VKU schafft nur bei besonderem Bedarf Abhilfe

Volle Schulbusse lassen keinen Abstand zu

Schon beim Einsteigen wird es für die Kinder und Jugendlichen schwierig, Abstand zu halten.
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Schon beim Einsteigen wird es für die Kinder und Jugendlichen schwierig, Abstand zu halten.

Kreis Unna - Die Gefahr, umzufallen, ist gering. Dafür ist es in den meisten Bussen viel zu eng. Dicht an dicht stehen insbesondere zu den Stoßzeiten vor Unterrichtsbeginn Kinder und Jugendliche in den Fahrzeugen, die sie zu ihren Schulen im Kreis bringen. Die Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren, ist da schon deutlich höher, denn Abstand lässt sich in den vollen Bussen kaum einhalten.

Eine kurzfristige Lösung für das Problem kann die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) derzeit nicht anbieten, wie Inga Fransson sagt. „Wir können zwar hier und da nachsteuern, wenn die Busse zu voll sind, aber flächendeckend geht das nicht. Wir haben leider nur eine gewisse Anzahl von Bussen und Fahrern, auf die wir zurückgreifen können“, erklärt die Pressesprecherin der Verkehrsgesellschaft.

Um dem Gedränge zu entgehen und sich nicht einer zusätzlichen Ansteckungsquelle auszusetzen, sind bis zu den Herbstferien viele Schüler mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Doch jetzt, in der dunklen Jahreszeit, wird sich das voraussichtlich ändern und die Zahl der „Busfahrer“ wieder deutlich steigen. Dann wird es noch voller und enger werden in den Fahrzeugen. „Es ist so, dass die Schulbusse in der Regel gut gefüllt sind. Wir müssen gucken, wo ein besonderer Bedarf besteht. Leider können wir nicht alle Busse doppeln“, bedauert Inga Fransson. Zwar gibt das Land derzeit Millionen aus, um zusätzlich Schulbusse in den Verkehr zu bringen, doch kann die VKU diese Mittel nicht beantragen. „Das können nur die Schulträger, also die Kommunen oder der Kreis Unna“, erklärt die Unternehmenssprecherin. Bekommen die eine Zusage, können sie damit die VKU beauftragen, weitere Fahrzeuge auf den Schulwegen einzusetzen.

Gemeinde bittet Land um Hilfe

Für die Schüler aus Bönen und Bergkamen, die in die Nachbarstädte zur Schule pendeln, bedeutet das, dass zum Beispiel die Stadt Unna, Kamen oder der Kreis Unna einen Antrag für die Schulen in der jeweiligen Trägerschaft stellen müsste. Die Stadt Bergkamen selbst hat keinen Antrag gestellt, wie es aus dem Rathaus heißt. Die Gemeinde Bönen ist gerade dabei. „Wir werden einen Antrag stellen“, erklärte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte. Bezahlt werden soll damit ein zweiter Bus auf der Linie 193, der die Schüler mittags nach Unterrichtsschluss vom Schulzentrum nach Wiescherhöfen und Pelkum bringt. In dieser Zeit sei es nämlich immer besonders voll, so Otte. Der zusätzliche Bus ist bereits seit Montag unterwegs. Die Stadt Kamen, in der etwa etliche Bönener die Gesamtschule besuchen, hat bisher auf einen Antrag auf Fördermittel verzichtet. Der sei nämlich an die Vorgabe gekoppelt, dass die Schulen längerfristig über eine Entzerrung der Anfangszeiten nachdenken. „Wir haben den Bedarf an den Schulen abgefragt“, berichtet Stadtsprecher Peter Büttner. Und dabei habe sich herausgestellt, dass die Schulen diese Vorgabe aus organisatorischen Gründen nicht erfüllen könnten.

Die Mitarbeiter im Unnaer Rathaus haben gleichfalls noch kein Hilfegesuch verfasst. „Das Problem sind nicht die fehlenden Busse, sondern die fehlenden Fahrer“, heißt es aus der Kreisstadt. „Und da helfen die Mittel leider nicht“, stellt Stadtsprecher Christoph Überfeld fest.

Einige Linien bereits verstärkt

Der Kreis Unna hat hingegen in Düsseldorf um Unterstützung gebeten, jedoch nicht in seiner Funktion als Schulträger der berufsbildenden Schulen und der Förderschulen. Dafür gebe es nämlich kaum Bedarf: Die Berufsschüler fahren in der Regel mit eigenen Fahrzeugen zur Schule oder nutzen die Bahn. Und zu den Förderschulen werden die Fahrten mit „Schülerspezialverkehren“ arrangiert, die andere Unternehmen übernehmen. „Wir haben aber insgesamt 80 000 Euro zur allgemeinen Verbesserung der Schulbusverkehre beantragt“, erklärt Kreissprecher Max Rolke. Mit dem Geld soll die VKU Verstärkungen der Linien organisieren, die durch die Schulfahrten besonders belastet sind.

Einige Linien der VKU wurden in den vergangenen Monaten hingegen bereits ohne Landesförderung mit zusätzlichen Fahrzeugen ausgestattet, etwa die 186, die um 7.13 Uhr in Kamen-Methler startet und ihre Passagiere bis 7.31 Uhr zum Schulzentrum nach Kamen bringt. „Davon profitieren die Realschule und die Gesamtschule“, berichtet die Unternehmenssprecherin. Auch für die A81, eine Linienfahrt um 7.10 Uhr vom Kamener Bahnhof bis zum Bahnhof in Unna, die von Schülern und Berufspendlern gleichermaßen genutzt wird, wurde mit einem zweiten Fahrzeug entlastet. Doch das sind noch die Ausnahmen. „Momentan ist das so. Wir müssen beweglich bleiben und die Verkehrsspitzen beachten“, erklärt Inga Fransson. Besonders eng werde es am Morgen, da viele Schulen im Kreis gleichzeitig zur ersten Stunde läuten. Am Mittag entzerre sich die Situation durch unterschiedliche Schlusszeiten. Schützen können sich die Fahrgäste gegenseitig nur durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, der ist in den Bussen ohnehin obligatorisch.

Land fördert zusätzliche Buskapazitäten

Seit August unterstützt die nordrhein-westfälische Landesregierung Schulträger und Landschaftsverbände bei der Organisation zusätzlicher Schulbusse. So stellte das Land zunächst befristet bis zu den Herbstferien 13,5 Millionen Euro zur Verfügung, um damit die Buskapazitäten zu erhöhen. Diese Förderung wurde jetzt bis zum Jahresende verlängert. „Es geht darum, die Schüler maximal zu schützen. Mit der Förderung zusätzlicher Schulbusse schaffen wir mehr Platz, sodass alle auf dem Schulweg sicher sind“, sagte Verkehrsminister Hendrik Wüst. Antragsteller können die Kommunen sowohl in ihrer Funktion als Aufgabenträger des ÖPNV als auch als Schulträger sowie als Träger von Ersatzschulen sein. Eine Anfrage beim Verband nordrhein-westfälischer Omnibus-Unternehmen (NWO) zum Start der Förderung hatte ergeben, dass im Land bis zu 1000 zusätzliche Busse zur Verfügung stehen.

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