Üben, reden, Spaß haben: Zu Gast bei einer Bönener Lernpatin

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Die Lernpaten unterstützen Schüler der Bönener Grundschulen.

Bönen - Wenn Grundschüler im Unterricht nicht mehr mitkommen, helfen die Lernpaten der Bildungsinitiative Bönen. WA-Reporterin Sabine Pinger hat Inge Thomas bei einer ihrer Nachhilfestunden besucht.

Deutsch ist nicht unbedingt Leons (Name geändert) Lieblingsfach. Mit der Grammatik steht er auf Kriegsfuß, die Rechtschreibung klappt mäßig. „Lesen kann er inzwischen aber ganz gut“, lobt Inge Thomas. Einmal pro Woche übt sie mit dem Viertklässler das, was ihm gerade Probleme bereitet oder im Unterricht ansteht. 

Inge Thomas übt mit ihrem Schüler Grammatik.

Seit eineinhalb Jahren ist der Zehnjährige „Patenkind“ der Lernpatin der Bildungsinitiative Bönen. In dieser Zeit hat Leon ordentlich Fortschritte gemacht. Immer noch fällt es ihm aber schwer, sich durchgehend zu konzentrieren. Jetzt spielt er zum Beispiel mit dem Radiergummi. Inge Thomas holt den Jungen zurück auf das Arbeitsblatt. „Das Haus steht im Park“, steht da. „Das mit einem oder mit zwei s?“, fragt die Bönenerin. „Mit einem s“, weiß der Grundschüler sicher. „Das ist der Artikel zu einem Haus“, kann er seine Entscheidung prompt richtig begründen. Dafür gibt es ein dickes Lob. 

„Von mir bekommt er immer sofort eine Rückmeldung. Das gibt ihm Sicherheit für den nächsten Satz. In der Klasse ist das natürlich nicht möglich“, nennt Inge Thomas einen großen Vorteil der Eins-zu-eins-Betreuung. Dafür wird Leon eine Schulstunde lang aus dem regulären Unterricht genommen und übt mit ihr in einem kleinen, ruhigen Besprechungsraum in der Hellwegschule. 

Enge Absprache mit den Lehrern

„Ich hole ihn aus der Klasse ab, dann habe ich direkt Kontakt zu seiner Lehrerin“, erklärt die Lernpatin. Von den Pädagogen erfährt sie jeweils, wo gerade der Schuh drückt oder was Thema im Unterricht ist. „Er darf aber auch Wünsche äußern. Manchmal möchte er beispielsweise lieber Mathe machen.“ 

Heute geht es aber um das Das, ein beliebter Fallstrick der deutschen Sprache. „Deutsch ist mir immer leicht gefallen. Aber wenn ich das jetzt durch die Augen meiner Schüler sehe, stelle ich doch fest, wie schwer die Sprache ist“, erzählt die ehemalige Kauffrau. 

Leon sieht das offenbar genauso. „Melanie fand das Buch, dass sie schon lange gesucht hat.“ Er setzt die fehlenden Wörter richtig in den Lückentext ein, erklären, warum er sich für die jeweilige Schreibweise entschieden hat, kann er aber nicht. Also erklärt Inge Thomas ihm geduldig noch einmal die Regeln. „Ist das klar?“ 

Die Chemie muss stimmen

Der Viertklässler zuckt mit den Schultern. Die nächsten Sätze klappen aber schon ganz gut. Dann jedoch lässt Leons Konzentration merklich nach. Er braucht eine Pause. „Was macht eigentlich euer Garagenbau“, reagiert seine „Patin“ einfühlsam auf den kleinen Durchhänger. Eben hat der Junge ganz leise gesprochen, jetzt wird er lebhaft und erzählt begeistert von dem neuen Auto der Familie. „Er erzählt immer gerne, manchmal muss ich ihn bremsen“, berichtet Inge Thomas und lacht. 

Das Zuhören, mal über Freunde, die Familie, über Hobbys oder auch über Sorgen zu reden, gehört für sie dazu. Ihr ist es wichtig, dass sich die Kinder mit ihr wohlfühlen. Zwischen der Bönenerin und ihrem Zögling stimmt die Chemie. Deswegen darf sie auch nachdrücklicher werden. „Je öfter man es wiederholt, umso besser bleibt es im Kopf“, lässt sie den Einwand „Den Satz hatten wir schon“, nun zum Beispiel nicht gelten. Die drei Arbeitsblätter, die Leons Klassenlehrerin ihnen mit auf den Weg gegeben hat, werden durchgearbeitet. Und das schafft Leon. 

Betreuung an den Grundschulen

Am Ende der Stunde sitzen die Grammatikregeln einigermaßen. „In den Ferien solltest du weiter üben, jeden Tag zehn Minuten“, rät Inge Thomas dem Zehnjährigen. Der guckt zwar wenig begeistert, erzählt aber noch breitwillig, welche Bücher er gerne liest. Na also! Lesen wird ihm beim Deutschlernen sicher helfen. Die letzten Minuten verbringen die beiden damit, sich über die bevorstehenden Osterferien zu unterhalten. Leon fährt mit seiner Familie für eine Woche in den Urlaub. „Und danach sehen wir uns wieder und ich frage dich nach dem Das“, kündigt die Bönenerin an. Die Schulglocke klingelt. Leon hat es nicht so eilig. 

Er verabschiedet sich in Ruhe von seiner Patin. Erst danach läuft er aus dem Raum. „Er bleibt leider nicht mehr lange bei uns. Im Sommer wechselt er die Schule“, sagt die Ehrenamtlerin. Gerne würde sie noch weiter mit dem Jungen arbeiten, doch die Lernpaten betreuen ausschließlich Grundschüler an den beiden Bönener Schulen. Inge Thomas, die Vorsitzende des Vereins ist, hat inzwischen drei Kinder unter ihrer Obhut. Angefangen, Mädchen und Jungen beim Lernen zu helfen, hat sie vor sechs Jahren. 

„Irgendwann habe ich mal einen Flyer von der Bildungsinitative in die Hand bekommen. Noch im Gehen habe ich ihn gelesen und gedacht, dass das genau das ist, was ich machen will, wenn ich in Altersteilzeit bin.“ Eineinhalb Jahre später war es soweit. „Ich freue mich, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Und ich möchte das so lange wie möglich weiter machen“, sagt sie. 

Das hoffen auch die Lehrer der betreuten Kinder. Sie sind begeistert vom Engagement der Lernpatin und ihrer Mitstreiter im Verein sowie vom Erfolg, den sie bei ihren Schülern feststellen. „Wir bekommen viel Lob und Dank“, erzählt Inge Thomas. Für sie ist es aber noch wichtiger, zu sehen, dass ihre Schützlinge Fortschritte machen und gerne zu ihr in die Übungsstunde kommen.

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