Impfstart in Bönen

Eine „Diva“ und viele glückliche Bewohner: Im Awo-Seniorenzentrum wird geimpft

Dr. Burkhard Simonis nahm mit seiner Tochter Sandra die Impfungen der Bewohner im Awo-Seniorenzentrum in Bönen vor.
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Dr. Burkhard Simonis nahm mit seiner Tochter Sandra die Impfungen der Bewohner im Awo-Seniorenzentrum in Bönen vor.

Der Corona-Impfstoff hat nun auch Bönen erreicht. Nachdem seit dem 27. Dezember verschiedene Alten- und Pflegeheime im Kreis Unna versorgt und Bewohner und Mitarbeiter mit dem Wirkstoff der Firma Biontec gespritzt wurden, war am Freitag auch das hiesige Awo-Seniorenheim an der Reihe. „Es hat super geklappt“, bilanzierte Einrichtungsleiter Ralf Degenhardt-Ruhoff den ersten Tag.

Bönen – Weil das Impfen zeitintensiv ist, wird an der Eichholzstraße an zwei Tagen geimpft. Am Freitag waren die rund 80 Bewohner dran, am Samstag sind die etwa 60 Mitarbeiter an der Reihe. Bis in den frühen Abend waren die Verantwortlichen am Spritzen, beim Personal sollte es schneller gehen.

Es ist schließlich nicht mal eben eine Nadel, die in den Arm der Bewohner gesetzt wird. Dahinter steckt in einem Seniorenheim ein hoher organisatorischer Aufwand, an dem sich alle aus dem Awo-Team von der Pflege bis zur Verwaltung beteiligt haben, während der normale Betrieb weiterlief. „Das war eine Riesenarbeit“, sagte Degenhardt-Ruhoff. Die Gruppe suchte die Bewohner von Zimmer zu Zimmer auf, damit diese nicht zu einem Sammelpunkt kommen mussten. Anschließend wurden sie wie vorgeschrieben eine halbe Stunde auf Nebenwirkungen beobachtet. Es habe keine Reaktionen gegeben, teilte Degenhardt-Ruhoff zufrieden mit: „Alle waren begeistert, es tat auch nicht weh.“

Aufbereitung des Impfstoffs erfordert Fingerspitzengefühl

Vielleicht weil die Impfung selbst in Familienhand lag. Dr. Burkhard Simonis mit seiner Tochter Dr. Sandra Simonis waren als Ärzte mit dabei, Stefan Oyen kümmerte sich mit Vater Klaus, beide Apotheker, um die Aufbereitung des Immunstoffs, schulten zudem alle Beteiligten im Umgang damit. „Alle haben super zusammengearbeitet“, lobte Degenhardt-Ruhoff. Stefan Oyen gab das Lob zurück.

Die nach ihrer Herstellung bei -70 Grad zu lagernde Flüssigkeit wurde um 7 Uhr morgens angeliefert, dann aufbereitet, gegen 8 Uhr ging es dann los. „Der Impfstoff ist eine Diva“, meinte Stefan Oyen nach seinen ersten Erfahrungen. Nach dem Auflösen sei er erschütterungsempfindlich. Zu heftige Stöße könnten im schlimmsten Fall die Wirksamkeit beeinträchtigen. „Es ist aber nicht schwierig, wenn man sich vorher damit befasst hat und es ein paar Mal gemacht hat. Man kriegt eine gewisse Routine“, sagte der Apotheker.

Die Apotheker Klaus und Stefan Oyen (von links) bereiteten den sensiblen Impfstoff auf.

Fast immer sei es zudem gelungen, sechs statt der angegeben fünf Dosen aus einem Fläschchen aufzuziehen. „Der Impfstoff ist produktionstechnisch überfüllt“, erklärt Oyen. Für die so gewonnenen zusätzlichen Impfungen seien gute Lösungen gefunden worden. „Wir haben nichts weggeworfen.“

Endlich aktiv werden gegen das Virus

Am Ende des Tages waren alle glücklich. „Es war eine große Freude, jetzt aktiv etwas tun zu können. Es wird jetzt vorangehen“, meinte Oyen. Degenhardt-Ruhoff ergänzte: „Wir sind froh, dass wir jetzt alle die erste Impfung erhalten haben.“ Die Bereitschaft mitzumachen, war im Awo-Seniorenzentrum sehr hoch. Fast alle Bewohner und circa 80 Prozent der Mitarbeiter haben sich für die Impfung entschieden. Aus anderen Einrichtungen war in verschiedenen Medien von deutlich geringeren Quoten zu hören. „Jeder muss das für sich selbst entscheiden“, betont Degenhardt-Ruhoff.

Zurück zur unbeschwerten Normalität von Vor-Corona geht es im Awo-Seniorenzentrum jetzt allerdings nicht sofort. Zuallererst müssen alle ein zweites Mal geimpft werden, um den Schutz auch sicherzustellen. Ende Januar wird das wohl der Fall sein. Außerdem müssen genügend Menschen in der Bevölkerung geimpft sein, was einige Zeit dauern wird. Bis dahin bleiben alle Hygiene-Maßnahmen an der Eichholzstraße bestehen. Auch Besucher müssen bis auf Weiteres Schnelltests durchführen.

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