Mobil wird weiter immunisiert

Der Kreis Unna schließt das Impfzentrum in der Kreissporthalle

Das Impfzentrum in Unna schließt.
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Nach zehn Monaten gehen für Holger Gutzeit vom Kreis Unna, Landrat Mario Löhr, Katja Sträde vom Kreis Unna, Amtsapothekerin Sandra Pflanz, Impfarzt Dr. Jürgen Wentzek und Gesundheitsdezernent Uwe Hasche (von links) bewegte Zeiten zu Ende.

Es musste immer alles ganz schnell gehen. Rund 40 Erlasse und Verordnungen mussten die Verantwortlichen im Impfzentrum des Kreises in den vergangenen zehn Monaten umsetzen, oft blieben ihnen dafür nur wenige Tage Zeit. An einen Acht-Stunden-Tag und freie Wochenenden war für die Mitarbeiter in den „Hochzeiten“ kaum zu denken. Am Ende hat sich das Engagement aber gelohnt: 211 017 Spritzen mit den schützenden Corona-Impfstoffen wurden an der Platanenallee gesetzt, hinzukommen 53 272 Injektionen von mobilen Teams. Die sind vorerst auch weiter im Kreis unterwegs. Das Impfzentrum schließt hingegen am Mittwochabend.

„Wir blicken auf bewegte Zeiten zurück“, stellte Kreisdezernent Uwe Hasche im abschließenden Pressegespräch am Dienstagnachmittag fest. „Wir waren von Anfang an in einer Ausnahmesituation.“

Ende November bekam der Kreis den Auftrag vom Land, ein Impfzentrum einzurichten. Das sollte am 15. Dezember bereit sein – auch wenn sich der Start letztendlich bis in den Februar verzögert hat. Die Kreissporthalle bot sich an, und Holger Gutzeit, Leiter der Zentralen Dienste bei der Kreisverwaltung, setzte sofort alle Hebel in Bewegung. Die Einrichtung musste gemietet, ein Messebauer beauftragt, Hard- und Software installiert werden. „Allein 1,6 Kilometer Kabel wurden dafür verlegt“, schilderte Gutzeit.

Noch schwieriger war es, so schnell genügend Mitarbeiter zu finden. Allein aus dem Kollegenkreis ließ sich das nicht bewerkstelligen. Also wurden neue Mitarbeiter gesucht und mit Zeitverträgen eingestellt. Für einige von ihnen soll es nun auch nach dem Ende des Impfzentrums beim Kreis weitergehen. Ein Sicherheitsdienst wurde zudem für die Ein- und Ausgangskontrolle beauftragt, ein Rettungsdienst für die Nachbetreuung und eine Reinigungsfirma. Die Kassenärztliche Vereinigung kümmerte sich derweil um die medizinischen Fachkräfte, die Apothekenkammer um Experten zur Impfstoffaufbereitung.

Mehr als 300 Mitarbeiter im Einsatz

Mehr als 300 Mitarbeiter waren schließlich im Einsatz. Und für alle war der Dienst belastend, gerade am Anfang. Der Andrang war zunächst enorm, der Impfstoff knapp. „Wir hatten über 100 000 E-Mails zu beantworten. Darin wurden die Sorgen und Nöte der Menschen deutlich, viele individuelle Schicksale“, schilderte Uwe Hasche. „Das werden wir wohl ein Leben lang nicht mehr vergessen.“

Der Kreis musste reagieren. „Wir haben kurzfristig unsere Hotline-Struktur geändert. Anders wäre es nicht mehr zu händeln gewesen“, berichtete Katja Sträde von der Stabstelle des Kreises. Dass schwer Vorerkrankte durchaus eine Berechtigung hatten, zügig geimpft zu werden, stand nicht nur für Sträde außer Frage. „Wir konnten das nachvollziehen, mussten uns aber an die Priorisierung halten“, gab Amtsapothekerin Sandra Pflanz an. Vor allem die Helfer an der Anmeldung hätten einen schweren Job gehabt. Als dann im Juli die Priorisierung weggefallen ist, sei ein enormer Druck von den Mitarbeitern genommen worden.

Impfbilanz des Kreises

Impfungen im Kreis Unna insgesamt: 497 385

- davon im Impfzentrum: 211 017

- durch mobile Teams: 53 272

- in Arztpraxen und Krankenhäusern: 233 096

Eingesetzte Impfstoffe:

- Biontech: 79,59 Prozent, Astrazeneca: 12,89 Prozent, - Moderna: 5,12 Prozent, - Johnson & Johnson: 2,4 Prozent

Personal zu Spitzenzeiten im Impfzentrum (zwei Schichten, sieben Tage pro Woche): bis zu 81 Mitarbeiter pro Schicht

Impfaktionen in den Kommunen: 78 / 28 026 Impfungen

Doch trotz der teils angespannten Situation, habe der Ton immer gepasst, lobte Uwe Hasche. „Gerade die älteren Menschen fühlten sich hier gut betreut.“ Das gelte genauso für die Jugendlichen, die zuletzt zu den Impflingen hinzukamen, hat Dr. Jürgen Wentzek vom ärztlichen Leitungsteam des Impfzentrums beobachtet. „Die Angst vor der Spritze wurde den meisten schon an der Anmeldung genommen.“ Zudem sei das Impfzentrum in Unna eines der ersten gewesen, das für die Immunisierung der jungen Generation Kinderärzte eingesetzt hat. „Das hat zu einer hohen Akzeptanz geführt“, so der Mediziner. Wie dankbar die Menschen den Mitarbeitern und Helfern waren, wurde immer wieder deutlich. „Viele haben Impf- oder Schutzengel mitgebracht und den Mitarbeiter geschenkt, kleine selbst gebastelte Figuren“, erzählte Uwe Hasche.

Alte Kreissporthalle steht Sportlern bald wieder zur Verfügung

Inzwischen ist die Nachfrage deutlich gesunken. Zuletzt kamen immer weniger Menschen in die umgebaute Sporthalle. Impfstoff gab es dort hingegen zum Schluss genügend. Etliche Dosen des Serums von Astrazeneca werden demnächst sogar vernichtet. Der Impfstoff des britischen Herstellers ist aufgrund der wechselnden Empfehlungen zum „Ladenhüter“ geworden. „Für die Rückgabe ans Land ist aber eine Restlaufzeit erforderlich“, erklärte die Apothekerin Sandra Pflanz. Die sei leider nicht mehr gegeben.

„Ich bin froh, dass es so reibungslos gelungen ist, so viele Impfungen zu verabreichen“, bilanzierte Landrat Mario Löhr zum Schluss. „Aber ich bin auch froh, dass wir jetzt einen Schnitt machen können.“ In die Kreissporthalle zieht das Testzentrum des Kreises. Das war bis jetzt in der „alten“ Kreissporthalle eingerichtet, die anschließend den Vereinen und Schulen wieder für den Sport zur Verfügung steht.

Auch nach dem offiziellen Ende des Impfzentrums will der Kreis die Impfkampagne fortführen – mit weiteren Angeboten in den Kommunen sowie mit zwei Impfterminen pro Woche in der Kreissporthalle – zumindest noch im Oktober. „Wir müssen alle noch mal verstärkt für das Impfen werben, damit wir die Pandemie weiter in Schach halten“, so Löhr. „Die Verlaufskurven zeigen deutlich, wie wirksam die Impfung ist. Allein damit müsste man die Impfgegner überzeugen können“, ergänzte Uwe Hasche.

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