Prozessauftakt in Dortmund

„Ich war mir sicher, dass ich sterben würde“ - Ehepaar aus Bönen schildert brutalen Raubüberfall

Angeklagter Landgericht Dortmund Verteidigerin Ina Klimpke
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Der Angeklagte, hier mit seiner Verteidigerin Ina Klimpke, hatte 2018 auch einen spektakulären Bahn-Unfall in Nordbögge inszeniert.

Mit unfassbarer Brutalität soll ein heute 45-jähriger Mann aus Bönen im April 2014 ein Ehepaar in dessen Haus an der Maria-Terwiel-Straße überfallen haben. Zu Prozessbeginn vor dem Dortmunder Landgericht beteuerte der Angeklagte jedoch seine Unschuld.

Dortmund/Bönen - Kaum hatte Staatsanwältin Sandra Lücke die Anklageschrift verlesen, platzte es auch schon aus dem Angeklagten heraus. „Ich bin unschuldig“, sagte er den Richtern – und holte dann aus zu einem langatmigen Vortrag über Sportwetten und Aktienverkäufe, mit denen er regelmäßig viel Geld verdiene.

Das sollte erklären, warum in seiner Wohnung im vergangenen Sommer ein Tresor und mehrere Fläschchen mit Pfefferspray gefunden worden waren. „Man hat in diesem Business oft mit großen Mengen Bargeld zu tun“, behauptete der 45-Jährige. „Und deshalb habe ich ein großes Sicherheitsbedürfnis.“

Tränenreiche Zeugenaussage

Staatsanwältin Lücke ist jedoch davon überzeugt, dass der Angeklagte Pfefferspray nicht nur zur Eigensicherung mit sich herumtrug, sondern mindestens einmal auch als Angriffswaffe eingesetzt hat. Am 25. April 2014 soll das gewesen sein, dem Tag, der das Leben eines Ehepaares aus Bönen nachhaltig veränderte.

Die heute 62-jährige Frau stand damals rauchend vor der Haustür, als plötzlich ein fremder Mann auftauchte, der sie sofort mit Pfefferspray außer Gefecht setzte. Was folgte, war ein echter Albtraum. Die Frau wurde gefesselt, geknebelt und in einem Abstellraum eingesperrt. Und als zehn Stunden später ihr Mann nach Hause kam, war der Täter immer noch da und schlug auch diesen mit einem Baseballschläger blutig.

„Ich habe kaum Luft bekommen, ich war mir sicher, dass ich sterben würde“, erinnerte sich der heute 64-jährige Pensionär als Zeuge im Dortmunder Landgericht. Immer wieder kamen dem Mann während seiner Aussage die Tränen. Und auch die Frau weinte, als sie die brutale Tat schildern musste.

Versuchter Millionenbetrug

Belastet wird der Angeklagte von seiner Ex-Freundin, die ihn nach der Trennung bei der Polizei angezeigt hat. Ihr soll der Bönener von dem Raubüberfall erzählt haben. „Sie ist doch aber nicht neutral, weil sie mir einfach schaden will“, sagte der Angeklagte den Richtern dazu.

Im Juni 2020 hatte er bereits dasselbe erzählt, als er vom Dortmunder Landgericht wegen versuchten Millionenbetruges verurteilt wurde.

Seine Ex-Freundin hatte auch ausgepackt, dass ein vermeintlicher Bahn-Unfall aus 2018 in Wirklichkeit absichtlich herbeigeführt worden war. Der Angeklagte hatte sich offenbar von einem Zug die Hand abfahren lassen, um die Unfallversicherung zu kassieren. Gegen die Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft hat er jedoch Berufung eingelegt.

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