Fußgängerzone, Bahnhofstraße, Radstation

Im Wahlkampf unterwegs: Fünf Stationen in Bönen mit Bürgermeisterkandidat Thomas Semmelmann

Thomas Semmelmann, Lastenfahrrad, Bernd Kröger
+
Das (Lasten-)Rad ist sein Markenzeichen, klar, dass der NRW-Chef des ADFC hier trampelt. Wunschkulisse: das Grün in der Mitte. Zusammen mit WA-Redakteur Bernd Kröger war Thomas Semmelmann auf Tour

Am 13. September möchte Thomas Semmelmann zum Bürgermeister von Bönen gewählt werden. Was er in der Gemeinde ändern möchte, wenn er gewählt wird, erzählte er während einer Radtour mit WA-Redakteur Bernd Kröger

Bönen - Bürgermeisterwahl, das heißt in Bönen Entweder-oder: Amtsinhaber Stephan Rotering (parteilos) will nach fünf Jahren als erster Rathauschef ohne SPD-Nadel am Revers weiter machen, Herausforderer Thomas Semmelmann (SPD) wieder mit sozialdemokratischer Handschrift regieren. Wer steht für welche Ideen und Themen? Das skizzieren die Wahlkämpfer hier mit einer selbst gewählten Tour durch Bönen. Heute nun Thomas Semmelmann.

Was sehen die Wahlkämpfer, wenn sie heute aus ihrer Perspektive auf die Gemeinde schauen, was sähen sie gern morgen in ihrer Ägide entstehen? Wir haben die Kandidaten gebeten, auf einer Tour durch Bönen an fünf selbst gewählten Stationen ihre Standpunkte und Vorhaben zu erläutern. Die Wahl des Starts, des Vehikels und die Route war ihnen ebenfalls überlassen. Beide entschieden sich fürs Rad, damit endet aber auch die Übereinstimmung. Hier das Protokoll der zweiten Tour.

Station 1: Mehr Leben in die Mitte

Na gut, ich warte. Verlockender als der Plausch mit dem Reporter ist für Thomas Semmelmann der drahtige Mischlingshund mit Verband an der rechten Hinterpfote. „Darf er was haben?“, wendet er sich am Gemeindeteich an die Frau am anderen Ende der Leine und hat die Hand schon in der Hosentasche. Immer parat: Hundeleckerli.

Semmelmann ist gut vorbereitet für die Begegnung auf der Straße. So kommt der Hundefreund („Ich hatte mehrere, auch eine Dogge.“) über die Vierbeiner mit den Zweibeinern ins Gespräch. „Taco“ darf, kaut und mag das Kraulen; er scheint überzeugt. „Schade, dass er nicht wählen darf“, scherzt der Wahlkämpfer. Aber der Halterin genügt’s, dass der sich um „Taco“ kümmert. Ein Foto? Na ja, aber nur ohne Frauchen. Sie muss ja auch los.

Zur Person

Thomas Semmelmann ist Jahrgang 1961, geboren und aufgewachsen in Lünen, politisch engagiert (16 Jahre Ratsherr) und mit der Ehefrau zuhause in Bergkamen. Der Diplom-Verwaltungswirt ist für die Stadt Herne in Umwelt- und Planungsdingen tätig, hat einst Industriekaufmann gelernt und in zehn Jahren als Zeitsoldat in Unna Organisationswesen. Er ist NRW-Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs.

Also, um was geht’s hier? Der Markt, die „Fuzo“ (Fußgängerzone) sind erste Themen. Das beschäftigt Bönen schon: Der Mittwochsmarkt ist nur noch dürftig beschickt, samstags läuft es etwas besser. Aber die Attraktivität leidet, auch im Geschäftsbesatz der Fuzo.

Daher wollte die Verwaltung den Markt an die Deutsche Marktgilde geben, Kosten sparen und zugleich Zugkraft mit dem gewinnen, was die Gilde zum Angebot beisteuert. Das liegt auf Eis, die SPD-Fraktion hat den WFG-Citymanager als Kümmerer ins Gespräch gebracht.

Semmelmann will mehr Marketing leisten: „Das Kind braucht einen Namen, etwa ,Markt am Teich‘. An den Ortseingängen müsste es Werbung geben.“ Selbst in nächster Nähe werde das Angebot nicht sichtbar – vom großen Parkplatz in der Mitte durch den Rewe/Edeka-Bau abgeschirmt: „Auch da gehört für mich ein Hinweis auf den Markt hin.“

Und in die Fuzo mehr Leben: Feste, Weihnachtsmarkt, Blumenmarkt – auch zum Nutzen der Einzelhändler und als Rezept gegen Leerstände. „Dazu neue Bänke und Fahrradbügel statt dieser Felgenkiller“, sagt der Fahrrad-Fex mit Blick auf die alten Stellplätze fürs Rad.

Station 2: Wohnbau neu denken

Apropos Rad: Das Vehikel leistet Semmelmann erkennbar gute Dienste. Nicht nur, weil der „Kofferraum“ Platz für Wahlwerbung bietet. Das E-Bike fällt auf, der Wiedererkennungseffekt ist groß. Fußgänger winken manchmal, Radler klingeln. „Ach, Semmelmann!“ Da ist schon etwas hängen geblieben. Zumal der Kandidat selbst nicht lautlos anrollt. Vor unübersichtlichen Stellen klingelt der Lastenradler. So ist er zu hören, ehe Sichtkontakt besteht; mit der langen Nase des Gefährts ist das kniffelig.

Den Anstoß für eine nachhaltige Baukultur möchte der Kandidat am Rehbusch geben.

Wir halten am Rehbusch. Aber Sport ist nicht das Thema, es geht um die Taktik, mit der Bönen hier punkten will, wenn die SpVg künftig am Zechenturm kickt: Wohnungsbau. „Das muss nachhaltig passieren“, sagt der 58-Jährige, der so etwas beruflich begleitet. „Wie sieht es mit einem Energiekonzept aus, Wärmepumpen und Photovoltaik? Gute Anbindung an Bus und Bahn? Ist es vorstellbar, dass die Siedlung innen autofrei ist, dort Kinder spielen frei können?“ Derlei werde oft nicht bedacht. „Ich will hier nichts übers Knie brechen, aber etwa in einem Workshop mit Anliegern und Bürger so etwas erörtern“, setzt Semmelmann hier seine Duftmarke ab.

Station 3: Fürs Klima viel zu tun

Was jetzt kommt, fügt sich in dieses Bild. Bahnhof Nordbögge, flinke Verbindung gen Hamm oder Kamen/Dortmund/Pott. Ideal für Pendler, was die Schiene betrifft. Und dann? „Bahn & Bike“ ist Semmelmanns Idee für ein besseres Fortkommen. „Hier könnte eine Radstation entstehen, wie sie Next-Bike betreibt.“ Eine unbemannte Ausleihstation, werbefinanziert, an der Pendler ein (E-)Rad nehmen, zur Arbeit im nahen Gewerbegebiet trampeln und es dort im Gegenstück der Station abstellen, bis es nach der Schicht zurückgeht.

Das hält gesund, auch im Interesse der Betriebe, schont die Umwelt, argumentiert der Bewerber. Damit die Sache ins Rollen kommt, will er von hier aus einen Radweg nach Pelkum schaffen, weil auf der Hauptstraße schlecht radeln ist.

Bahn & Bike sind seine Vision für den Bahnhof Nordbögge. Eine unbemannte Ausleihstation hier und das Gegenstück im Gewerbegebiet soll Pendler dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen. (Bildzeile aktualisiert)

Überhaupt das Gewerbegebiet: „Cashcow der Gemeinde“, sagt mein Tourguide, nachdem er mich zu Kik gelotst hat. Mit 6 000 Jobs so wichtig für Bönen und die Menschen hier, dass ein Bürgermeister Semmelmann mehr für Pflege und Förderung der Betriebe tun würde – sowie fürs Klima. Ein Gebäudekataster schwebt ihm vor, Basis für die energetische Erneuerung des alternden Bestands. CO2-Einsparung, Fassadenbegrünung, Flächenentsiegelung – so etwas treibt den Mann hier um.

Gleich ums Eck: Bio-Security, Startrampe für junge Unternehmen, die mit Lebenmittelsicherheit Teil der Brücke vom Erzeuger zum Verarbeiter sind. „Ziemlich einmalig, ein Pfund, mit dem Bönen besser wuchern könnte“, findet er. „Zumal die Gemeinde Gesellschafterin ist.“

Station 4: Touristisches Potenzial

Es folgt das Leib- und Magenthema des ADFC--Chefs in NRW: Weiter zum Lenningser Bahnhof, Perle am Alleenradweg. Radtourismus – wieder ein Pfund, mit dem sich besser wuchern ließe, so der Wahlkämpfer. Kombiniert mit dem Sesekeradweg und Routen über die Dörfer sei das attraktive Naherholung.

Ist das nicht schön hier? Den Alleenradweg hat Thomas Semmelmann nicht nur wegen der schönen Aussicht und Rast neben dem ehemaligen Lenningser Bahnhof gewählt.

Station 5: Warum kein Radweg?

Und ein letztes Kopfschütteln zum Schluss, Tourkilometer 22.03: Die Bahnhofstraße einmal auf links gedreht, neu ausgebaut – aber ohne separaten Radweg? Geht gar nicht, findet der Mann von der Radlerlobby. Platz sei genug.

Schöne Bescherung: Straße geplant, Radfahrer „vergessen“ – lautet die sinngemäße Übersetzung zu Thomas Semmelmanns Geste an der sanierten Bahnhofstraße.

Stattdessen kämen sich Rad und Auto hier gefährlich nah. „Wissen Sie, warum in Holland kaum jemand Fahrradhelm trägt?“, hatte er zwischendurch schon angemerkt. „Die bauen einfach sichere Radwege.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare