Impfe statt Event

Ehemalige Bönenerin Leonie Schlee sorgt dafür, dass Bremen geimpft wird

Leonie Schlee vor dem Impfzentrum in den Messehallen der Stadt Bremen
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Leonie Schlee vor dem Impfzentrum in den Messehallen der Stadt Bremen.

Als kleines Mädchen tollte die Bönenerin Leonie Schlee am Schmetterlingsweg herum, inzwischen ist sie eine der wichtigsten Personen in Bremen – jedenfalls seit der Pandemie, denn die 30-Jährige sorgt in der Leitung des Impfzentrums der Hansestadt dafür, dass im kleinsten Bundesland möglichst viele Menschen möglichst schnell zu einer Impfung kommen – und das mit Erfolg.

Bönen/Bremen – Dass Leonie Schlee mal ein Impfzentrum leiten würde, das hat sie sich nicht träumen lassen, wie sie einräumt. Mit ihren Eltern Ute und Helmut Schlee und der drei Jahre älteren Schwester Diana wohnte sie in Bönen am Schmetterlingsweg, bis die Familie 1993 in den Landkreis Cloppenburg zog.

Seit sie zuletzt in der Gemeinde war, sind viele Jahre vergangen. Vor neun Jahren zog sie nach Bremen und begann eine Ausbildung als Veranstaltungskauffrau, die sie 2015 abschloss. Neben dem Job bei der Messe Bremen absolvierte sie noch ein Studium. „Im März 2020 wechselte ich nach nebenan zur ÖVB-Arena, der größten Veranstaltungshalle der Hansestadt, um künftig Konzerte und Sportveranstaltungen zu organisieren.“

Daraus wurde nichts, denn dann kam Corona. „Mein Teamleiter erzählte mir, dass hier das Impfzentrum aufgebaut wird. Da hatte ich sofort den Impuls, dass ich hier gerne mitarbeiten möchte, egal in welcher Position. Ich hätte mich auch in die Anmeldung gesetzt“, erzählt Schlee. Seit dem 25. November gehört sie zum Leitungsteam, das im größten Impfzentrum Deutschlands dafür sorgt, dass Bremen ausreichend mit Impfstoff versorgt wird.

Ganz vorne im Quoten-Ranking

Und das klappt sehr gut, Bremen ist tatsächlich immer unter den ersten drei im Impfquoten-Ranking der Bundesländer. „Ich freu mich immer, wenn ich auf das Impf-Dashboard gucke, dann weiß ich, dass wir einen guten Job machen.“

Aktuell mindestens einmal geimpft sind 69,3 Prozent der Bevölkerung, bereits die zweite Impfung haben 54,6 Prozent. In der Quote sind die bis 15-Jährigen enthalten. Das sind noch mal rund 100 000 von insgesamt 680 000 Einwohnern, da wir erst ab 16 Jahren impfen“, erläutert Schlee nicht ohne Stolz. „Wenn man die rausrechnet, ist die Quote eigentlich noch mal höher.“

„Ich wusste nicht, dass man so viel arbeiten kann“, sagt Leonie Schlee, aber sie und ihre Kollegen im Impfzentrum Bremen wissen, wofür sie die vielen Überstunden machen.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Dahinter steckt jede Menge Arbeit und unzählige Überstunden. „Meine persönlichen Grenzen sind durch die Herausforderungen, die der Job mit sich bringt, noch einmal erweitert worden. Die jahrelange Doppelbelastung durch mein Studium neben dem Job war nichts, verglichen mit der Arbei im Impfzentrum. Ich dachte immer, mich kann so schnell nichts umhauen, und jetzt gilt das um so mehr.“ In der Weihnachtswoche habe sie 86 Stunden gearbeitet, auch an den Feiertagen. „Ich wusste nicht, dass man so viel arbeiten kann, aber wir mussten schnell reagieren, weil sich ständig etwas änderte.“ Nach Hause kam sie zeitweise nur noch zum Schlafen.

Für den Erfolg macht sie agiles Projektmanagement verantwortlich. Auf gut deutsch, nicht nach Schema F handeln, sondern größtmögliche Flexibilität zeigen. „So oft hatten wir morgens alles besprochen und dann im Laufe des Tages fünfmal alles wieder umgeworfen, weil wieder eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) dazwischen kam.“

Astrazeneca beispielsweise war erst für unter 60-Jährige empfohlen, dann nach Komplikationen erst mal vom Markt genommen. „Da hieß es von jetzt auf gleich, Spritze weglegen und abbrechen, umplanen und andere Impfstoffe besorgen.“ Oder etwa vor drei Wochen, als die Stiko Kreuzimpfungen aus unterschiedlichen Vakzinen empfahl: „Wir mussten blitzschnell reagieren, umplanen, Impfstoff beschaffen, Absprachen treffen mit den Hilfsorganisationen, das Call-Center entlasten, das von den viele Anrufen überrollt wurde.“

Je früher jemand geimpft ist, um so besser

Aber die Motivation, diesen Job zu machen, sei hoch. „Man weiß, wofür man das macht“, sagt sie. „Je früher jemand geimpft ist, desto besser. Das kann Menschenleben retten. Zu verhindern, dass ein Mensch in dieser Woche hätte geimpft werden können, aber erst in der nächsten Woche einen Termin hat, und in dieser Zeit andere ansteckt, die lebensgefährlich erkranken – das ist der Antrieb, so schnell wie möglich auf neue Situationen zu reagieren.“

„Vor sechs Wochen waren wir noch knapp mit Impfstoff und haben darüber beraten, wie kriegen wir alle Menschen, die das wollen, geimpft. Vor drei Wochen hatte sich die Situation plötzlich umgekehrt. Wir hatten ganz viel Impfstoff, der zu den Menschen musste“, erzählt Schlee. Deshalb wird nun nicht nur im Impfzentrum geimpft, sondern die Spritze gegen das Covid-Virus kommt auch durch mobile Teams zu den Menschen.

Glücklicherweise sei die Zahl derer, die angemeldet sind und dann nicht zum Termin erscheinen – ein Problem mit dem viele Impfzentren zu kämpfen haben – vergleichsweise gering mit unter einem Prozent in Bremen.

Dankbar für die Chance, diesen Job machen zu können

Inzwischen gibt es Überlegungen, die Impfzentren zu schließen, gleichzeitig ist die Rede von der dritten Impfung. Ob die demnächst ausschließlich von Hausärzten und mobilen Teams übernommen wird, hänge von der Empfehlung der Stiko ab – und damit auch, wie es bei Leonie Schlee beruflich weiter geht. Sie würde sich freuen, endlich mal ein großes Konzert zu organisieren in der ÖVB-Arena, neben der sich momentan in den Messehallen noch alles um Impfungen dreht.

Wie auch immer die Dinge sich für die ehemalige Bönenerin entwickeln: „Ich bin dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, diese wichtige Aufgabe zu übernehmen und mitzuhelfen, die Pandemie einzudämmen“, sagt sie. „Ich habe in dieser Zeit so viel dazu gelernt, so viele Menschen kennen gelernt, die alle an einem Strang ziehen.“

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