Schon seit 20 Jahren 

Dank Café Mausklick: Senioren erobern das Internet

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Willy Bennemann, Karl Löbbe und Gisela Grunnenberg zeigen, wie gemeinsames Lernen im Internet funktionieren kann.

Eine alte Frau die Online-Games auf dem Smartphone spielt und ein Opa, der durch sich die Weiten des Internet wühlt. Was zunächst seltsam klingt, ist für das Café Mausklick der erklärte Auftrag.

Bönen – Senioren und Internet stellen heutzutage keine Gegensätze mehr dar, sondern bilden eine selbstverständliche Kombination in der Lebenswirklichkeit. Surfen, Mailen, Chatten, Skypen – alles Begriffe, mit denen Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter ebenso umgehen können wie ihre jüngeren Zeitgenossen.

Wie früher mit dem Briefeschreiben oder dem Anruf mit dem Wählscheibentelefon, eventuell mit gesticktem Schutzmäntelchen. Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Prozess liefert seit 20 Jahren das Internetcafé der Gemeinde Bönen für Senioren. Seit dem 27. September 1999 hat es sein Domizil in der ehemaligen Hausmeisterwohnung neben der Gemeindebücherei in der Lessingstraße.

An zwei Vormittagen und an einem Nachmittag treffen sich hier Männer und Frauen, um an den Rechnern ihre Vorhaben umzusetzen, die Kenntnisse zu erweitern, sich von Experten Tipps geben zu lassen oder bei einer Tasse Kaffee und gelegentlich einem Stück Kuchen zu fachsimpeln und zu klönen. Zum zwanzigjährigen Bestehen traf sich die inzwischen größer gewordene Internetcafé-Gemeinde jetzt zu einem gemeinsamen Frühstück in der Gaststätte Dörnemann.

Projekt reift in 80er- und 90er-Jahren 

Verantwortlich für dieses erfolgreiche Projekt sind Schüler mit ihren Lehrern Friedhelm Hermanni und Detlef Trost von der Humboldt-Realschule in Bönen. Schon seit 1984 von der Arbeit mit Computern infiziert, entwickelten sich an der Schule Jahr für Jahr neue Aufgaben an immer moderneren Rechnern in speziell eingerichteten Computer- und Informatikräumen. Hierbei wurden sie auf die sogenannten „Netd@ys“ aufmerksam, einer Kampagne zur Steigerung der Medienkompetenz an Schulen.

Dieses Projekt wurde 1997 unter der Schirmherrschaft des damaligen Ministerpräsidenten NRW, Johannes Rau, ins Leben gerufen. Ausgerichtet wurde es vom ECMC, dem Europäischen Zentrum für Medienkompetenz in Marl. Dabei waren folgende Bedingungen zu erfüllen: Es musste ein freies Thema aus dem Bereich Neue Medien gewählt werden. Aus dem öffentlichen Leben oder aus der Wirtschaft waren Partner zu suchen, die das Projekt und die Teilnehmer unterstützten. Das Ergebnis musste als Dokumentation ins Internet gestellt werden.

Nach zwei früheren erfolgreichen Starts in den Jahren 1997 und 1998 kam die Informatik-Arbeitsgemeinschaft 1999 auf die Idee, für Bönener Senioren ein Internetcafé einzurichten. Schneller gesagt als getan. Mit so mancher Überstunde hatte man wohl eher nicht gerechnet. Die ersten Arbeiten in Kurzform: Räumlichkeiten suchen und finden, Mobiliar, Rechner und Monitore besorgen, öffentliche und private Sponsoren gewinnen wie auch interessierte Senioren, über das Projekt informieren und so manches mehr.

Bereits 2009 wurde das zehnjährige Bestehen groß gefeiert.

Von ISDN bis zur Erfolgseröffnung

In einer konzertierten Aktion mit der Gemeinde Bönen, Annemarie Berg von der VHS Kamen-Bönen, der Volksbank Bönen und anderen wurden mit der Hausmeisterwohnung und dem Mobiliar vom Secondhandmarkt der Awo ansprechende Lösungen gefunden. Hard- und Software kamen zusammen, zum Teil noch in mühevoller Kleinarbeit aus diversen Computerteilen zusammengeschraubt. Der ISDN-Anschluss stand: Man konnte mit den grundlegenden Aufgaben anfangen.

Ende September begann man neben der weiteren technischen Einrichtung des Cafés mit der Schulung der ersten sieben Senioren. Jeder bekam einen Schüler an die Seite gestellt, der mit Aufgaben und Tipps die ersten Arbeitsschritte einleitete. Bald schon konnten erste Erfolge beim Surfen, Mailen oder Chatten verzeichnet werden, das weltweite Netz stand zur Verfügung. Es klappte besser als gedacht. Montags hatten die Schüler mit ihrer Unterrichtsarbeit begonnen.

Bereits freitags war großer offizieller Eröffnungstag. Bei Kaffee und Kuchen wurde der Erfolg gefeiert. Am 1. Oktober 1999 um 12 Uhr eröffnete der damalige Bürgermeister Rainer Esskuchen im Beisein von Vertretern der beteiligten Sponsoren das Internetcafé. Ein fruchtbares generationsübergreifendes Projekt in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit war auf die weltweite Reise gegangen.

Das Team vom Café Mausklick kam zur Geburtstagsfeier in der Gaststätte Dörnemann zusammen.

Grunenberg: "Ich denke gerne an diese Zeit zurück"

Davon konnten sich auch die „Netd@ys“-Partner ein Bild machen und belohnten das Projekt mit einem 1000-Mark- Geldpreis, zu wenig für die großartige Idee und die damit verbundene Arbeit, wie es damals hieß. Denn mit der Eröffnung des Cafés war die Arbeit längst nicht beendet. Der Schülerbeitrag musste dokumentiert werden, um anschließend bei der entscheidenden Präsentation mit Ministerpräsident NRW Wolfgang Clement in Düsseldorf vorgestellt werden zu können.

Die Arbeit mit den Schülern wurde noch eine Zeit lang fortgesetzt. Gisela Grunenberg, damals die Jüngste in der Runde, erinnert sich: „Ich denke gerne an diese Zeit zurück. Wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Lernen, eigentlich einem gegenseitigen Lernprozess. Noch heute bewundere ich das unglaubliche Engagement der Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern, die gemeinsam oft bis in die Abendstunden gearbeitet haben.“

Noch lange Zeit danach schaute immer mal einer vorbei, um sich über den Leistungsfortschritt der Seniorenschüler zu informieren. Dank der Unterstützung durch die Gemeinde Bönen und das Land NRW verbesserte sich auch nach und nach die technische Ausstattung wie die räumliche Situation. Vielleicht ist das Jubiläum ein Anreiz für weitere Interessierte, sich den Café-Betrieb einmal genauer anzusehen.

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