Population nimmt zu

Immer mehr Waschbären in Bönen:  Jäger und Vogelschützer schlagen Alarm

+
Eigentlich ganz harmlos und sogar niedlich sehen die Waschbären aus. Aber die Allesfresser können zum Problem für Mensch und Tier werden, wenn sie sich zu stark ausbreiten.

Waschbären entwickeln sich in Bönen zunehmend zum Problem. Ihre Population wächst rasant. Jäger und Vogelschützer sind besorgt.

Bönen – Die schwarze Maske im Gesicht ist sein Markenzeichen. Mit seinem wachen Verstand und den feingliedrigen Händchen wirkt der Waschbär wie ein niedlicher Schurke auf vier Beinen. Auch auf Bönens Social-Media-Kanälen sorgen Bilder des kleinen Raubtiers für breites Entzücken, seit der Waschbär in der Gemeinde heimisch geworden ist. Doch die ersten Sichtungen könnten die Ruhe vor dem Sturm sein. Jäger und Vogelschützer warnen eindringlich vor einer drohenden Invasion. Natürliche Feinde hat der Waschbär nämlich nicht.

Zuletzt 150 Tier getötet

Reinhard Middendorf ist der erste Vorsitzende der Kreisjägerschaft und auch für Bönen Ansprechpartner bei Problemen mit Wildtieren. Für ihn ist der Waschbär in mehrfacher Hinsicht eine echte Herausforderung, denn er gefährdet seltene Tierarten und wird deshalb bejagt. Im vergangenen Jahr wurden auf Bönener Gebiet 150 Waschbären getötet, entweder im Straßenverkehr oder durch Abschuss. „Bönen ist der Schwerpunkt,“ sagt Middendorf.

In diesem Jahr wird die Zahl der Abschüsse noch deutlich höher liegen, ist sich der Fachmann sicher. Da Waschbären schwer zu erlegen sind, werden sie meist in gesonderte Fallen gelockt. Der Abschuss erfolgt dann in der Falle.

Innerhalb der befriedeten Bezirke dürfen Jäger allerdings nicht eingreifen. Dabei gehen zunehmend Meldungen von Bürgern ein, denn die possierlichen Beutegreifer machen auch vor Häusern nicht halt, angelockt von Essensresten auf Kompostern oder von Futterstellen für wilde Katzen. „Waschbären klettern die Dachrinnen rauf“, weiß Middendorf. Auch nahstehende Bäume helfen ihnen auf die Häuser. Oben angekommen finden sie eine Lücke oder schieben einfach Ziegel beiseite. 

„Bei Hausbesuch Jagdbehörde einschalten“

„Wenn Waschbären auf dem Dachboden ihre Jungen zur Welt bringen, gibt es massivste Probleme“, beobachtet Middendorf und berichtet von erheblichem Gestank und Fraßschäden im Haus. Immerhin, angriffslustig sind Waschbären nicht. „Die sind eher langsam und weichen Menschen aus“. Wer einen Waschbären in der Garage entdeckt, sollte ihn aber nicht bedrängen, sondern die Tür offen stehen lassen und weggehen, damit das Tier den Weg ins Freie laufen kann. Middendorf rät Bönener Bürgern, sich vom Dachdecker und dem Kreisjagdverband beraten zu lassen. Ist der Waschbär bereits auf dem Dachboden, kann über ein Antragsverfahren bei der Unteren Jagdbehörde ein Jäger hinzugezogen werden.

Auch Bernhard Glüer macht sich Sorgen. Der Mit-Autor des Naturreports „Vögel im Kreis Unna“ richtet seinen Blick schon aus Gewohnheit in Bönens Baumwipfel und entdeckt dort auch Waschbären, die den Vogelbestand gefährden. Nistkästen erachtet er als sinnvollen Schutz vieler Vögel, auch wenn das den Bodenbrütern nicht hilft. „Der Betreuungsaufwand ist außerdem hoch“, kann er aus Erfahrung sagen.

Gefahr für die Vogelwelt

„Waschbären können mit ihren menschenähnlichen Fingern in die Nistkästen greifen und Eier und Jungvögel herausholen. Das ist aber noch nicht alles: „Der Waschbär schläft hoch in den Bäumen und besetzt dort Brutplätze, die Eulen und Käuze brauchen. Gerne klettert er auch auf Vogelhorste von Greifvögeln.“

Störempfindliche Vögel suchen dann das Weite. Dass der Waschbär wenig wählerisch bei der Futterauswahl ist, stellt Naturschützer zusätzlich vor unlösbare Aufgaben, denn er gefährdet Amphibien aus dem Wasser oder angelt Fische aus Gartenteichen.

Die Eindämmung der Waschbären hält Bernhard Glüer für notwendig, aber schwierig. Der „Ausverkauf der Natur muss gestoppt werden“, lautet seine Überzeugung. Mehr Flächen würden empfindliche Populationen stabilisieren. „Dann könnten wir die Verluste durch Waschbären auch verschmerzen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare