Interreligiöser Arbeitskreis Bönen eröffnet Raum der Stille

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An der Wand sind die wichtigsten Gebete der Religionen zu lesen. Den Raum der Stille eröffneten Dieter Hinkmann (von links), Matthias Bruders, Christine Bicker und Idris Dogan.

Bönen/Unna - Ein Raum der Stille soll ein Ort der Ruhe, des Gebets und des Austauschs sein. Er lädt ein zum Innehalten und ist offen für Menschen jeder Religion.

Einen solchen Raum gibt es jetzt im katholischen Katharinen-Hospital in Unna. Er ist das neueste Projekt des Interreligiösen Arbeitskreises Bönen. Mit dem Prinzip der Öffnung, der Toleranz und der Spiritualität entspricht die Einrichtung dem Kerngedanken, dem sich der Arbeitskreis verschrieben hat.

Die Gruppe hat ihren Ursprung und Platz in Bönen. Ausgangspunkt für die Gründung war die Fortsetzung der Inhalte des Leitmotivs, das den Aktionstag „Bönen für Toleranz und Demokratie“ prägte, der 2011 stattfand. Als symbolträchtiges Motto für das erste Gebet der Religionen stand Artikel eins des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.

Seit der Gründung finden im Sechs-Wochen-Rhythmus Arbeitssitzungen jeweils im Wechsel bei den verschiedenen Gemeinden statt, um den Gedankenaustausch zu vertiefen und gleichzeitig neue Ideen zu gewinnen.

Daraus hat sich eine rege Tätigkeit im Arbeitskreis entwickelt. In erster Linie sind es Aktionstage und die Teilnahme an verschiedenen Festen im Jahresverlauf, die den Kalender der Glaubensgemeinschaften bestimmen. So bieten beispielsweise das Laubhüttenfest der jüdischen Gemeinde, das Opferfest der Muslime und das Fronleichnamsfest der Katholiken Möglichkeiten der Kontaktaufnahme.

2013 besuchte der Arbeitskreis den Bundestag und nahm an einer Führung durch die Neue Synagoge in Berlin teil. Ein Jahr später ging es für die Mitglieder zu einer Exkursion in das ehemalige KZ Bergen-Belsen. Ein Erlebnis, das im Januar 2015 auch Eingang fand in die Gestaltung der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, das im Förderturm stattfand.

Gebet der Religionen soll aufrütteln

Im Zentrum der Arbeit steht jedoch das Gebet der Religionen. Dazu lädt die Gruppe alle zwei Jahre an verschiedenen Plätzen in der Gemeinde ein. Mit der Aktion soll durch Schwerpunktthemen aufgerüttelt werden. Stichwort des ersten Jahres war die Menschenwürde. 2013 wurde das Thema Gerechtigkeit mit großem Einsatz Bönener Mitwirkender vorgestellt. Neben zwei Schülern der muslimischen Gemeinde waren die Streicherklasse des Marie-Curie-Gymnasiums mit Regine Overbeck und Judith Prange dabei sowie der Gospelchor mit Jens-Reinhard Wagenblaß.

„Respekt“ war das dritte Thema, an dem sich neben dem Chor der jüdischen Gemeinde die Band und der Chor der Jugendkirche Hamm sowie Regine Overbeck und Heike Jochem mit den Schülern vom Marie-Curie-Gymnasium beteiligten. Auch für diesen Herbst gibt es bereits erste Überlegungen, um den eigentlichen Kern „Frieden und Dialog“ voranzubringen.

Schlicht gestalteter Raum für Gebete

Jetzt freuen sich die Verantwortlichen über das gelungene Projekt des Raumes der Stille. Er befindet sich gleich links hinter der Cafeteria des Krankenhauses. Der Raum ist schlicht gestaltet. Bibel, Koran und Tanach liegen für Lesungen und Gebete bereit sowie auch Gebetsteppiche. Auf drei Wandtafeln stehen die großen Gebete der Religionen: das Vaterunser, das Höre Israel und das Al Fatih, die erste Sure im Koran. Auch im evangelischen Krankenhaus Unna soll ein solcher Raum eingerichtet werden.

Der Arbeitskreis

Die Gruppe setzt sich zusammen aus Vertretern der evangelischen, katholischen, jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften. Repräsentanten für Bönen sind Pfarrer Thomas Melloh und Diakon Ulrich Kamp von der evangelischen Kirchengemeinde. Diakon Adam Sulich vertritt mit Dieter Hinkmann und Burghard Geckert die katholische Seite. Für die jüdische Gemeinde Hakochaw für den Kreis Unna steht Alexandra Khariakova. Idris Dogan ist der muslimische Vertreter der Ditib-Gemeinde Bönen.

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