Im Bönener Zechenturm

Erinnerungen an den Bergbau: Förderverein baut alten Strecke-Streb-Übergang nach

Der nachgebaute Strecke-Streb-Übergang vermittelt einen Eindruck der Welt unter Tage: Ralf Maczkowiak zeigt, welch beengte Bedingungen im Streb herrschten.
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Der nachgebaute Strecke-Streb-Übergang vermittelt einen Eindruck der Welt unter Tage: Ralf Maczkowiak zeigt, welch beengte Bedingungen im Streb herrschten.

Der Zechenturm in Bönen ist um eine Attraktion reicher: Etwa eine Handvoll Mitglieder des Fördervereins Zeche Königsborn III/IV haben im Turm einen Strecke-Streb-Übergang nachgebaut und zeigen damit einen Einblick in die Welt unter Tage, wie die Bergleute sie in der Nachkriegszeit erlebten, als noch vielerorts pure Muskelkraft gefragt war.

Bönen – Wie anstrengend die Arbeit war, können Besucher (den Auftakt im vollendeten Bauwerk macht am 16. August eine Kindergruppe im Rahmen des Ferienspaßes) auch selbst erleben. Fördervereinsvorsitzender Herbert Jüttner und Ralf Maczkowiak sowie ihre Mitstreiter haben nämlich einen kleinen Teil eines Strebs nachgebaut – also den Bereich, in dem die Kohle abgebaut wird. Dieser Streb führt einmal um den Fahrstuhlschacht im Zechenturm herum und ist begehbar. Oder besser: bekriechbar, denn aufrecht stehen ist nur für die kleinsten Besucher möglich. „Wer möchte, kann dort auf allen vieren durchkriechen“, sagt Maczkowiak.

Fördervereinsvorsitzender Herbert Jüttner (l.) kennt als früherer Elektrohauer die Arbeit unter Tage. Rechts: Schriftführer Ralf Maczkowiak.

Ausgestattet sind sie dabei mit Kopflampen und zugehörigem Akku. „Denn unter Tage war es natürlich dunkel, also versuchen wir, es so dunkel wie möglich zu gestalten im nachgebauten Streb“, erklärt der Schriftführer des Fördervereins. Noch realistischer wird es, wenn die Besucher sich auf allen vieren am Transport des Gezähes – also der Werkzeuge der Bergleute – versuchen und beispielsweise Schüppe, Säge oder den druckluftbetriebenen und nicht gerade leichten Abbauhammer mit in den Streb nehmen.

Holzspende der Ruhrkohle

Die Idee, einen Strecke-Streb-Übergang nachzubauen, gab es im Verein schon länger. Vor etwa zehn bis zwölf Jahren fragte Jüttner bei der Ruhrkohle nach einer Holzspende. Ein bis zwei Jahre später traf die tatsächlich ein. Nach einer ersten Bauphase ruhte das Projekt allerdings eine Weile. „Jetzt war es an der Zeit weiterzumachen“, erzählt Jüttner. Etwa fünf Aktive nahmen den Weiterbau auch im Hinblick auf den Kinderbesuch Mitte des Monats in Angriff.

Und der Einsatz hat sich gelohnt. Das Team hat ein kleine Stück Bergbaugeschichte zum Anfassen geschaffen. „Es gibt mehrere Arten, Geschichte zu vermitteln“, sagt Jüttner. Von bloßen Lehrfilmen und Erklärtafeln halte er nichts. „Ich finde es wichtig, mit den Leuten in den Dialog zu treten, statt sie einfach auf eine Leinwand schauen zu lassen.“

Gefragt war pure Muskelkraft

Darum berichtet er bei den Führungen im Bönener Zechenturm gern auch aus seiner eigenen Zeit als Starkstromelektriker unter Tage – oder Elektrohauer, wie es in der Fachsprache heißt.

Mit dem Nachbau des Strecke-Streb-Übergangs wollen die Mitglieder des Fördervereins die Erinnerungen an den Bergbau wachhalten. Ganz bewusst entschieden sie sich dabei, den Bergbau der Nachkriegszeit in den Blick zu nehmen. Also die Zeit, in der in vielen Bereichen noch pure Muskelkraft gefragt war, weil die Elektrizität erst relativ spät Einzug hielt unter Tage – wegen der Gefahr, dass sich durch entstehende Funken Gasgemische entzünden. So will der Verein gerade Kindern und Jugendlichen nahebringen, wie körperlich anstrengend die Arbeit im Bergbau früher war.

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