Bönener Lehrer zufrieden

Immer mehr Nichtschwimmer? So ist die Situation an den Bönener Schulen 

+
Immer weniger Schüler können sich ohne Hilfsmittel über Wasser halten, auch weil immer mehr Schwimmbäder schließen müssen. In Bönen ist die Situation nicht so gravierend.

Bönen - Viele Schwimmbäder rentieren sich nicht und machen dicht. Kommunen und Gemeinden fehlt das Geld. Kinder haben dann oft keine Möglichkeit schwimmen zu lernen. In Bönen mussten in der Vergangenheit mehrere Bäder schließen. 

Wenn gespart werden muss, sind Schwimmbäder häufig zuerst dran. Die Gemeinde Bönen hat damit weniger Probleme. Schließlich wurde 2010 ein neues Hallenbad eröffnet. In der Schwimmhalle an der neuen Goetheschule lernen seitdem viele Kinder das Schwimmen. Doch nicht bei allen Schülern klappt das reibungslos. 

Das Bad der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen (GSW) soll besonders die Schwimmenhallen ersetzen, die in den letzten Jahren wegfielen. Zunächst musste 2008 die Goetheschule auf ihre alte Halle verzichten. Das Schwimmbecken im Bönener Westen wurde im August 1966 eingeweiht und entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Mit dem Umzug der Goetheschule gab man 2008 die Halle endgültig auf. 

Auch die Hellwegschule hat seit 2009 keine eigene Schulschwimmhalle mehr. Für den Schwimmunterricht nutzen die Schüler nun auch das Bad der GSW. Nicht nur die Grundschulen mussten ihre Ansprüche zurückschrauben. 

Die damals größte Schwimmhalle am Schulzentrum funktionierte die Gemeinde um. Die Halle an der Realschule fungiert als Reserve für die Unterbringung von Flüchtlingen. Seit 2010 müssen auch Realschüler und Gymnasiasten zur Goetheschule pendeln.

Schulklassen ziehen regelmäßig zur Goetheschule

An staatlichen Schulen ist der Schwimmunterricht im Lehrplan vorgeschrieben. Daher wird auch an allen Bönener Schulen Schwimmunterricht gegeben. An den beiden Grundschulen müssen sich viele Kinder das erste Mal alleine über Wasser halten. Die Hellwegschule setzt deshalb auf einen differenzierten Schwimmunterricht und teilt die Schüler je nach Vorkenntnissen in verschiedene Gruppen ein. 

„In der zweiten und vierten Klasse beginnt bei uns der Schwimmunterricht. Wir achten besonders im ersten Jahr auf die bereits vorhandenen Fähigkeiten der Schüler“, erklärt Sportlehrerin Britta Bartmann. Die Kinder werden der Stärke nach in vier verschiedene Gruppen eingeteilt. Die Fähigkeiten der Kinder sind ganz unterschiedlich verteilt. Von Nichtschwimmern bis hin zu Kindern, die bereits das Bronzeabzeichen erlangt haben. 

Eine klare Tendenz kann Bartmann nicht erkennen: „Die Zahlen der Nichtschwimmer schwanken stark. In diesem Jahr können 20 Schüler noch nicht schwimmen. Die übrigen 60 hingegen schon“, sagt Bartmann. Das Ziel des Unterrichts ist klar: „Wir wollen jedes Kind schwimmend in die weiterführende Schule bringen.“ 

Deutliche Unterschiede bei Jugendlichen

An den weiterführenden Schulen stellen die Lehrer allerdings fest, dass es trotzdem noch einige Nichtschwimmer gibt. „Die Zahlen nehmen zu, das merkt man. Häufig sind es auch ausländische Kinder, die noch nicht schwimmen können“, sagt Ralf Würzhofen. Der Sportlehrer der Pestalozzischule hat auch eine Vermutung, womit das zusammenhängen könnte: „In manchen Ländern hat das Schwimmen keinen hohen Stellenwert.“ 

Auf der Realschule ergibt sich eine ähnliche Situation. Sportlehrer Remigius Hollon findet die aktuelle Lage jedoch nicht so gravierend: „Der Großteil der Schüler kann schwimmen. Es ist trotzdem auffällig, dass es manche noch nicht gelernt haben, obwohl es überlebenswichtig sein kann.“ 

Insgesamt können sich die Bönener Schulen glücklich schätzen. Die GSW-Schwimmhalle ist für alle Schüler noch zu Fuß erreichbar. Das ist nicht selbstverständlich. In einigen Kommunen fehlt das Geld für eine eigene Schwimmhalle. Schulen müssen im schlimmsten Fall in Bädern unterrichten, die mehrere Kilometer entfernt sind. 

Der Schwimmunterricht kann auch an einem Mangel von Lehrkräften scheitern. „Lehrer müssen immer einen aktuellen Schwimmschein haben“, erklärt Ralf Würzhofer. Er nennt auch noch einen weiteren Grund, weshalb die Bönener Schulen nur in den unteren Jahrgangsstufen Schwimmunterricht anbieten. 

„Die Hallenbelegung könnte auch eine Rolle spielen“, meint Würzhofer. Denn alle fünf Bönener Schulen nutzen die Schwimmhalle der GSW. Lutz Kathöfer, Sportlehrer des Marie-Curie-Gymnasiums, nimmt die Situation anders wahr: „Wir haben keine Probleme mit der Hallenbelegung. Unser Unterricht findet planmäßig statt.“

 Das Gymnasium will einen abwechslungsreichen Schwimmunterricht anbieten. Probleme mit Schülern, die nicht schwimmen können, gebe es fast gar nicht: „Die Schüler, die nicht schwimmen können, sind Einzelfälle. Sowas kommt bei uns wirklich sehr selten vor. Da sind wir wohl ein Glücksfall.“ Die Gemeinde erklärt auf Anfrage, dass die Kapazitäten der Schwimmhalle ausreichend seien. Das gelte für Schulklassen und für Sportvereine.

Vereine sind auch aktiv 

Auch bei den Sportvereinen können sich Nichtschwimmer anmelden. So bietet der Träger der Halle Schwimmkurse an. Die GSW vermittelt hierbei die Grundlagen der Schwimmtechnik und das sichere Brustschwimmen. Der TUS Bönen und der DLRG vermitteln die gleichen Inhalte. Bei beiden Vereinen haben fortgeschrittene Schwimmer noch andere Möglichkeiten. Sie können die Prüfung für ein Schwimmabzeichen ablegen. 

Dazu raten auch die Bönener Sportlehrer. So würden manche, die bereits die Seepferdchen-Prüfung bestanden haben, denken, dass sie sichere Schwimmer seien. Alle befragten Lehrer waren aber der Meinung: 

„Das Seepferdchen ist der Beleg, dass man sich für sehr kurze Zeit über dem Wasser halten kann. Wer sicher schwimmen will, sollte sich um ein Schwimmabzeichen bemühen.“

Weniger als die Hälfte machen ein Abzeichen

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Außerdem bemängelt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), dass nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen besitzen. Das sind Abzeichen wie Bronze, Silber und Gold. Das Seepferdchen gehört nicht dazu.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare