Impfzentrum in der Kreissporthalle

Impfzentrum entsteht im Eiltempo, doch wann geht es mit dem Impfen los?

Hoffnungstropfen
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Bis Ende des Jahres soll die EU den ersten Impfstoff zulassen. Kurz darauf kann und soll auch mit dem Impfen begonnen werden. Der Kreis Unna bereitet sich darauf unter Hochdruck vor.

Der Kreis Unna bereitet das Impfzentrum vor. Bis zum 15. Dezember soll in der neuen Kreissporthalle an der Platanenallee in Unna alles stehen. Doch wann dort die ersten Menschen gegen Covid-19 immunisiert werden können, ist bislang noch unklar. Alles steht und fällt mit der Zulassung der derzeit in Frage kommenden Stoffe durch die Europäischen Union, deren Produktion und Ankunft im Kreis.

Kreis Unna – Landrat Mario Löhr, Gesundheitsdezernent Uwe Hasche, Josef Merfels (Leiter Gesundheitsamt) und Dr. Prosper Rodewyk, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), stellten in einer Pressekonferenz im Kreishaus die aktuellen Pläne für die anstehende „Mammutaufgabe“, so Merfels vor. Der Westfälische Anzeiger beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wieso die Kreissporthalle?

Laut Gesundheitsdezernent Uwe Hasche waren die Kreissporthallen schon mit dem Abklingen der ersten Welle der favorisierte Standort für ein Corona-Zentrum. Bald darauf wurde das Testzentrum in der alten Halle an der Platanenallee eingerichtet, nun folgt das Impfzentrum in der neuen. Hasche nennt als wesentliche Vorteile, dass „hier die komplette Infrastruktur, die wir brauchen“, vorhanden ist. Die Größe für ausreichend Impfstraßen passe, in der 2018 gebauten Halle sei die Infrastruktur für Telefon und Internet angelegt und könne schnell eingerichtet werden, rund 150 Parkplätze sind auch vorhanden. Dazu gebe es eine gute ÖPNV-Anbindung mit mehreren Bushaltestellen sowie den fußläufig erreichbaren Bahnhöfen in Unna und Königsborn.

Wer organisiert was?

Der Kreis Unna ist für Beschaffung eines geeigneten Standorts, dessen Herstellung und Einrichtung sowie das Personal für die Organisation verantwortlich. Die KVWL kümmert sich um die Durchführung der Impfung und rekrutiert die notwendigen Ärzte sowie das medizinische Fachpersonal. Die Impfungen werden vom Bund beziehungsweise vom Land an die 53 Impfzentren in NRW verteilt.

Die neue Kreissporthalle in Unna wird Impfzentrum und ab dem 15. Dezember einsatzbereit sein.

Wie laufen die Vorbereitungen?

„Der Kampf gegen Corona hat oberste Priorität“, erklärte Löhr gleich zu Beginn der Konferenz und zeigte seine Enttäuschung, dass mit den bisherigen Maßnahmen bei den Neuinfektionen „nicht die Zahlen erreicht wurden, die wir erreichen wollten“. Eine flächendeckende Impfung soll zum Weg aus der Pandemie werden.

Doch es gibt noch einige Hürden zu überspringen. Allen voran muss der Impfstoff zugelassen, hergestellt und an die Impfzentren verteilt sein. Wann das soweit ist, könne niemand sagen, betonen Rodewyk, Hasche, Löhr und Merfels unisono. Das Land nennt als Fertigstellungstermin des Impfzentrums aber den 15. Dezember, das bedeutet für den Kreis zwei Wochen Vorbereitungszeit seit der ersten Telefonkonferenz zum Thema. Am Mittwoch wurde erstmals in der Halle Hand angelegt. „Seit Freitag ist einiges verbindlich geworden“, so Hasche, anderes aber noch ständig im Fluss.

Wann geht es los?

„Wir wissen nicht, wann es losgeht und in welcher Menge die Impfstoffe bereitstehen. Das ist eine der spannendsten Fragen“, erklärt Hasche. Der Kreis hatte gehofft, noch vor Weihnachten beginnen zu können. Doch daraus wird nichts. Der 15. Dezember war zunächst als Datum für eine Zulassung mitgeteilt worden. Jetzt soll spätestens am 29. Dezember entschieden werden. „Drei Tage vorher bekommen wir die Infos“, sagt Hasche. Damit deutet vieles auf einen Start Anfang Januar hin.

Wie geht es los?

Aller Wahrscheinlichkeit nach langsam. Denn zu Beginn werden Impfstoffe nur in kleinen Mengen zur Verfügung stehen. Der Kreis Unna muss sich den Stoff allein in NRW mit 53 Standorten teilen. Da Menschen aus Risikogruppen bevorzugt werden sollen, werden die ersten Impfungen wohl mithilfe der mobilen Impfteams in Pflegeheimen getätigt, weil eben Ältere besonders gefährdet sind. Je nach Verfügbarkeit der Impfstoffe werden nach und nach die fünf Impfstraßen, die aufgebaut werden, dann auch tatsächlich betrieben. „Dann werden wir sukzessive die anderen Bevölkerungsschichten impfen“, sagt Rodewyk.

Wer kommt wann dran?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut hat sechs Kategorien entwickelt. Die Priorisierung verläuft vom hohen Alter (80plus), der Gefahr einer schweren Erkrankung und den relevantesten Berufen abwärts. So erhalten auch die Mitarbeiter in Heimen, Krankenhäusern und Arztpraxen sehr früh Rationen. „Wenn uns die ausfallen, haben wir ein kleines Problem“, sagt Rodewyk. Über Details wird noch diskutiert. Bis Ottonormalbürger an die Reihe kommt, hätten momentan in Deutschland rund 35 Millionen Menschen Vorrang. Zahlen für den Kreis liegen derzeit zwar für die Altersstruktur, aber nicht zu den Risikogruppen und Jobs in den priorisierten Berufen vor.

Gesundheitsdezernent Uwe Hasche erläuterte auf der Pressekonferenz, wie es in der Kreissporthalle aussehen wird.

Wie erhält man einen Impftermin?

Da gesunde, junge Menschen erst später geimpft werden, spielt das derzeit noch keine große Rolle. Menschen aus Risikogruppen und in einem gewissen Alter sollen sich bei ihrem Hausarzt melden, der dann eine Einschätzung und daraufhin eine Art Überweisung vornimmt, mit deren Hilfe sich die Impfwilligen per Telefon beim Kreis oder per App einen Termin geben lassen können.

Wie funktionieren die mobilen Impfteams?

Nach einer gewissen Reihenfolge sollen die Seniorenheime angefahren werden und dort mit dem zuständigen Hausarzt kooperiert werden. Die Heimapotheken wiederum sollen den Impfstoff aus der Platanenallee abholen, da sie mit anderen vorsichtig zu behandelnden Wirkstoffen Erfahrung haben.

Wie läuft eine Impfung im Impfzentrum ab?

Vor Ort gibt es eine Anmeldung mit Temperaturmessung, um eine Infektion auszuschließen. Dabei wird auch kontrolliert, ob die Person tatsächlich geimpft werden darf, damit sich niemand vordrängelt. Aus dem Wartebereich geht es zum Arztgespräch. Das soll drei Minuten dauern und nur für kleine Rückfragen dienen, meint Rodewyk. Sonst könnten die gewünschten Impfzahlen nicht erreicht werden. Damit dass klappt, wünscht er sich eine Aufklärungskampagne, die Unklarheiten im Vorfeld beseitigen soll. Um Nebenwirkungen direkt im Anschluss auszuschließen, gibt es einen Ruheraum. Laut Rodewyk sind aber „so gut wie keine Adhoc-Nebenwirkungen“ bekannt. Deshalb wurde der Beobachtungszeitraum bereits von erst einer halben Stunde auf fünf Minuten wie bei der Grippeimpfung verkürzt. Vor dem Verlassen erhält jeder sofort den zweiten nötigen Impftermin.

Wie lange dauert es, bis alle, die es wollen, geimpft sind?

Das hängt allen voran von den Impfstoffen ab. Der von Biontech/Pfizer muss bei bis minus 70 Grad gekühlt werden und vor Ort schnell verwendet werden. Das bringt erhebliche Probleme bei Transport, Lagerung und Einsatz mit sich. Wenn alle über die Impfstraßen geimpft werden müssten, könnte das laut Rodewyk rund 20 Monate dauern. Er hat allerdings eine andere Hoffnung: Mehr Impfstoffe, die nicht so empfindlich sind und dann auch an Hausärzte verteilt werden können. Dann könne man durchimpfen und die Impfzentren würden überflüssig.

Wer nimmt die Impfungen vor?

Dazu sucht die Kassenärztliche Vereinigung Helfer. 1500 haben sich laut Rodewyk in Westfalen-Lippe bereits gemeldet. „Für die erste Zeit sind wir gut aufgestellt“, ist Rodewyk zuversichtlich. Ärzte im Ruhestand, die bei den Testzentren als Teil der Risikogruppe nicht berücksichtigt worden waren, sind jetzt willkommen. Zum medizinischen Fachpersonal können neben aktuell in Lohn und Brot stehenden Menschen ebenfalls Rentner und Studenten gehören. „Uns haben Menschen angesprochen, die sagen, sie machen zwar jetzt etwas anderes, ‘aber ich habe früher Krankenschwester gelernt’“, so Rodewyk.

Wer trägt die Kosten?

Die Impfung soll für alle umsonst sein. Löhr geht davon aus, dass Bund und Länder die Kosten dafür und für Personal und Logistik übernehmen. „Aber das ist nicht unser Thema, wir haben wichtigere Aufgaben“, sagt er.

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