Serie: Aktiv bei der Bönener Feuerwehr

Inga-Maj Ploeger rief die Sirene zum Ehrenamt

Seit August 2020 gehört die 24-jährige Inga-Maj Ploeger zur Bönener Feuerwehr
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Inga-Maj Ploeger kam erst im August vergangenen Jahres zur Bönener Feuerwehr. Ihre Motivation ist, anderen helfen und Leben retten zu wollen.

Ein super Arbeitsklima, Aufstiegschancen, flexible Arbeitszeiten und kostenlose Arbeitskleidung: Die Freiwillige Feuerwehr Bönen wirbt auf ihrer Internetseite um Verstärkung und freut sich über jeden, der mit einsteigen möchte. Zugegeben, ein Gehalt gibt es für den Job nicht, dafür aber Unbezahlbares wie Zusammenhalt und das gute Gefühl Sinnvolles zu leisten. In dieser Serie erzählen einige Bönener, warum Mitglied bei der Feuerwehr sind.

Ob es der berühmte Zaunpfahl oder gar das Schicksal war, irgendetwas hat auf jeden Fall gewunken. Und zwar so deutlich, dass Inga-Maj Ploeger es nicht ignorieren konnte. „Ich habe im vergangenen Jahr mein Abitur nachgemacht. Nach den Prüfungen habe ich im Garten gelegen und darüber nachgedacht, dass ich jetzt eine neue Aufgabe brauche. In diesem Augenblick gingen die Sirenen“, erzählt die 24-Jährige. „Das war wohl ein Zeichen.“

Feuerwehr? Warum nicht?, dachte sich die junge Bönenerin in diesem Augenblick. Helfen liegt schließlich in ihrer Natur. Schon als Kind hat sie sich gerne um Tiere gekümmert, später gehörte sie zum Kindergottesdienst-Team der Evangelischen Kirchengemeinde und an der Humboldt-Realschule zu den Schulsanitätern. Nach dem Schulabschluss absolvierte die Bönenerin eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten und wollte nach dem Abitur nun Tiermedizin studieren. Da sie aufgrund der Corona-Pandemie einige Prüfungen aber nicht ablegen konnte, wurde sie für das Studium vorerst nicht zugelassen. Ein Plan B musste her, und Leben zu retten erscheint Inga-Maj Ploeger nach wie vor am sinnvollsten. Also: Feuerwehr!

Grundlehrgang bereitet auf den Dienst vor

Viel zu tun hatte sie mit den Rettungskräften in der Gemeinde bis dahin nicht. Aber sie kennt Timo Rinkewitz, Sprecher der Bönener Löschzüge und seit seiner Jugend aktives Mitglied, und wusste um sein Engagement. „Ich habe ihn angerufen, und er hat mich zum nächsten Dienstabend eingeladen“, erinnert sich Inga-Maj Ploeger.

Kurz darauf besuchte sie bereits den Grundlehrgang, der die Ehrenamtlichen auf ihren Dienst vorbereitet. Zwölf Wochenenden am Stück – freitags, samstags und sonntags – lernte, übte und arbeitete sie, bis sie fit für den ersten Einsatz war.

Verstärkung gesucht

Die Freiwillige Feuerwehr Bönen sucht Verstärkung. Angesprochen fühlen können sich teamfähige und flexible Frauen und Männer ab 18 Jahren für die Einsatzabteilung sowie Mädchen und Jungen ab zehn Jahren für die Jugendfeuerwehr. Interessierte können sich auf der Internetseite www.feuerwehr-boenen.de oder bei der Gemeindeverwaltung bei Anja Rüschenbaum, Telefonnummer 93 32 42, informieren. Aktiv sind bei der Bönener Feuerwehr zurzeit rund 120 Mitglieder bis 69 Jahre. Sie treffen sich alle 14 Tage dienstags um 19.30 Uhr im Gerätehaus an der Poilstraße (Löschzug 2) und in der Feuerwache Nordbögge (Löschzug 1). Wer in den aktiven Dienst eintreten möchte, muss zunächst einen viermoduligen Grundlehrgang absolvieren. Hinzu kommen weitere Fortbildungen, wie zum Beispiel der Atemschutzlehrgang.

Der führte sie zu einem schweren Unfall auf die Autobahn 2, die Leitstelle meldete eine eingeklemmte Person. Das kann unter Umständen ein schockierender Anblick und ganz bestimmte eine belastende Situation für die Helfer bedeuten. Doch die frisch ausgebildete Feuerwehrfrau hat sich darüber wenig Gedanken gemacht, wie sie sagt. „Wenn der Melder geht, rennt man einfach los und sieht zu, aufs Auto zu kommen“, so die 24-Jährige.

Erst im Fahrzeug fange das Nachdenken an. „Hoffentlich wird es nicht so schlimm“, ging es ihr etwa damals durch den Kopf. Angst, im Einsatz Fehler zu machen, hatte sie aber nicht. „Es sind immer erfahrene Leute und der Einsatzleiter dabei“, sagt Inga-Maj Ploeger. Das gebe Sicherheit. Und mit Notfallsituationen war sie durch ihre Ausbildung bereits vertraut, wenn es dort eher um schwer verletzte Tiere und nicht um Menschen ging. „Es laufen dann Muster ab“, hat die Bönenerin festgestellt. Und so war es dann auch bei ihrem ersten Einsatz für die Bönener Wehr.

Jeder Einsatz ist anders

An ihrem Ehrenamt schätzt sie vor allem die Abwechslung: Jeder Einsatz ist anders, immer wieder müssen sich die Retter auf etwas Neues einstellen. „Man lernt dabei unheimlich viel – auch über sich selbst“, so die Feuerwehrfrau. „Man lernt zum Beispiel seine Grenzen kennen und wie man darüber hinauswächst.“

Ihr Umfeld hat durchweg positiv auf ihre Entscheidung, zur Feuerwehr zu gehen, reagiert. Ihr Freund habe zum Beispiel volles Verständnis für ihr Engagement. „Er ist Notfallsanitäter und kennt das natürlich alles“, sagt Inga-Maj Ploeger. Dass sie für ihr Ehrenamt nachts aufsteht, Familienfeiern sausen lässt oder das gemütliche Sonntagsfrühstück, ist für ihn ebenso selbstverständlich wie für sie. „Nur mein Vater hat sich anfangs etwas Sorgen gemacht“, weiß sie. Immerhin sind nicht alle Einsätze ungefährlich. Feuer, Sturm, Hochwasser – die Frauen und Männer sind etlichen Risiken ausgesetzt. „Bisher hatte ich bei keinem Einsatz Angst. Klar macht man sich schon mal Gedanken, aber ich weiß ja, dass ich die anderen hinter mir habe“, ist sie dankbar für die Sicherheit, die ihr die Kameraden zuverlässig geben.

Ob der Sirenenalarm im August Inga-Maj Ploeger „nur“ ein neues Hobby beschert oder ihrem Leben vielleicht sogar eine ganz neue Richtung geben wird, stellt sich demnächst heraus. Sie hat sich mittlerweile bei allen Berufsfeuerwehren im Umkreis von 50 Kilometern beworben, die eine Stelle ausgeschrieben haben. „Wenn schon denn schon“, sagt die junge Frau selbstbewusst. Den Traum vom Tiermedizinstudium hat sie abgeschrieben. „Das dauert sehr lange, und ich will jetzt helfen. Die Feuerwehr macht das möglich.“

Fit für die Berufsfeuerwehr

Eine Voraussetzung für den Dienst ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die hat sie – und dazu den festen Willen, gleichfalls alle anderen Anforderungen zu erfüllen. Trotz ihrer zierlichen Statur hat sie im Auswahlverfahren bei der Berufsfeuerwehr beim Sporttest bewiesen, wozu sie fähig ist. 40 Kilogramm Ausrüstung musste die mit 1,63 Meter eher kleine Person vier Stockwerke hoch schleppen – und das möglichst nicht im Schneckentempo. Das „Gepäck“ wiegt gerade einmal zehn Kilogramm weniger als Inga-Maj Ploeger. Doch die Feuerwehr kann nun mal bei den körperlichen Voraussetzungen keinen Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Bewerbern machen. Im Ernstfall müssen alle fit sein.

Das gilt genauso bei den freiwilligen Kollegen. „Man darf nicht zimperlich sein“, weiß die Bönenerin. „Aber man bekommt jede Hilfe, die man braucht. Und man muss sich nicht schämen, die in Anspruch zu nehmen“, hat sie in den Bönener Löschzügen gelernt. Dass dort nur eine Handvoll Frauen aktiv sind, stört sie nicht. „Ob Frauen oder Männer macht keinen Unterschied. Alle sind sehr entspannt, und man kann gut zusammenarbeiten“, berichtet sie. Und nicht nur das: „Wir lachen ziemlich viel zusammen.“

Ein paar kleine Unterschiede gibt es natürlich dennoch. So musste die Ausrüstung für Inga-Maj Ploeger zum Beispiel extra bestellt werden: die Einsatzanzüge und Uniformen in Konfektionsgröße 32/34, die Sicherheitsschuhe in Größe 36 und, ganz wichtig, der schützende Helm in passender Größe. Doch selbst wenn ihre Kameraden meist größer und kräftiger sind: In der Not steht Inga-Maj Ploeger ihren Mann. Darauf können sich alle verlassen.

Lesen Sie auch den ersten Teil der Serie: Bei der Bönener Feuerwehr steht Teamarbeit ganz oben

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