Neuer Investor lässt Mängel beseitigen

Arbeiten am Pflegezentrum am Bönener Ortseingang kommen voran

Künftiges Pflegezentrum am Ortseingang West: Investor Carestone lässt Mängel beseitigen
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In und an dem noch im Bau befindlichen Gebäude müssen etliche Mängel beseitigt werden.

Bönen – Zwei Jahre Baustopp haben ihre Spuren hinterlassen. Dort, wo ab dem nächsten Jahr Senioren wohnen sollen, zieren derzeit noch Graffiti die Wände: hier eine Liebesbotschaft, da etwas Fensterartiges, dazu zahlreiche Tags, die Kürzel der Sprayer. Doch um diese „Kunst“ kümmert sich in dem Gebäude an der Heinrich-Wieschhoff-Straße, das bald ein prächtiges Alten- und Pflegezentrum sein soll, niemand. Es gibt schließlich genug zu tun, um die Bausünden der Vergangenheit zu beseitigen und ein voll funktionsfähiges Haus zu erstellen.

„Schlecht war es lang genug, jetzt gucken wir, dass es gut wird“, sagt Projektleiter Sascha von Hof. Im Frühjahr hat der neue Investor, die Carestone Group GmbH aus Garbsen, die Arbeit aufgenommen. Anfangs waren die Mieter der benachbarten Seniorenwohnungen erstaunt, dass sich wirklich etwas tat auf dem Gelände, berichtet von Hof von ersten Begegnungen vor Ort. Zu sehr ist die Baustelle auf dem Gelände der ehemaligen Goetheschule, deren Planungsentwurf bereits im Jahr 2011 vorgestellt wurde, von Pleiten, Pech und Pannen durchzogen. Carestone setzt auch deswegen beim wohl finalen Akt auf Transparenz. „Wir erhoffen uns, dass gesehen wird, dass Geld in die Hand genommen wird“, sagt von Hof.

Als Erstes unternahm der neue Investor eine gründliche Bestandsaufnahme seines Gebäudes mit einer Grundfläche von etwas mehr als 1300 Quadratmetern. Immerhin: Das Vertrauen in die Bausubstanz ist vorhanden, ein Abriss stand daher nicht zur Debatte. Doch zahlreiche Mängel traten zutage, die vor der Übernahme von der Finanz- und Immobiliengesellschaft Conreal nicht entdeckt worden waren. So wurden beispielsweise die Leitungen unter den Sohlplatten auf ihre Dichtigkeit überprüft und mit einer Kamera abgefahren, um eventuelle Lecks zu entdecken. Zweimal wurden die Experten fündig, weswegen im Keller und im Erdgeschoss die Bodenplatte aufgeschnitten werden musste.

Alle Gewerke werden überprüft

Und auch außen lief nicht alles rund. So musste die große Trafostation versetzt werden, weil sie 70 Zentimeter auf Gemeindegebiet gebaut worden war. Eine kleine, unkomplizierte Grundstückerweiterung war allerdings nicht möglich, da an der Seite der Heinrich-Wieschhoff-Straße Parkbuchten vorgesehen sind. Deshalb wurde der Koloss wieder ausgebuddelt, am Mittwochmorgen rückte ein großer Kranwagen an und versetzte den Trafo.

Von Hof und sein Bauleiter Dirk Steuber unterziehen den Bau einer Generalinspektion. Elektroinstallation, Heizung und Sanitär, Grundleitungen, Lüftung, Aufzüge – alles wurde überprüft. „Danach wird entschieden, das darf bleiben, das muss weg, und das muss repariert werden“, sagt er. So werden gerade Kabelkanäle gezogen und neue Stränge verlegt. „Wir machen die Leitungen alle einmal neu, denn da kommen wir später nicht wieder ran“, wollen von Hof und Steuber ordentliche Arbeit abliefern. „Wir stehen ja auch in der Verpflichtung mit unseren langjährigen Partnern. Da hilft nur Transparenz.“ Von den späteren Käufern und Mietern ganz zu schweigen.

Die Probleme durch den langen Leerstand hat das an vielen Stellen undichte Dach weiter verschlimmert. So sind Wasserschäden im Inneren und an der Fassade entstanden. „Es hat hier jahrelang reingeregnet“, sagt Steuber. Damit ist nun aber Schluss. Nachdem der ganze Kies schon von oben runtergepumpt wurde, begann vor zehn Tagen der Dachdecker mit seiner Arbeit. Auch für ihn gilt: Keine halben Sachen machen. „Die Dachabdeckung kommt komplett runter und wird neu gemacht“, sagt Steuber. Im Dezember soll ebenso der Fassade zu Leibe gerückt werden. Ob es dabei bei dem derzeitigen Gelb bleibe, sei laut von Hof noch offen.

Wegen der Nässe im Gebäude haben Trockenbauwände in den 84 Zimmern gelitten, in dem die Senioren wohnen sollen. Auch dort waren die Arbeiter zunächst damit beschäftigt, alles rauszureißen, ehe sie mit dem derzeit laufenden Wiederaufbau begannen. Die auf dem Boden offen liegenden Dämmungen der Leitungen werden erst kurz bevor in ein paar Wochen der Estrich gelegt wird, erneuert. Nach und nach arbeiten sich die Gewerke durchs Haus.

Große Zimmer mit eigenen Bädern

Im Hof soll das große Loch bald verschwinden, das längst mit Wasser vollgelaufen ist. Dort kommt der Fettabscheider sowie eine Hebeanlage für die Großküche im Keller hin. Einen Fettabscheider hatten die Vorgänger auch schon in die Tiefe befördert, da der allerdings aus Plastik gewesen sei, wäre er nicht dicht gewesen und musste wieder raus, erläutert Steuber.

Wenn alles fertig ist, werden im 900 Quadratmeter großen Untergeschoss neben der Küche auch die Sozialräume für die Mitarbeiter sowie Technik- und Lagerräume zu finden sein. Darüber sind in vier Etagen Wohnungen angelegt. Die Zimmer selbst sind alle relativ gleich, 16 beziehungsweise 20 Quadratmeter groß, und verfügen über ein eigenes Bad. Zusätzlich sollen großzügige und lichtdurchflutete Aufenthaltsräume den Bewohnern das Leben schön machen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der vergangenen Monate bestand nach Marketingleiter Stefan Schlichting darin, die notwendigen baurechtlichen Standards zu schaffen. Insbesondere betraf das Brand- und Arbeitsschutz sowie die Flucht- und Rettungswegsituation. Sogar ein Nachtrag zur Baugenehmigung wäre nötig geworden und sei mittlerweile genehmigt worden.

Das Ganze war aufwendig und hat mehr Zeit gekostet als geplant, dennoch hoffen sie bei Carestone im selbst gesteckten Zeitplan zu bleiben. Der sieht eine Fertigstellung für das späte Frühjahr 2021 vor. Im März soll bei günstiger Witterung im Außenbereich mit der Zuwegung und dem Anlegen von Grünflächen begonnen werden.

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