Hohe Strafen: Doch wer sanktioniert Maskenmuffel im Bus?

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Einen genaueren Blick auf die Situation in den Bussen möchte das Bönener Ordnungsamt legen. Wer ohne Maske im Bus unterwegs ist, dem drohen 150 Euro Bußgeld

In dieser Woche trat eine deutliche Erhöhung der Strafen für Maskenverweigerer in Bus und Bahn in Kraft. 150 Euro muss nun bei einem Fehlverhalten bezahlt werden. Im Kreis tragen die meisten Menschen allerdings ihren Mund- und Nasenschutz. Die Verweigerer können nur schwer sanktioniert werden.

Bönen – Es ist Mittag in Bönen, die Schulkinder haben gerade schulfrei und überhaupt ist am Bahnhofsvorplatz viel los. Auch an der Bushaltestelle, wo einige Leute jetzt in den Bus einsteigen. Alle haben die Maske schon aufgesetzt oder sind gerade dabei sie hervorzuholen. Das müssen sie auch. Maskenpflicht herrscht in Bussen und Bahnen bereits seit einiger Zeit, doch seit Mittwoch hat das Verkehrsministerium daran auch ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro geknüpft. Andere Bundesländer sind aktuell zu ähnlichen Entscheidungen gekommen.

Die Szene am Bahnhof stimmt mit den Beschreibungen von Inga Fransson, Pressesprecherin der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna, überein. „Der tatsächlich überwiegende Teil der Menschen hält sich an die Maskenpflicht, bis auf wenige Ausnahmen“, habe die VKU bei stichprobenartigen Erhebungen in den vergangenen Wochen festgestellt. Dementsprechend rechnet Fransson nicht damit, dass das erhöhte Bußgeld zu einer großen Veränderung führt: „Die Strafe ist jetzt höher, ich glaube aber nicht, dass das an der Einstellung derjenigen, die sie nicht tragen, etwas ändert.“

Vorfälle mit Verweigerern nicht bekannt

Renitente Verweigerer seien ihr im Kreis nicht bekannt. Auch der Ordnungsdienst in Bönen vermeldet keine derartigen Vorfälle, die Kreispolizei gibt dazu keine Auskunft. Anderswo sah das anders aus: In Rheine beispielsweise wurde ein Busfahrer von einem Fahrgast nach dem Hinweis auf die Maske angegriffen und bespuckt.

Solche Vorfälle „können dafür sorgen, dass ein Fahrer sich beim gleichzeitigen Einstieg von mehreren Maskenverweigerern überlegt, ob er überhaupt etwas sagen soll oder besser nicht“, sagt Nikolai Weber, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Breitenbach. „Wer weiß schon, wo die Aggressivitätsschwelle der zugestiegenen Kunden liegt?“ Das Unternehmen betreibt unter anderem in Bönen, Werl und Hamm Linien. Auch Weber weiß nichts von schwerwiegenden Vorfällen in seinem Zuständigkeitsbereich.

Minister will nicht Diskutieren, Polizei setzt auf Augenmaß

Das Thema Maskenpflicht im ÖPNV hatte zuletzt in der öffentlichen Diskussion Fahrt aufgenommen. Als „relativ flott“, empfindet Fransson daher die Umsetzung. Bislang wurden in NRW Bußgelder nur erhoben, wenn sich Fahrgäste trotz Aufforderung weigerten, die Maske aufzusetzen. Die Verschärfung trat am Mittwoch in Kraft. Verkehrsminister Hendrik Wüst sagte, man wolle „keine lange Diskussion mehr mit Masken-Muffeln“.

Die Polizei im Kreis sieht das etwas anders. „Viel wichtiger ist es, mit Augenmaß vorzugehen und mit den Menschen vernünftig zu reden“, erklärte ein Sprecher der Behörde. Bis jetzt sei das gut gelungen. Zur Not werde das Hausrecht durchgesetzt, so der Sprecher.

Busfahrer sollen zunächst das Gespräch suchen

Was aber passiert denn nun, wenn Fahrgäste partout keinen Mundschutz aufsetzen wollen? Die Busfahrer sollen zunächst mit den Menschen reden. „Ich denke, die meisten sehen es ein“, sagt Fransson. Manchmal kläre sich auch im Gespräch, dass jemand ein Attest für eine Maskenbefreiung besitze, sogar ein kleiner Notvorrat sei in jedem Bus hinterlegt. Bei einer Weigerung könntn die Busfahrer nur auf das Bußgeld hinweisen, in die Wege leiten dürften sie es rechtlich nicht.

Sollte jemand dennoch Nase und Mund nicht bedecken, informiert der Fahrer die Leitstelle, die wiederum Ordnungsamt oder Polizei kontaktiert. Der Bus setzt seine Tour dann zunächst fort. „Halten können wir nicht, die anderen Fahrgäste wollen auch pünktlich ihr Ziel erreichen“, erklärt Fransson. Die Ordnungskräfte greifen an einer der nächsten Stationen ein. „Das geht relativ flott“, versichert Fransson. Weber hält das für keine gute Lösung: „In den Bussen müssen mehr Polizisten oder Ordnungsamtsmitarbeiter mitfahren, damit unsere Mitarbeiter, die sich auf den Straßenverkehr konzentrieren müssen, aus der Schusslinie genommen werden.“

Kontrolle im Bus nur auf Anfrage möglich

Das ist allerdings gar nicht so einfach. Der Ordnungsdienst kann nicht agieren, wie der Fahrkartenkontrolleur: einfach einsteigen und alle Passagier überprüfen. Er muss gerufen werden, wenn ein konkreter Anlass besteht. Dennoch versucht die Gemeinde mitzuhelfen.

„Wir werden einen Blick darauf werfen“, sagt Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte, darum sei die Verwaltung auch explizit vom Kreis Unna zum Schutz der Busfahrer und der Fahrgäste gebeten worden. Stärker frequentierte Bushaltestellen sollen daher in den Blick genommen werden. Eine konzertierte Aktion sei wegen der Personalausstattung aber nicht her, so Otte.

Schlechtes Timing

Der Tag der Einführung des Bußgelds brachte zusätzliche Schwierigkeiten mit sich. Am Mittwoch war Schulanfang. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts seien an anderen Stellen gefordert gewesen, erläutert Otte und nennt ein offensichtliches Beispiel: „Die Grundschüler sollen sicher zur Schule gelangen.“

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