Einzeltraining mit Abstand

Hundetrainer in Bönen dürfen wieder unterrichten

Hundetrainer Ernst Schnübbe betreibt in Bönen die Hundeschule „Freude fürs Leben“ und hält Vorträge bei der VHS.
+
Ernst Schnübbe hat schon unzähligen Bönener Tipps zur Hundeerziehung gegeben. Seine Kurse sind seit Monaten ausgebucht, und im Lockdown ist seine Warteliste immer länger geworden.

Bönen – In Krisenzeiten ist es gut, einen Freund zu haben. Und für viele Menschen läuft dieser „beste Freund“ auf vier Pfoten. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist die Zahl der Hundebesitzer deutlich gestiegen, auch in der Gemeinde. Da vor allem „Anfänger“ oftmals Unterstützung bei der Erziehung des neuen Mitbewohners benötigen, hätten Hundeschulen in den vergangenen Monaten also wohl Hochbetrieb gehabt. Doch die waren gleichfalls vom Lockdown betroffen, mussten ihre Tätigkeit einstellen. Seit Montag dürfen sie immerhin wieder einzelne Veranstaltungen im Freien durchführen – unter strenger Beachtung aller geltenden Schutzmaßnahmen.

Allzu oft hat in den vergangenen Wochen das Telefon bei Christiane Dimigen an der Opsener Straße in Bönen geklingelt. Am anderen Ende der Leitung waren verzweifelte Hundebesitzer, die dringend Hilfe benötigten, weil ihr vierbeiniger Liebling so gar nicht das machen wollte, was sie sollten oder andersherum das nicht sollte, was sie wollten. „Es haben sich sehr viele Menschen in der Pandemie einen Hund angeschafft, weil sie jetzt vielleicht die Zeit dafür hatten. Die Züchter kamen zum Teil gar nicht mehr hinterher – so groß war die Nachfrage“, weiß die Hundetrainerin.

Dass die zahlreichen Ersthundehalter Anleitung bräuchten, um ihren Vierbeiner gut zu erziehen, sei völlig normal. „Gerade die erste Zeit, wenn die Welpen vom Züchter abgeholt wurden, ist prägend. Das ist eine ganz wichtige Phase für den Hund, die Sozialisierungsphase. Wenn da etwas schief geht, kann das schlecht ausgehen“, sagt Christiane Dimigen.

„Gefahr für die Öffentlichkeit“

Und damit kennt sich die Bönenerin gut aus. Schließlich arbeitet die anerkannte Sachverständige regelmäßig mit vermeintlichen „Problemfällen“, mit Hunden, die zugebissen haben. „Das ist dann eine Gefahr für die Öffentlichkeit“, stellt sie fest. Ihrer Ansicht nach fallen Hundeschulen deshalb auch nicht in die Rubrik „außerschulische Lernangebote“, die im Lockdown schließen mussten, sondern vielmehr in den therapeutischen Bereich, der geöffnet bleiben durfte.

Dimigen konnte in dieser Zeit zumindest ihre Arbeit mit den Hunden der DRK-Rettungsstaffel fortsetzen. „Rettungshunde sind Gebrauchshunde. Für sie gelten andere Regeln. Als Suchhunde sind sie in gewisser Weise systemrelevant. Mit ihnen ein Jahr lang nicht zu arbeiten, das geht nicht“, erklärt die ausgebildete Mantrailing (Personensuche)-Trainerin.

Christiane Dimigen weiß, wie wichtig das richtige Training für Hund und Mensch ist. Sie ist froh, dass sie damit wieder beginnen kann.

Sie bedauert es jedoch sehr, dass gerade die Welpen und Junghunde in den Familien in den vergangenen Monaten keine Möglichkeit hatten, mit ihren Artgenossen zu spielen, zu lernen und sich gegenseitig ein Stück weit beizubringen, wie sich „Hund“ im Kontakt mit anderen verhält. „Es hätte ja gereicht, wenn wir in Kleinstgruppen, also mit zwei, drei Hunden, gearbeitet hätten“, wünscht sie sich. Ein großer Hundeplatz draußen, die Menschen auf ausreichend Abstand: Die Gefahr einer Ansteckung sieht Christiane Dimigen dort nicht. Jetzt ist sie aber auf jeden Fall froh, endlich wieder los legen zu können. „Es gibt einen extrem hohen Nachholbedarf. Viele Hunde wurden in die Pandemie hineingeboren. Sie sind jetzt acht Monate alt“, schildert die Expertin. Diese „Teenager“ benötigten dringend ein paar Erziehungstipps. Ihre „Herrchen“ und „Frauchen“ sind glücklich, sich diese nun wieder bei Experten holen zu können.

Ihre Kollegin Heike Hillebrand aus Lenningsen hat ihre mobile Praxis für Hundetraining und Verhaltensberatung hingegen kurz nach Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr geschlossen – vorübergehend, vielleicht sogar für immer. Sie will kein Risiko eingehen „Ich habe mich entschlossen, solange kein Training anzubieten, bis es eine adäquate Lösung gibt“, sagt Heike Hillebrand. Sie arbeitet seit geraumer Zeit hauptberuflich in einem Gartenzentrum. „Dort habe ich schon viele Fremdkontakte, zwar mit Abstand, Maske und Plexiglasscheiben, aber das Risiko, das Virus zu übertragen, ist mir dennoch zu hoch.“

Enger Kontakt zu Mensch und Tier

Die Lenningserin hat persönlich Erfahrung mit Corona gemacht. „Mein Mann ist im vergangenen Jahr an Covid-19 erkrankt. Und obwohl er einen sogenannten milden Verlauf hatte, möchte niemand diese Krankheit haben“, versichert sie und erzählt von heftigen Fieber-schüben. Sie blieb trotz des engen Kontaktes zum Partner von einer Ansteckung verschont. „Da sieht man, wie wenig wir immer noch über das Virus wissen“, wundert sie sich nach wie vor darüber.

Beim Einzeltraining, insbesondere bei Angst- und Aggressionshunden, auf das sich Hillebrand spezialisiert hat, kommt sie nicht nur dem Tier nahe. „Man arbeitet auch sehr nah am Menschen.“ Die Chance, dabei das Virus zu verbreiten, sei leider vorhanden. „Wenn jemand aber Probleme mit seinem Hund hat und sich bei mir meldet, leite ich ihn gerne an eine Kollegin weiter. Sie hat in etwa den gleichen Werdegang wie ich.“

Dafür, dass ihre Existenz nicht von der Hundeschule abhängt, ist Heike Hillebrand heute dankbar. „Wir sind zwei Verdiener in der Familie und bis jetzt ganz gut durch Krise gekommen. Und ich bin froh, mich nicht ständig fragen zu müssen, ob ich beim Training genügend Distanz halten kann.“

Ernst Schnübbe muss indes nun auf Distanz achten. Fünf Meter sollen zwischen ihm und dem Hunde-Menschen-Gespann liegen, mit dem er jeweils übt. Doch darin, Abstand zu halten hat er ohnehin nie ein Problem gesehen. „Es hat mich schon gewurmt, als wir Mitte November schließen mussten. Damals konnten sich noch zehn Personen privat treffen, Hundeschulen, die draußen stattfinden, mussten aber schließen. Das kann ich mit gesundem Menschenverstand kaum nachvollziehen“, sagt er. Er und viele seiner Kollegen hätten ein ausgereiftes Hygienekonzept vorlegen können – vergeblich.

Viele Junghunde, wenig Welpen

Jetzt darf der Inhaber der Hundeschule „Freude fürs Leben“ in Bönen nach langer Pause endlich wieder Einzeltraining anbieten „Das ist ein kleiner Lichtblick, ein kleiner erster Schritt“, bemerkt Ernst Schnübbe. Auf den Gruppenunterricht, den er seit vielen Jahren mit viel Begeisterung für Hunde aller Altersklassen und Rassen anbietet, muss er dagegen weiterhin verzichten. „Wenn es dann irgendwann an einem Tag X wieder losgehen darf, werden wir alle viel Ruhe und noch mehr Geduld brauchen. Es wird nicht für alle, die bei uns auf den Wartelisten stehen, sofort losgehen können“, hat der Kamener ebenfalls den deutlich gestiegenen Bedarf an Hundetraining zu spüren bekommen.

Schon vor dem zweiten Lockdown musste er seine Kunden auf Ende Januar vertrösten, weil alle Kurse ausgebucht waren. Nach der erneuten, wochenlangen Schließung hat sich mittlerweile reichlich angestaut. „Wir werden eine Flut an Junghunden haben, weniger Welpen“, ist sich der Experte sicher. Die Hundebabys sind in den vergangenen Wochen auch ohne Training weiter gewachsen. Sie müssen einiges nachholen. „Wir werden unser Möglichstes tun und mehr Kurse als sonst geben“, verspricht Schnübbe. „Aber unser Tag hat nach wie vor nur 24 Stunden. Wir werden die vergangenen trainingslosen Monate nicht komplett aufholen können.“

Um zumindest „Erste-Hilfe“ zu leisten, bietet er eine Telefonsprechstunde an, dienstagsvormittags und donnerstags von 12 bis 13 Uhr unter der Rufnummer 0 23 07/ 28 15 68.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare