unna eingegangen sein.

Unter anderem der Hausarzt Dr. Christoph Middeldorf testet die Bönener auf das Corona-Virus. Die Infizierten fließen dann in die Statistiken ein.

„Da die hier gemeldeten Neuinfektionen jedoch erst an das Landeszentrum Gesundheit NRW übermittelt werden können, wenn bestimmte, zusätzlich zum Laborbefund zu erhebende oder noch zu ermittelnde Informationen zum Fall vorliegen – zum Beispiel Erkrankungsbeginn, Symptomatik, etwaige Zuordnung zu einem überregionalen Herd/Cluster – kann es zu Differenzen bei der Anzahl der gemeldeten Fälle und somit zur Sieben-Tage-Inzidenz kommen“, erklärt Meier. Und das könne unter Umständen sogar über einen Zeitraum von mehreren Tagen der Fall sein. „Unsere Zahlen sind aber richtig. Danach treten wir mit den Leuten in Kontakt“, berichtet er. Alle Betroffenen zu erreichen und die Informationen zu sammeln – das dauere eine Zeit. „Wir erreichen ja nicht alle immer sofort“, gibt der Kreissprecher zu bedenken.

Corona im Kreis Unna: LZG nennt Meldeverzug als Hauptgrund

Das erklärt zwar zumindest, warum sich die Corona-Zahlen nur zeitverzögert annähern. Dass der RKI-Wert jedoch über mehrere Wochen am ersten Veröffentlichungstag deutlich niedriger liegt als der des Kreises Unna, bleibt allerdings nicht zufriedenstellend. „Das lässt sich nur mit dem Meldeverzug erklären“, sagt jedoch auch eine Sprecherin des LZG zur Ursache. Sobald der Kreis Unna die Zahlen nachmeldet, würden diese in der Statistik des LZG und des RKI aktualisiert. Es könnten zudem durchaus Fehler passieren, beispielsweise, dass in den Gesundheitsämtern ein Tastendruck vergessen werde, sodass die Zahlen verspätet einlaufen.

Im Verlauf des Novembers weichen die Zahlen von Kreis und Landeszentrum immer wieder ab. Am Ende trennen die Durchschnitte der Sieben-Tage-Inzidenz aber nur ein Wert von etwa 0,5 (206,1 Kreis zu 205,6 LZG), wobei der LZG-Wert zu Beginn des Monats deutlich höher war, sodass hier noch Neuinfektionen aus dem Oktober mithineinspielten. Neue Fälle hat der Kreis 3498 im Monat veröffentlicht, das LGZ 3066 gemeldet.

Das LZG gibt auf seiner Internetseite bei der Zahl der aktuell mit Corona infizierten Personen einen Schätzwert an, der nach einem vom RKI vorgegebenen Algorithmus ermittelt wird. Berücksichtigt werden dabei Parameter wie Krankheitssymptome, Zeitverläufe und Weiteres. Diese Berechnung werde bei allen Kommunen des Landes vorgenommen, sodass sich die Zahlen besser vergleichen und einordnen ließen.

„Im Zuge der Ermittlungen zu den Meldungen kommt es routinemäßig zu Änderungen, beispielsweise Ergänzungen oder nachträgliche Übermittlungen, die im Infektionsbericht für die Vortage und -wochen berücksichtigt werden. Somit ändern sich auch die Werte für die Vortage und -wochen bei jeder Aktualisierung“, heißt es auf der Internetseite des LZG dazu. „Nicht immer könnten alle Informationen ermittelt werden, sodass einige Fälle unvollständig bleiben und für bestimmte Auswertungen nicht berücksichtigt werden können.“

Geringe Abweichungen im Monatsvergleich

Unter wissenschaftlichen und statistischen Aspekten seien die vom LZG und RKI veröffentlichten Werte somit umfassender und aussagekräftiger als die des Kreises Unna, sagt Volker Meier. „Sie spiegeln aber durch die Rückrechnung beziehungsweise nachträgliche Erfassung eben nicht das tagesaktuelle Infektionsgeschehen im Kreis Unna wider.“ Letztendlich sei es aber nicht so entscheidend, wann die Welle aufschlägt. „Es bleiben positiv getestete Menschen.“ Im Monatsvergleich seien zudem nur geringe Abweichungen messbar, gibt Meier an. Im November hätten die Unterschiede durch die Nachmeldungen im Tagesdurchschnitt bei gerade mal 0,6 Fällen gelegen.

Um mit der gebotenen Eile auf die Entwicklung der Corona-Pandemie reagieren zu können, bringt diese „Nachberechnung“ wenig. „Die Entscheidung über die Verordnungen liegt aber nicht beim Kreis“, sagt Volker Meier. „Wir werden kreisweit keine mehr erlassen. Das passiert mindestens auf Landesebene“, erklärt der Behördensprecher. Noch im Oktober hatte der Kreis nämlich den steigenden Inzidenzwerten eigene Maßnahmen, etwa das Verbot von Kontaktsport, entgegengesetzt. Solche „Alleingänge“ soll es nicht mehr geben.

Rubriklistenbild: © © Andreas Rother

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