Hofladen in Bönen: Friedrich Stemper setzt seit 1983 auf Bioprodukte

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Friedrich Stemper bietet in seinem Hofladen nicht nur Produkte aus eigener Produktion an. Er profitiert auch von einem Netzwerk regionaler Biobauern, die gemeinsam beim Großhandel bestellen.

Bönen – 36 Jahre Bioprodukte aus Lenningsen: Friedrich Stemper betreibt zusammen mit seiner Frau Mercedes seit 1983 einen Biobauernhof. Er bietet nicht nur eigene Produkte an, sondern ist auch Netzwerk regionaler Biobauern, die gemeinsam beim Großhandel bestellen. Statt Laufkundschaft vertrauen vor allem Stammkunden auf seine Produkte.

Zeitweise hätten zwei bis drei Biobauern auf dem Unnaer Wochenmarkt verkauft, sagt Friedrich Stemper, Biobauer aus Lenningsen. Inzwischen sei dort keiner mehr vertreten. Der Handel mit ökologisch produziertem Obst, Gemüse und Fleisch war immer schon abhängig von äußeren Umständen. „Skandale, Katastrophen wie Tschernobyl und Rinderwahn“ waren es, die das Geschäft ankurbelten, meint der Lenningser Bauer nachdenklich. Seinen Hofladen stellt der WA zum Auftakt einer kleinen Serie über Bönener Hofläden vor.

Er begann 1983, mit dem hehren Ziel, ein politisches Zeichen zu setzen. „Wir wollten der industriell, betriebenen Landwirtschaft etwas entgegensetzen“, erklärt Stemper. Diesen revolutionären Charakter hat die Szene längst verloren, sie ist inzwischen im Discounter angekommen. 

Bioland kooperiert mit Lidl, Demeterprodukte liegen im Kaufland. Friedrich Stemper und Ehefrau Mercedes haben ihren Hofladen auch der Zeit angepasst. „Als wir auf der Deele angefangen sind, haben wir vor allem Milch, Eier, Kartoffeln, Brot, saisonales Obst von den eigenen Bäumen und Fleisch verkauft“, erzählt er. Von 15 000 Litern Milch im Jahr sank der Verkauf auf „vielleicht sechs Liter in der Woche.“ 

Marktverkauf stand nie zur Debatte

Die Leute seien auf den Hof gekommen, um Kartoffeln zu kaufen, wenn diese geerntet waren. „Eine Gruppe von 20, 30 Studenten aus Dortmund kam hier regelmäßig mit Sammelbestellungen für Milch, Eier und Brot an“, erzählt der Landwirt. In Unna gab es den Laden Ehrensache, der die Erzeugnisse aus dem Lenningser Betrieb mit ehrenamtlichen Kräften vermarktete.

Selber zum Kunden gehen, einen Markt beschicken? Den Gedanken hat Stemper nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Logistisch sei diese Form der Direktvermarktung für einen kleinen Hof schwer zu stemmen – man braucht Personal.

Bentheimer Schweine sind auf Hof Stemper an der Friedensstraße zu entdecken.


„Und wenn man bei diesen Temperaturen Gemüse am Stand präsentiere, kann man es nachher wegschmeißen“, sagt Stemper. Oder dem Vieh zu fressen geben. Im Laden auf dem Hof an der Friedensstraße liegt das Gemüse und Obst wohl temperiert im Kühlhaus. „Die Grundidee des Hofladens ist ja auch, dass die Kunden sehen, wie es so auf unserem Bauernhof läuft“, so der Biobauer.

Seit 2000 wird nicht mehr nebenbei in der Deele verkauft. Der neue Laden bietet Regale, eine Kühltheke, Auslagen mit Obst und Gemüse. Längst nicht mehr nur das, was das eigene Land hergibt. „Die Kunden wollten ein komplettes Angebot“, weist Stemper auf den Wandel im Kundenverhalten hin. 

„An Gemüse hatten wir früher selber Porree, Zwiebeln, Wirsing und Weißkohl“, sagt er, „aber der ökologische Anbau ist sehr arbeitsintensiv, die Handarbeit wurde zu teuer.“ 

Stammkunden statt Laufkundschaft

Im Sinne der regionalen Produktion kooperierte der Lenningser dann erst mit einem Gemüsebauern aus Soest, später kaufte er bei Biobauer Holtschulte aus Welver zu. Heute komplettiert er das Angebot über den Bio-Großhändler Weiling in Coesfeld. „Der ist zwar teurer als andere Anbieter, sein Angebot hat aber dafür ein Gesicht. Er weiß, von wem er die Ware bezieht, Stichwort Regionale Vermarktung. Und auch bei Zitrusfrüchten achtet Weiling auf die Anbieter.“

Ein Problem sei, dass der Großhändler erst ab einer Mindestbestellung liefere. Stempers Vorteil ist, dass die Bio-Protagonisten der Region gut vernetzt sind, und gemeinsam ordern. „Laufkundschaft habe ich natürlich keine“, sagt Stemper. Dafür jede Menge Stammkunden, darunter immer noch Käufer aus Dortmund. Die Einkaufszeiten hätten sich inzwischen wegen der berufstätigen Kundschaft in den Abend verschoben, geöffnet ist der Laden am Dienstag und Freitag von 15.30 bis 19 Uhr. „Und dann liefere ich Dienstagabend aus“, so der Biobauer. 

Entweder eine 20 Euro-Abokiste oder auch auf Bestellung, zum Beispiel ins Awo-Seniorenzentrum. „Es kommen junge Eltern mit kleinen Kindern, solche auf Gesundheitstrip oder Menschen, die sich Gedanken um die Tierhaltung machen. Wir haben keine Geheimnisse, alles ist offen und transparent.“ Bei ihm komme nichts in den Laden, mit dem er sich nicht identifizieren könne. „Es gibt ja zum Beispiel in den Niederlanden biologisch produzierten Brokkoli und Blumenkohl, der aber so manipuliert gezüchtet ist, dass die Blüte verzögert ist – den lege ich mir nicht in den Laden.“ 

Nur eine Ausnahme im Bioangebot

Stemper will dabei bleiben, dass das im Angebot ist, was zur jeweiligen Jahreszeit passt. Getreide und Kartoffeln sowie Äpfel und Pflaumen stammen wie das Fleisch weiterhin von der eigenen Scholle. „Wir produzieren aber nur für den eigenen Laden“, sagt der Lenningser Bauer.

„Bei uns ist alles bio bis auf eins“, verrät er. „Für den Schwerter Senf hier im Laden habe ich eine Ausnahmegenehmigung bei der Kontrollstelle beantragt.“ An den Geschmack dieser Spezialität käme nämlich kein Biosenf heran. 

„Eigentlich bin ich ja schon in Rente“, sagt Stemper weiter. Den Hof wird Sohn Roland im Nebenerwerb weiterführen. Den Laden und vielleicht zukünftig ein Hof-Café werden er und Mercedes weiterführen – nicht nur die Kunden kommen schließlich vorbei, um zu quatschen.

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